ZWISCHEN DEN ZEILEN

Geschichten aus dem Kalten Krieg

Das Bild zeigt Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

In unserer Wochenend-Kolumne schreibt Redaktionsleiter Kai A. Struthoff über die Freude am Tag der Deutschen Einheit und den Frust über eine Absage.

Wenn man so wie ich „stramm auf die 60“ zugeht, fühlt man sich im Kreise jüngerer Kollegen zuweilen wie ein Dinosaurier. Songs, Filme, Bücher und Stars, für die wir damals geschwärmt haben, kennen die jungen Kollegen oft gar nicht mehr. (Mir geht es freilich auch oft so mit den Bachelors und Dschungelcampern dieser Tage ...) Doch auch in der Bewertung geschichtlicher Ereignisse tun sich Generationenkonflikte auf. Während ich mich noch genau an jene glücklichen Tage der Deutschen Einheit erinnere, liegt das für die Nachgeborenen meilenweit zurück.

Heute vor 30 Jahren stand ich mit amerikanischen Freunden vor dem Reichstag in Berlin und habe mit tausenden anderer Menschen die Nationalhymne gesungen – obwohl das eigentlich gar nicht so mein Ding ist. Damals „wehte der Mantel der Geschichte“. Langsam ahnte ich, dass unser Land und mein Leben eine neue Wendung bekamen. Wie bei so vielen von uns – und gerade auch hier im früheren Zonenrandgebiet. Darüber können wir uns heute noch freuen!

Vor einem Jahr ist die junge Hamburger Fotografin Mina Esfandiari (Jahrgang 1985) mit ihrem Fahrrad auf dem Radweg Deutsche Einheit von Bonn nach Berlin geradelt, um eben dieses besonders Gefühl der deutschen Geschichte zu erfahren. Mina hat damals auch bei uns in Bad Hersfeld Station gemacht, wir waren in Point Alpha und bei der Premiere von „Emil und die Detektive“ in der Stiftsruine, und sie hat mir Löcher in den Bauch gefragt. Endlich wollte mal jemand meine „Geschichten aus dem Kalten Krieg“ hören.

Jetzt hat die junge Kollegin ihrer Erfahrungen in einem Bildband verarbeitet, der eigentlich gestern bei einer Vernissage im Bundesverkehrsministerium hätte vorgestellt werden sollen. Ich war auch eingeladen. Doch Corona hat auch dieser Veranstaltung einen Strich durch die Rechnung gemacht.

So wird es zunächst nichts mit dem Wiedersehen, wohl aber mit dem Wiederhören. Mina und ich sind zum Interview über ihre Erlebnisse als Radlerin zwischen den Welten verabredet, das Sie demnächst in unserer Sonntagszeit lesen können.

Mächtig enttäuscht und auch ganz schön sauer war Ludwigsaus Bürgermeister Hagemann über die geplatzte Ansiedlung der Hager-Group im Gewerbegebiet Mecklar/Meckbach. Dabei hatte sich die Gemeinde gerade auf diese Ansiedlung des Elektro-Riesen gefreut, denn ein weiterer reiner Logistiker wie DHL hätte noch mehr Schwerlastverkehr, Lärm und Schmutz gebracht.

Nun hat ja jeder Verständnis dafür, dass auch ein großes Unternehmen in Corona-Zeiten das Geld zusammenhält. Trotzdem war ich verwundert, als mir ein Leser einen Zeitungsartikel aus dem Kreis-Anzeiger Wetterau schickte, der berichtet, dass die Hager-Group in einem Gewerbegebiet bei Büdingen an der A 45 rund 40 000 Quadratmeter Hallenfläche für ein Logistikzentrum gemietet hat. Von 200 neuen, allerdings reinen Logistik-Jobs ist die Rede. Ob da der Wetterau-Kreis mit einem besseren Angebot Hersfeld-Rotenburg wohl ausgestochen hat?

Namen sind Nachrichten: Bei unserem Bericht zur Vorstandswahl für den Bad Hersfelder Stadtmarketingverein haben wir versehentlich Friedhelm Großkurth nicht genannt, der sich mit strategischem Talent als Beisitzer weiterhin engagiert dort einbringt. Er hat es gelassen und mit Humor genommen ....

Bleiben auch Sie lustig. Ein schönes Wochenende, feiern wir die Einheit! (Kai A. Struthoff)

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