Die Kurve gekriegt

Jugendschöffengericht Bad Hersfeld erlebte einen geläuterten Angeklagten

Statue der Justitia
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Statue der Justitia in Frankfurt am Main

Haarscharf ist ein junger Mann vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld um einen Arrest herumgekommen. Als Erwachsener hätte ihm auf jeden Fall eine Freiheitsstrafe gedroht.

Bad Hersfeld – Das machte Richterin Michaela Kilian-Bock in der Verhandlung am Montag deutlich.

Doch da der geständige 21-Jährige glaubhaft versicherte, sein Leben geändert zu haben, blieb es bei einer Verwarnung und der Auflage, die Drogenberatung der Diakonie aufzusuchen.

Bei dem jungen Mann hatte die Polizei im Dezember 2018 während einer Wohnungsdurchsuchung in Rotenburg erhebliche Mengen an Rauschgift – überwiegend Marihuana, aber auch Amphetamine – entdeckt. Die Menge war so groß, dass rechtlich nicht nur eine Straftat vorlag, sondern ein Verbrechen. 19 Jahre war der Angeklagte damals alt, also zwar volljährig, aber noch ein Heranwachsender.

Er habe die Drogen für einen Bekannten gebunkert, gab der Angeklagte bei seiner Vernehmung durch die Polizei an. Dieses Geständnis bestätigte nun sein Verteidiger Artak Gaspar. Es sei dem jungen Mann auch klar gewesen, dass der Bekannte diese Menge nicht für den Eigenbedarf benötigte, sondern damit Handel treiben wolle. Er selbst habe damals ebenfalls viel Marihuana konsumiert, gab der Angeklagte zu.

Inzwischen habe er aber mit seiner Vergangenheit gebrochen, sowohl mit den alten Freunden als auch mit den Drogen. Er lebe seitdem abstinent, habe auch eine stationäre Einrichtung besucht, die Behandlung aber abgebrochen, um seine Ausbildung beginnen zu können.

„Das ist mein Traumberuf“, schwärmte der Angeklagte von seiner Ausbildung und auch von dem neuen Chef, der ihm eine Wohnung vor Ort zur Verfügung stellt. Seine schwierigen familiären Verhältnisse – er hatte jahrelang keinen Kontakt zu den Eltern – hat er ebenfalls bereinigt. Der Wunsch, Vorbild für seine kleine Schwester sein zu können, sei eine wesentliche Motivation dafür gewesen, sein Leben wieder in die Spur zu bringen, versicherte er.

Schwierig gestaltete es sich für das Gericht, Staatsanwältin Sarah Lomb, Verteidiger Artak Gaspar und Dana Wiegand von der Jugendhilfe im Strafverfahren, eine geeignete Strafe zu finden. Geldbuße und Arbeitsauflagen sind schwer mit der Ausbildung zu vereinbaren und viele Hilfsangebot hat der Angeklagte bereits hinter sich gelassen, weil er sich so gut entwickelt hat. Blieb also die Verwarnung und die Auflage, zu sieben Gesprächen bei der Suchtberatung der Diakonie. Das Urteil ist rechtskräftig. (Christine Zacharias)

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