Verabschiedungen im Stadtarchiv

Die Geschichte Bad Hersfelds liegt ihnen am Herzen

Im Einsatz für die Geschichte der Stadt: Gerhard Kraft (links) und Jürgen Wolff haben viele Jahre im Louis-Demme-Archiv gearbeitet und wurden jetzt verabschiedet. Foto: Stadt/nh

Bad Hersfeld. Gerhard Kraft und Jürgen Wolff wurden aus dem Louis-Demme-Stadtarchiv Bad Hersfeld verabschiedet

Es war die Familienforschung, die einst Gerhard Kraft in das Stadtarchiv geführt hat, und es soll nun das Schreiben der eigenen Familiengeschichte sein, die ihn dazu bewog, das Stadtarchiv wieder zu verlassen. 16 Jahre – seit 2002 – hat Gerhard Kraft zuverlässig das Stadtarchiv betreut: Anfragen beantwortet, Akten übernommen und verzeichnet und maßgeblich dazu beigetragen, das Stadtarchiv in eine digitale Welt zu führen. Und es war Kraft, der Jürgen Wolff davon überzeugen konnte, sein Wissen dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen. Beide verlassen zum 30. Juni das Louis-Demme-Stadtarchiv Bad Hersfeld.

Geschichte ist sein Hobby

Gerhard Krafts Hobby ist die Geschichte – sei es die eigene Familiengeschichte oder die Veränderungen in seiner Heimatstadt. Diese zu erfassen und zu dokumentieren liegt ihm am Herzen. So führte ihn die Familienforschung 2002 in das Stadtarchiv Bad Hersfeld. Seit 16 Jahren sorgte seitdem Kraft jede Woche – mit Ausnahme von Urlaubszeiten – für die alltägliche Arbeit im Stadtarchiv.

Mit großem Engagement kümmerte er sich vor Ort um die Anfragen und Nutzer aus aller Welt, übernahm Akten, verzeichnete sie und brachte nebenbei die Notlage des Stadtarchivs an die Öffentlichkeit. Auf sein Drängen wurden die Räumlichkeiten des Stadtarchivs signifikant erweitert und erstmals seit 40 Jahren liegt die Leitung des Stadtarchivs wieder in hauptamtlichen Hand.

Doch noch ein zweites Interesse kam dem Stadtarchiv zugute: Computer und die Möglichkeiten der Digitalisierungen waren der zweite große Schwerpunkt der Arbeit von Kraft. Er hat in den letzten Jahren einen wahren Fundus an digitalisierten Büchern und Archivalien angelegt, der nun bald auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden wird: Adressbücher, Louis-Demmes „Chroniken der Stadt Bad Hersfeld“, weitere bedeutende Arbeiten zur Stadtgeschichte: Weit mehr als 8000 Seiten hat Kraft alleine an Büchern für das Stadtarchiv gescannt und so am Computer verfügbar gemacht.

Grundlagenarbeit geleistet

Ein Arbeitsaufwand, der nicht nur den Nutzern und Nutzerinnen zugutekommt, sondern auch den alten Dokumenten, denn eine Digitalisierung schont immer die Originale. Somit hat Gerhard Kraft wahre Grundlagenarbeit für das Archiv geleistet, auf die die aktuelle Stadtarchivarin Dr. Tanja Roth sehr froh ist zurückgreifen zu können.

Fotos der Stadt überlassen

Nicht nur die Verzeichnisse und die Digitalisierungen überlässt Kraft der Stadt zur weiteren Nutzung. Er hat auch seine Fotos, die er über die letzten Jahre von der Stadt angefertigt hat, dem Stadtarchiv übergeben. Diese Fotografien werden damit den ersten Grundstock für eine aktuelle Stadtdokumentation der Stadt Bad Hersfeld bilden: Eine Dokumentation der Stadt, so wie sie heute aussieht – damit auch die Menschen der Zukunft später einmal auf alte Fotografien zugreifen können.

Wolff, der Foto-Experte

Die Bearbeitung der alten Fotografien zur Stadtgeschichte, das war das Aufgabengebiet von Jürgen Wolff, der ebenfalls in den Ruhestand verabschiedet wurde. Es war Kraft, der Jürgen Wolff 2009 ansprach, ob er nicht auch Interesse h ätte, im Stadtarchiv zu helfen. Es gebe dort viele Fotografien, um die sich noch niemand gekümmert habe – und Jürgen Wolf als geborener Hersfelder kannte sich schon immer gut in der Stadt aus. Orts- und Personenkenntnis Wolff war einverstanden: Foto für Foto identifizierte er: Wer ist darauf zu sehen? Wo befand sich dieses Haus? Wann wurde das Bild überhaupt aufgenommen? 

Eine Aufgabe, die nur mit der entsprechenden Orts- und Personenkenntnis in dem herausragenden Umfang vorgenommen werden konnte, wie es Wolff getan hat. Eine sehr wichtige Aufgabe, die noch lange nicht abgeschlossen ist. Denn so praktisch und wundervoll alte Fotos oft anzusehen sind, so will man doch auch wissen was und wer darauf zu sehen ist. Da Wolff nicht nur die Bilder beschrieben hat, sondern sehr oft noch Anekdoten und einen weiteren wissenswerten Hintergrund zu den Fotos notiert hat, dokumentiert seine Arbeit nicht nur die Fotos, sondern sehr viel Stadtgeschichte. Ein Schatz, der im Archiv sehr gut gehütet werden wird. Stadtarchivarin Tanja Roth dankte daher den beiden für ihre geleistete Arbeit im Louis-Demme-Stadtarchiv und wünschen ihnen einen noch langen und vergnügten Ruhestand.

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