100 Jahre Volkshochschule

Geteiltes Wissen ist doppeltes Wissen

+

Bad Hersfeld – An 100 Jahre „Wissen teilen“ erinnerten am vergangenen Freitagabend bundesweit zahlreiche Volkshochschulen in einer „Langen Nacht“.

Mit einem bunten Programm, einem regelrechten „Teach-In“, in dem praktische Einblicke in zahlreiche Kursangebote geboten wurden, beteiligte sich auch die Volkshochschule des Kreises Hersfeld-Rotenburg an der bundesweiten Aktion.

Fremdsprachen, Exkursionen, Bewegungs- und Gesundheitskurse, kreatives Gestalten, Computerkurse und berufliche Weiterbildung – vieles ist möglich. Das wurde sowohl in den Ausstellungsräumen in der Leinenweberstraße deutlich, in denen nicht nur Blicke riskiert werden durften: Schreiben, das Gestalten von „Glühwürmchen im Glas“, Farb- und Stilberatung, Theater oder Sport und Entspannung boten vielfältige Möglichkeiten zum Selbertun und Ausprobieren.

Und wer schon immer mal wissen wollte, wie es sich anfühlt, Schlagzeug oder Gitarre zu spielen, war bei Benjamin Schaub und Lutz Fußangel vom Kooperationspartner Musikschule genau an der richtigen Adresse. Wer wollte, konnte auch probieren, ob seine Deutschlandkenntnisse ausreichen, um einen Einbürgerungstest zu bestehen.

In einer Flurausstellung wurde außerdem an die Wiedervereinigungs-Ereignisse des Jahres 1989 erinnert. Für Anja Staab, die die Volkshochschule seit 18 Jahren leitet, ist die Ausstellung ein wichtiges Element der politischen Bildung, die ebenfalls zu den Aufträgen der Volkshochschulen zählt.

In Vorträgen und Lesungen erinnerten Dozentinnen und Dozenten unter anderem gemeinsam mit der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz und mit der Kreisfrauenbeauftragten Ute Börsch an die Geschichte der Volkshochschulen. Hier wurde auch das Dokument zitiert, das vor 100 Jahren einen der entscheidenden Anstöße für die Entwicklung der Volkshochschulen gab: „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden“ – mit diesem Satz in der Weimarer Reichsverfassung wurde die staatliche Verantwortung für die Förderung der Weiterbildung festgeschrieben.

Erinnert wurde auch an die Rolle der Arbeiterbildungsvereine und die Bedeutung der Volkshochschulen für die Bildung von Frauen. Bei selbst gemachter Limonade, fantasievollen Mixgetränken und einem reichlich bestückten Büffet konnten sich die Besucher stärken, um dann die zahlreichen Gesprächs- und Beratungsangebote zum Programm der Volkshochschule wahrzunehmen. Besonders gefragt sind, nach Auskunft von Vhs-Leiterin Anja Staab momentan Kurse im Bereich Gesundheit und Prävention, Sprachkurse und Kurse zur beruflichen Weiterbildung. Doch auch die Programme verändern sich: War unter den Sprachkursen zunächst – der Nachkriegs-Italiensehnsucht der Deutschen geschuldet – Italienisch der Renner, so haben heute Kurse für Deutsch als Fremdsprache sehr an Bedeutung gewonnen. Und auch in den Kursen selbst hat sich vieles verändert: Konversationskurse bieten die Möglichkeit, Sprachen lebendig zu erleben, denn „nur Grammatik ist langweilig“, das betonte auch Italienisch-Dozentin Sabine Ruhkopf in ihrem sehr anregenden Vortrag. (uj)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare