Keine Kundgebungen am 1. Mai

Gewerkschaftsbund: Corona-Pandemie verschärft soziale Ungleichheiten

Zur zentralen Kundgebung des DGB am 1. Mai 2019 im Kreis Hersfeld-Rotenburg kamen viele Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter nach Bad Hersfeld. Vorher zogen sie lautstark durch die Stadt.
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Eine große Kundgebung des DGB - wie hier vor zwei Jahren in Bad Hersfeld - wird es auch dieses Jahr coronabedingt nicht geben. Der Gewerkschaftsbund weicht auf digitale Angebote aus. (Archivfoto)

Der 1. Mai steht beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) unter dem Motto „Solidarität ist Zukunft“. Größere Kundgebungen in Hersfeld-Rotenburg wird es coronabedingt nicht geben.

Bad Hersfeld – Der DGB-Kreisverband wird mit Blick auf die Infektionszahlen auf eine Kundgebung und Feier rund um den Lullusbrunnen am Rathaus in Bad Hersfeld verzichten. Dennoch sei gerade in dieser Zeit die Arbeit der Gewerkschaften von immenser Bedeutung. „Die Corona-Krise fokussiert wie ein Brennglas gesellschaftliche Defizite, so in der digitalen Infrastruktur oder in sozialer Teilhabe, und hat soziale Ungleichheiten weiter verschärft. Gerade Menschen mit geringen Einkommen und prekären Beschäftigungsverhältnissen trifft es besonders hart“, sagt Andreja Schmidtkunz, Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Hersfeld-Rotenburg.

In einem Interview zum Tag der Arbeit haben wir mit Michael Rudolph, dem DGB-Vorsitzenden für Hessen und Thüringen, über das vergangene Corona-Jahr und die dadurch erwachsenen Forderungen an Gewerkschaften gesprochen. Für Rudolph hat in den vergangenen, durch Corona geprägten Monaten gerade das Homeoffice aufgrund der Einschränkung im Mobilitätsverhalten der Beschäftigten einen großen Anteil bei der Reduktion des Infektionsgeschehens gehabt.

DGB: Homeoffice birgt für Arbeitnehmer auch Gefahren

Für viele Beschäftigten sei die Umstellung eine völlig neue Erfahrung gewesen, an die sie sich erst hätten gewöhnen müssen. Zwar habe das Homeoffice viele Vorteile für die Beschäftigten, beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es berge aber auch Gefahren. „Studien vor der Pandemie haben gezeigt, dass Beschäftigte im Homeoffice länger arbeiten als im Büro – aus einer vermeintlichen Dankbarkeit gegenüber dem Chef –, für viele fehlen zudem die sozialen Kontakte zu den Kolleginnen und Kollegen“, so Rudolph. In Betriebsvereinbarungen müsse daher ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit festgeschrieben werden.

Gewerkschafter setzen auf digitales Angebot

Am 1. Mai startet um 10.30 Uhr ein Livestream des DGB-Nordhessen mit einer Kundgebung aus Kassel. Im Internet unter nordhessen.dgb.de können Interessierte den Reden folgen. Am Nachmittag bietet der DGB dann bundesweit ab 14 Uhr eine Livesendung an. Unter dgb.de wird es Statements von Gewerkschaftern, einen virtuellen DGB-Chor, eine digitale Mairede des geschäftsführenden DGB-Bundesvorstandes und vieles mehr geben.

Zudem brauche es eine verbindliche Regelung im Arbeitsschutz, da es auch im Homeoffice zu psychischen Belastungen komme. Der Gesetzgeber müsse erkennen, dass Homeoffice und gleichzeitige Kinderbetreuung nicht immer problemlos miteinander vereinbar seien. „Die Erfahrungen von Millionen von Eltern haben genau diese Probleme aufgezeigt“, so Michael Rudolph. (Mario Reymond)

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