Musicalstar begeisterte mit ihrem Programm „Collective Memory“ in der Bad Hersfelder Martinskirche

Helen Schneider: Lieder als gemeinsame Erinnerungen

Ausdrucksstark und wandelbar: Musicalsängerin Helen Schneider trat in der Bad Hersfelder Martinskirche auf. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Sehr persönliche Gedanken und Gefühle, verpackt in zwölf eher leise Songs präsentierte Musicalstar Helen Schneider am Mittwoch und Donnerstagabend einem begeisterten Publikum in der Bad Hersfelder Martinskirche.

„Collective Memory“ – gemeinsame Erinnerung – heißt nicht nur das Programm, sondern auch das 2015 veröffentlichte, vom Singer/Songwriter-Stil der sechziger und siebziger Jahre beeinflusste Album, auf dem sich eben diese Lieder wiederfinden. Lieder, von Erinnerungen und Erfahrungen inspiriert, die jeder nachvollziehen kann, die sozusagen zu unserem kollektiven Gedächtnis gehören. Texte, die von Kindheitserinnerungen, spirituellen Erfahrungen, Parallelwelten, schmerzlichen Verlusten, dem Älterwerden, Ängsten und Hoffnungen erzählen.

Mit ihrer ausdrucksstarken und wandelbaren Stimme – mal zerbrechlich, mal kraftvoll, mal gehaucht, mal energiegeladen – füllte Helen Schneider den Raum der Martinskirche bis in den letzten Winkel, zog das Publikum förmlich in ihren Bann. Jo Ambros, ihr langjähriger musikalischer Wegbegleiter, sorgte dazu auf seiner Akustik-Gitarre für die passende Begleitung, präzise, unaufgeregt, sensibel, mit Anleihen beim Folk, Pop und Rock.

Helen Schneider in der Bad Hersfelder Martinskirche

Zwischen den Stücken gab Helen Schneider sehr viel Persönliches preis. Eher spontan plauderte sie über Kindheitserlebnisse im Ferienlager, kokettierte mit ihrem Alter oder reflektierte die Demenzerkrankung ihres Vaters und den Verlust ihres Lebensgefährten. Alles Erfahrungen aus dem kollektiven Gedächtnis, die fast jeder im Publikum auf die eine oder andere Art selbst schon gemacht hatte. Immer wieder begeisterter Applaus für eine gar nicht „divenhafte“ Diva, die nach Ende der Veranstaltung noch viel Zeit für Autogramme und Gespräche mit ihren Fans hatte.

Drei Jahre Vorlauf habe es bis zum Auftritt Helen Schneiders in der Martinskirche gebraucht, berichtete Pfarrer Karl-Heinz Barthelmes. Kinobetreiber Horst Martin habe ihn seinerzeit ins Göttinger Theater zu einer Veranstaltung mit Helen Schneider eingeladen. Barthelmes war von dem Programm, einer Interpretation der Grimmschen Märchen, so angetan, dass die Idee entstand, Helen Schneider zu einer Vorstellung in die Martinskirche einzuladen. Schließlich habe sie zugesagt, mit ihrem aktuellen Programm nach Bad Hersfeld zu kommen. „Die Kosmopolitin Schneider passt mit ihrer Weltoffenheit, religiösen Toleranz und breiten Bildung sehr gut in unsere Kirche“, unterstrich Pfarrer Barthelmes und betonte, dass dies gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig sei.

Von Thomas Landsiedel

Kommentare