Bestehende Spielfelder sollen bleiben

Geplantes EU-Verbot von Kunstrasengranulat: Sportkreis fordert Bestandsschutz

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Auch auf dem städtischen Kunstrasenplatz am Ziegenrück, der fußballerischen Heimat des SV Heenes, findet man Granulat in größeren Mengen. Es dient zur Dämpfung und um die Löcher auf dem Platz zu füllen. 

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sehen Fußballvereine und Politiker die Verbotsdebatte um Kunstrasengranulat entspannt – fordern aber Bestandsschutz für existierende Spielfelder.

Das geplante EU-Verbot von Mikroplastikgranulat auf Kunstrasenplätzen wirbelt bundesweit Staub auf. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sehen Fußballvereine und Politiker die Verbotsdebatte um die Kunststoffkörnchen bislang entspannt – fordern aber Bestandsschutz für bereits existierende Spielfelder.

„Alles andere als ein Bestandsschutz wäre hanebüchen“, sagt der Vorsitzende des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg, Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald. Ein Rückbau der alten Plätze wäre indiskutabel, „da sonst in den betroffenen Kommunen der Trainings- und Spielbetrieb zusammenbrechen würde“. Mit Blick auf den Umweltschutz „muss man aber über die Sinnhaftigkeit von Granulat auf Sportplätzen reden“.

Kreisweit gibt es drei Fußballplätze mit Kunstrasen in Bad Hersfeld (Am Ziegenrück, Asbach, Jahnpark), einen Trainingsplatz in Unterhaun, der auch für Jugendspiele genutzt wird, sowie zwei DFB-Minispielfelder in Bebra (Brüder-Grimm-Schule) und Hauneck (Astrid-Lindgren-Schule).

Weitere Kunstrasenplätze sind geplant, zum Beispiel in Heringen. „Da wir mit unseren Planungen noch nicht begonnen haben, hat die Diskussion für uns noch keine Auswirkungen“, sagt Heringens Bürgermeister Daniel Iliev. Die Stadt will den Naturrasenplatz am Werraufer mit Fördergeld des Bundes durch ein künstliches Spielfeld ersetzen, „damit wir, wenn es kalt und matschig ist, den Trainings- und Spielbetrieb gewährleisten können“, sagt Iliev. Sollte das Granulat tatsächlich ab 2022 verboten werden, „schauen wir uns Alternativen wie Quarzsand oder Kork an“.

Auch in Lispenhausen soll ein neuer Fußballplatz gebaut werden. „Bislang ist ein Kunstrasenplatz geplant“, sagt Christian Grunwald. „Angesichts der aktuellen Debatte rücken natürlich auch Alternativen wie wetterresistenter Winterrasen in den Fokus.“ Das Wichtigste sei ohnehin, dass der Platz ganzjährig bespielbar ist, um den Hallenbetrieb zu entlasten. 

35 Tonnen Granulat pro Fußballplatz

Laut DFB gibt’s deutschlandweit 5000 Kunstrasenplätze. 440 davon befinden sich in Hessen. Auf jedem Quadratmeter eines Kunstrasenplatzes landen laut einer Studie des Fraunhofer-Institus im Schnitt fünf Kilogramm Gummigranulat – auf einem Fußballplatz liegen somit etwa 35 Tonnen. Das Granulat, das dafür sorgt, das Spielfeld zu dämpfen, muss immer wieder nachgefüllt werden, um Löcher zu stopfen. ses/hex

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