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Georg Frank liebt das Leben im Zirkus und gastiert gerade in Bad Hersfeld

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In seiner Arbeitskleidung: Georg Frank in seinem 13 Meter langem Wohnwagen mit seinem
In seiner Arbeitskleidung: Georg Frank in seinem 13 Meter langem Wohnwagen mit seinem © Märthe Werder

Georg Frank, wurde in einem Zirkuswohnwagen geboren und hat sein ganzes Leben im Zirkus verbracht. Zurzeit gastiert er mit dem Circus Paul Busch in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld – Es sei ein hartes Leben, aber auch ein schönes Leben. Von Ort zu Ort reisen, im Wohnwagen leben, fast täglich vor Leuten auftreten und nie genau wissen, wie lange es so weiter gehen kann. Das ist das Leben von Georg Frank. Er ist der Gründer und ehemalige Zirkusdirektor des Circus Paul Busch. Auch jetzt ist er noch Teil der Zirkusfamilie und nennt den Zirkus sein Zuhause.

Georg Frank wurde in den Zirkus hineingeboren und erblickte 1943 in einem Zirkuswohnwagen das Licht der Welt. „Ich bin ein Zirkuskind durch und durch“, sagt der ehemalige Direktor. Bereits sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren im Zirkus. Er wuchs mit seinen 13 Geschwistern im Zirkus der Familie auf. Sein Vater hatte damals den größten trainierten Elefantenbullen in Deutschland und ging weltweit auf Tournee. So bereiste der junge Frank schon früh Spanien, Marokko oder auch Asien. Er selbst trat als Kunstreiter auf, 1985 gründete er seinen eigenen Zirkus und wurde dessen Direktor.

Der 78-Jährige hat sechs Kinder, 18 Enkel und 16 Urenkel, die ebenfalls alle im Zirkus tätig sind. Die Nachfolge in den nächsten Jahren ist also gesichert. „Die Kinder sind unser Ein und Alles, sie sind unsere Zukunft“.

Die Kleinen fangen an, in der Manege zu spielen, wobei die Interessen und Talente hervorkommen. Nach diesen werden sie dann gefördert und innerhalb des Zirkus ausgebildet. Zur Schule gehen sie immer dort, wo der Zirkus gerade Halt macht.

Der Circus Paul Busch besteht aus sechs Familien, unter denen ein großer Zusammenhalt besteht. Ohne die Familie würde so ein Zirkus nicht funktionieren, erzählt Frank. Jeder muss mit anpacken, damit alles funktioniert, es gibt schließlich immer etwas zu tun.

Jeden Tag voll eingespannt

Einer seiner Söhne hat vor circa drei Jahren die Leitung übernommen. Georg Frank selbst ist es inzwischen zu anstrengend geworden. Denn als Direktor ist man jeden Tag voll eingespannt: Organisation von Plätzen, Anschluss von Wasser und Strom, Einholen von Genehmigungen, Futter für die Tiere besorgen, vor Publikum auftreten. Sein Sohn Henry Frank habe die gewisse Ruhe dafür, die man benötige, findet der 78-Jährige. Doch Georg Frank bleibt beim Zirkus und packt weiterhin mit an. Er steht unter anderem am Eingang des Zeltes, empfängt die Zuschauer und hilft bei Organisatorischem.

An einem Ort zu leben ist nichts für ihn. Einmal hat er es versucht und baute ein Haus. Noch bevor der Bau abgeschlossen war, zog es ihn zurück in seinen 13 Meter langen Wohnwagen. Dieser ist mit allem ausgestattet, was man zum Leben braucht – Schlafzimmer, Bad, Küche und Wohnzimmer. Den Wagen bewohnt er inzwischen allein, denn seine Frau ist 2014 verstorben.

Vom Zirkus weggehen, sei für ihn jedenfalls keine Option. Als seine Kinder ihm und seiner Frau einst einen Urlaub auf Teneriffa schenkten, wollte er nach kurzer Zeit schon wieder nach Hause: in den Zirkus.

In den Augen von Georg Frank ist der Zirkus eine Kulturstätte, die seit Jahrhunderten besteht und auch weiter bestehen soll. „Lasst den Zirkus leben.“ Besonders für Kinder sei der Zirkus immer noch ein Erlebnis, bei dem sie einfach Kind sein können. Vieles könne man sich heute im Internet ansehen, meint Frank. „Doch den Manegenstaub zu riechen, das ist live.“

Wegen Corona musste der Zirkus fast zwei Jahre lang pausieren, er ist wortwörtlich stehen geblieben. Über ein Jahr lang hatten sie ihr Lager in Oberhausen aufgeschlagen, berichtet Frank. Alle ihre Einnahmen fielen weg und auch die Reserven waren schnell aufgebraucht. Daher war es ein großes Glück, dass es hilfsbereite Menschen gab, die ihnen Spenden und Futter für die Tiere gebracht haben.

Die Artisten boten kleine, kostenlose Vorstellungen zum Dank an, erzählt der alte Direktor. Sie machten Fotoshootings mit Kamelen und verkauften Zuckerwatte. Auch sonst waren die Artisten während der Pause nicht untätig. Die Wagen wurden gestrichen und sie brachten neue Vorhänge im Zelt an. Bislang sind die Vorstellungen gut besucht und Frank ist zuversichtlich, dass es erst mal so weiter geht. „Es ist schön, wieder vor Publikum auftreten zu können.“

„Ein Zirkus ohne Tiere ist kein Zirkus“

Mit Tierschützern hatte der Zirkus schon öfter Ärger. Auch deswegen verzichten sie inzwischen auf artengeschützte oder exotische Tiere. Georg Frank sagt aber, die Tiere seien das Wichtigste im Zirkus. „Ein Zirkus ohne Tiere ist kein Zirkus.“ Gerade Kinder würden die kleinen Ponys sehen wollen. Die Unterbringung der Tiere wird regelmäßig kontrolliert. „Auch die Leute, die in den Zirkus gehen, wollen, dass die Tiere gut untergebracht sind.“

Er ist in den Zirkus hineingeboren worden und ist glücklich damit. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen.“ Frank erzählt, dass der Zirkus eine ganz andere Welt sei, jeden Tag gäbe es etwas Neues und auch neue Herausforderungen. „Wir sind unser Leben lang unterwegs und dafür lebe ich.“ ( Märthe Werder)

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