Nachruf

Günther Fleckenstein hat die Bad Hersfelder Festspiele geprägt

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Erinnerungen an Intendant Günter Fleckenstein und sein Wirken in Bad Hersfeld: Das Foto oben in der Mitte zeigt den Intendanten mit Hersfeld-Preisträgerin Cornelia Froboess, die anderen Bilder stammen von Proben und Presseterminen.

Günther Fleckenstein, der ehemalige Intendant der Bad Hersfelder Festspiele ist gestorben. Helgo Hahn erinnert an sein Wirken in der Stiftsruine und der Stadt.

Günther Fleckenstein ist am 17. Januar 2020 ist im Alter von 96 Jahren verstorben. (Wir berichteten im Kulturteil). In den Jahren 1976 bis 1981 war er der vierte Intendant der Bad Hersfelder Festspiele als Nachfolger von Prof. Ulrich Erfurth. Unser Gastautor Helgo Hahn, der Vorsitzende der Freunde der Stiftruine, erinnert an Fleckensteins Wirken bei den Bad Hersfelder Festspielen.

„Fleckenstein wurde in Mainz geboren und studierte nach dem Abitur Philosophie und Theaterwissenschaften. Nach Stationen in Mainz und verschiedenen Regiearbeiten in Ulm, Gelsenkirchen und Essen wurde er Oberspielleiter in Münster und Hannover. 1966 übernahm er als Nachfolger des legendären Heinz Hilpert die Leitung des Deutschen Theaters in Göttingen.

Schwerpunkte seiner Arbeit, die auch in Hersfeld sichtbar wurden, waren neben zeitgenössischen Autoren das griechisch-antike Drama und besonders die Werke Carl Zuckmayers, mit dem er persönlich verbunden war.

Bereits 1970 hatte er Peter Hacks „Amphytrion“ und 1973 Arthur Millers „Hexenjagd“ in der Stiftsruine inszeniert. Im ersten Jahr seiner Intendanz brachte Fleckenstein Aristophanes’ Komödie „Die Vögel“ auf die Ruinenbühne und führte zahlreiche Neuerungen ein. So ließ er nicht nur in der Stiftsruine, sondern auch an anderen Spielstätten und Plätzen spielen. Sein Ziel war es, aus Bad Hersfeld ein „Hessisches Avignon“ zu machen.

Dazu gehörte auch der Kontakt zur Theatergruppe der Modellschule Obersberg mit Manfred Grund als Spielleiter. Der Dramaturg Dietrich W. Hübsch erarbeitete mit den Schülern und mehreren Lehrern zwei Jugendstücke, „Der Spielplatz“ und „Tatort Elternhaus“, die in der Stiftsruine aufgeführt wurden. Zu diesen Stücken durfte ich meine erste Bühnenmusik schreiben und aufführen. Daneben bekamen die Festspielkonzerte und die Oper in der Stiftsruine, organisiert vom Arbeitskreis für Musik im Anschluss an die eigentlichen Festspiele, ein größeres Gewicht.

Höhepunkte von Fleckensteins Hersfelder Inszenierungen waren Zuckmayers „Schinderhannes“ (1977) mit Frank Hoffmann in der Hauptrolle und „Der Fröhliche Weinberg“ (1981) mit Günter Strack. Auch seine letzte Inszenierung in der Stiftsruine im Jahre 1995 unter der Intendanz von Volker Lechtenbrink war ein Zuckmayer-Stück, „Der Rattenfänger von Hameln“ mit Julian Weigend und Anja Topf in den Hauptrollen.

Georg Tass, sein Komponist für viele Bühnenmusiken, erlitt während der Proben einen Schlaganfall und so übertrug er mir die Aufgabe die Musik zu Ende zu schreiben und die musikalische Einstudierung zu übernehmen.

Unvergessen während der Fleckenstein-Intendanz ist die Arturo-Ui-Inszenierung in der Regie von Ulrich Brecht mit Mario Adorf in der Hauptrolle. Herausragend war ebenso die Produktion „Das Leben des Galilei“ mit Will Quadflieg in der Inszenierung von Imo Moszkowicz. Weitere große Schauspieler, die in der Fleckenstein-Ära in der Stiftsruine auftraten, waren Walter Giller, Loni von Friedl, Heinz Baumann, Karl Walter Diess, Benno Sterzenbach, Sigmar Solbach, Daniela Ziegler, Friedrich Schütter, Wolfgang Gellert, Else Ludwig, Eva Kotthaus, Nikolaus Paryla und Volker Lechtenbrink, der auch zum ersten Mal in der Stiftsruine „Die drei Musketiere“ inszenierte.

Ein besonderes Theaterexperiment scheiterte. Obwohl Fleckensteins Inszenierung von Becketts „Warten auf Godot“ von der Kritik hochgelobt wurde und auch zwei Spielzeiten lief, war das Zuschauerinteresse eher gering.

Günther Fleckenstein beendete seine Intendanz nicht zuletzt wegen der Nachwirkungen eines Herzinfarktes, den er sich auch durch sein großes Engagement und seine Verbundenheit mit der Stiftsruine zugezogen hatte.

Er galt als Regisseur, der Werk, Künstler, Musik und Stiftsruine zu einer großartigen, bis dahin nicht gesehenen, Einheit verschmelzen lassen konnte. Dies wird in seinem Gedicht „Dank an die Stiftsruine“ deutlich.“

"Du einmaliger Raum! 

Einmalig 

In Deiner sakralen Kargheit, 

Deinen Proportionen, 

Deiner fordernden Würde,

Die immer noch

Aus Deinen Steinen spricht, 

Sofern die Narren unseres Metiers 

Sie nicht zum Schweigen zwingen.

Ich habe Dich 

Von Anfang an geliebt.

Du warst bei allen Stücken, 

Die ich in Dir, 

Mit Dir in Szene setzte, 

Der große Träger, der 

Die Inhalte und Formen und, 

Wenn unser Spiel gelang, 

Zur Kunst erhob.

Dem Kundigen bist Du Beweis, 

Daß ohne Dich, 

Das Wirken Deiner stillen Kraft, 

Das Spiel der Spiele, 

Sei es noch so gut, 

doch letztlich scheitern muß."

Von Helgo Hahn

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