ZWISCHEN DEN ZEILEN

Greta, Brückenbauer und Camper

Über aufmüpfige Kinder, die Hessentags-Abrechnung und eine Enttäuschung für alle Campingfreunde schreibt Kai Struthoff in unserer Wochenkolumne.

Der Klimawandel ist zurzeit in allen Medien ein großes Thema: Zurecht, man muss ja nur mal mit offenen Augen durch unseren Wald gehen oder beim Wandern in den Alpen die schmelzenden Gletscher sehen. Ich finde es deshalb hoch verdient, dass Greta Thunberg den Alternativen Nobelpreis bekommen hat. Sie hat dieses Thema in den Fokus gerückt und Massen von Menschen mobilisiert. Auch ihr Auftritt vor der UNO-Vollversammlung nötigt mir Respekt ab, denn mit den üblichen diplomatischen Phrasen sind wir bislang nicht weit gekommen.

Deshalb ist es ebenfalls gut, dass Gretas Friday-for-Future-Bewegung auch bei uns im Kreis angekommen ist. Über 300 Demonstranten waren es zuletzt in Bad Hersfeld – es könnten ruhig noch ein paar mehr werden. Erschrocken bin ich allerdings, mit welcher Vehemenz in den sozialen Netzwerken – leider auch hier vor Ort – auf die Teilnehmer eingedroschen wird. „Die sollen lieber zur Schule gehen“ oder „Solche Kinder will ich nicht haben“ gehören noch zu den harmloseren Kommentaren.

Hallo! Gehts noch? Hier werden unsere Kinder, unsere Nachbarn, Mitschüler beleidigt. Vor ein paar Jahren klagten wir „Erwachsenen“ noch über die unpolitische Null-Bock-Jugend. Natürlich sind manche Forderungen etwas blauäugig, naiv und überzogen. Und selbstverständlich fängt Klimaschutz bei jedem selbst an. Aber galt das nicht auch damals für die Demos in Gorleben und Brokdorf, gegen die Startbahn West, die Pershing II-Raketen und für den Frieden? Ohne ein gehörige Portion Idealismus wird sich nie etwas verändern. Deshalb mehr davon!

Vermutlich werden sich einige von Ihnen fragen, wie groß wohl das Loch sein wird, das der Hessentag in die Bad Hersfelder Stadtkasse reißt, wenn schon das Klinikum ein Millionen-Defizit beklagen muss. Natürlich haben wir nachgefragt. Noch lägen keine Zahlen vor, erklärt Rathaus-Sprecher Meik Ebert. Man sei von zahlreichen externen Unternehmen und Behörden abhängig und warte noch auf GEMA-Abrechnungen, Prüfungen oder das Finanzamt. Auch in Korbach hatte ja die endgültige Finanz-Bilanz eine gewisse Zeit in Anspruch genommen. Hoffen wir also das Beste ...

Nach der zunächst ablehnenden Haltung in den Ausschüssen haben die Stadtverordneten am Donnerstagabend völlig überraschend doch grünes Licht für eine neue Brücke im Kurpark gegeben. Auch wenn die Sorge um hohe Baukosten natürlich berechtigt ist, überwiegen hier eindeutig die Vorteile. Und eine bessere und barrierefreie Anbindung des Kurparks ist längst überfällig.

Vorerst gestoppt sind allerdings die Pläne für einen Wohnmobil- und Campingplatz am Fuldaufer – und das ist schade. Zum einen wird Fördergeld nicht abgerufen, zum anderen fehlt Bad Hersfeld damit eine wichtige touristische Attraktion.

Camping boomt und ist längst keine Urlaubsart für arme Studenten mehr. Angesichts der Nähe zur Autobahn und der Attraktivität der Festspielstadt würde ein Campingplatz vermutlich gut frequentiert. Gegen den zum Hessentag als Campingplatz genutzten Standort an der Grasbahn am Libri-Kreisel hatte die Obere Naturschutzbehörde aber Einspruch eingelegt – leider offenbar erst sehr spät, sodass Alternativstandorte nun so schnell nicht mehr mit Fördergeld realisiert werden können.

Beerdigt ist das Projekt deshalb aber noch nicht, hören wir aus der Verwaltung. Campingfreunde dürfen also weiter hoffen.

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