Es geht um Minuten

Geo-Daten widerlegen den Angeklagten im Totschlagsprozess von Lispenhausen

Fulda. Im Totschlags-Prozess von Lispenhausen vor dem Fuldaer Schwurgericht widerlegt die Auswertung seines Handys die Aussage des Angeklagten.

Die registrierten Geo-Daten lege nahe, dass sich der 36-Jährige am Tattag 17. Oktober 2017 bis gegen 20.17 Uhr im Bereich der Wohnung in Lispenhausen befand, in der seine von ihm getrennt lebende Ehefrau etwa zu dieser Zeit erwürgt oder erdrosselt wurde.

Der Angeklagte hatte vor Gericht angegeben, bereits gegen 20 Uhr zurück in seinem etwa acht Autominuten entfernten Wohnort Seifertshausen gewesen zu sein. Die von gleich zwei Sachverständigen analysierten GPS-Daten (Global Positioning System), die das Blackberry-Telefon des Ehemanns automatisch gespeichert hatte, ergaben für den Tatabend fast punktgenaue Standortverläufe – etwaige Ungenauigkeiten bereits eingerechnet.

Wann genau die damals 33 Jahre alte Frau umgebracht wurde, ist im Prozess noch nicht genau definiert worden. Jedoch hat sich durch die Aussage eines weiteren sachverständigen Zeugen eine zeitliche Lücke von etwa zehn Minuten ergeben, in der der Angeklagte nachweislich nicht mehr vor Ort war, das in der Wohnung der Getöteten gelegte Feuer aber noch nicht bemerkt worden war.

Kurz danach war in der Nähe des Tatorts ein jüngerer Mann mit Kapuze gesehen worden, dessen Identität bislang nicht geklärt ist.

Zwei WhatsApp-Nachrichten auf dem Handy der Ehefrau, die gegen 20.30 Uhr gelesen beziehungsweise versendet wurden, geben ebenfalls noch Rätsel auf. Ein Automatismus ist jedoch zumindest bei einer Nachricht denkbar, wenn das nicht besonders gesicherte Telefon durch Druck oder eine Unterbrechung der Stromzufuhr entsperrt wird.

Der Prozess ist wegen ausstehender Gutachten bereits bis Anfang Dezember terminiert. Nächster Verhandlungstag ist der 20. September.

Von Karl Schönholtz

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