Popkonzerte bei den Bad Hersfelder Festspielen

Gregor Meyle in der Stiftsruine: Dem Publikum ganz nah

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Legt dem Publikum seine Texte in den Mund: Gregor Meyle, Singer-Songwriter, als Dirigent auf der Bühne der Stiftsruine. Mit seiner Musik und seiner sympathischen Art begeistert er das Publikum.

Bad Hersfeld. Schon bevor seine Band am Mittwochabend in der ausverkauften Stiftsruine das erste Lied anstimmte, brachte der sympathische Gregor Meyle das Publikum zum Lachen.

 „Vor euch steht die beste Band der Welt, abgesehen von mir.“ So stellte der Singer-Songwriter Gregor Meyle sich und seine Band dem Publikum in der Stiftsruine vor.

Humorvoll und charmant zog er das Publikum schnell in seinen Bann. Bereits beim zweiten Lied folgten alle der Aufforderung aufzustehen, mitgeklatscht wurde ganz von selbst. Mit Texten aus dem Leben, Strophen, die jeder nachempfinden kann, und einer spontan neu gedichteten Zeile – „in Bad Hersfeld bin ich Zuhaus“ – spielte sich Meyle in die Herzen der Zuschauer. Dem Sänger sind Bad Hersfeld und die Festspiele nicht ganz unbekannt. Beinahe hätte es den jungen Meyle vor vielen Jahren zu einem Praktikum als Tontechniker in die Festspielstadt verschlagen, verriet er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ausprobieren und variieren

Neben vielen Meyle-Klassikern wie „Keine ist wie du“ oder „Steh wieder auf,“ spielte die zehnköpfige Band drei Stücke aus dem neuen Album „Hätt' auch anders kommen können“. Wenn man live neue Stücke spiele, könne man sich noch ausprobieren und variieren, erzählt Meyle. Es gebe aber auch alte Songs, die ihren festen Platz im Konzert haben.

„Wir mögen, was wir machen und das sieht und hört man auch,“ sagt der Musiker. „Das Tolle ist, dass man rum kommt und jeden Tag woanders ist. Das hält frisch,“ schwärmt Meyle. Dem Publikum ganz nah zu sein ist Gregor Meyle wichtig. „Ich muss die Leute sehen“ sagt er und verrät zusätzlich, dass er die Menschen gerne von der Bühne aus beobachtet.

Das zahlte sich aus, schnell stellte sich die Band auf das Publikum ein und musste feststellen: „Ihr seid noch schüchtern.“ Die ersten Aufforderungen mitzusingen gingen eher in Genuschel über, doch Meyle überzeugte als guter Dirigent und legte den Zuschauern seine Texte in den Mund.

"Das Leben ist kostbar!"

Mit Leidenschaft und ganz viel Herz sang und spielte Meyle auf seiner Gitarre. Was immer wieder aus seinen Liedern hervorkam, sei es wortwörtlich als Liedtext oder als versteckte Botschaft, war die Erinnerung „Das Leben ist kostbar.“

Im Gesang eine tragende Rolle spielte Laura Bellon, die seit fünf Jahren mit Meyle auf Tour ist. Vor dem Auftritt von Gregor Meyle und seiner Big-Band begeisterte die Sängerin das Publikum in der Stiftsruine mit eigenen Songs.

„In diesem Set ist alles dabei, man kann es nicht in eine Schublade packen,“ versprach Meyle nicht zuviel. Selbst Raggea, Samba und Country gab es zu hören. Springend, klatschend und im Kreis drehend tobte sich Meyle auf der Bühne aus. Rund um die Ruine hatte sich auch ein großes Publikum auf Picknickdecken versammelt, um der Musik zu lauschen und die Atmosphäre zu genießen.

Applaus, Trampeln und Pfeifen ließen nicht nach, nachdem die Musiker die Bühne verlassen hatten. Lange ließ die Band das Publikum auf eine Zugabe warten, aber die hatte es dann noch einmal in sich. Mit ihren Instrumenten gingen die Musiker von der Bühne in die Ränge des Publikums und spielten ein Lied in einer Akustik-Version.

Es wurde dunkel und ganz still, der Sänger begeisterte ganz ohne Mikrofon und großer Show, bevor er nach zweieinhalb Stunden Konzert die Stiftsruine verließ.

Von Laura Hellwig

Umjubeltes Konzert von Gregor Meyle in der Stiftsruine

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