Mehr Verfahren am Arbeitsgericht Fulda

Gegen Hessen-Trend: Streit im Job in der Region öfter vor Gericht

Die Zahl der Verfahren am Arbeitsgericht Fulda, das auch für Rechtsstreitigkeiten im Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständig ist, hat in jüngster Vergangenheit zugenommen.

Während sich hessenweit die Zahl der Klageeingänge bei den Arbeitsgerichten zwischen 2009 und 2018 fast halbiert hat, ist am Arbeitsgericht Fulda, das auch für Rechtsstreitigkeiten im Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständig ist, ein genau gegenteiliger Trend zu beobachten. Dort hat die Zahl der Verfahren in jüngster Vergangenheit zugenommen.

1774 Fälle waren es laut Direktorin Christine Schwarz im Jahr 2017, 1875 dann ein Jahr später und bis zum 31. Juli 2019 seien bereits 1108 Verfahren verzeichnet gewesen, sodass bis Ende dieses Jahres wohl mit rund 2000 Verfahren zu rechnen sei. „Bei uns geht es eher bergauf“, teilt die Direktorin mit. Am Arbeitsgericht in Kassel stehen sich hingegen immer seltener Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenüber. Wieviele der Fuldaer Verfahren Streitigkeiten im Kreis Hersfeld-Rotenburg betreffen, kann Schwarz allerdings nicht sagen. Wobei diese ohnehin den geringeren Teil ausmachten, der Großteil betreffe den Landkreis Fulda beziehungsweise die südlichen Gebiete im Zuständigkeitsbereich.

In der Regel seien es Arbeitnehmer, die gegen ihren Arbeitgeber klagen, anders herum sei es nur in etwa zehn Prozent der Fälle, so Schwarz. Streitpunkte seien meist der Kündigungsschutz oder die Vergütung. Weitere typische Themen sind laut Schwarz betriebliche Altersversorgung, Tarifauslegungsfragen und Betriebsübergänge. Auffällig sei die zunehmende Komplexität, die zu immer dickeren Akten führe.

Drei Richter bearbeiten die Fälle am kleinsten Arbeitsgericht in Hessen. Die durchschnittliche Verfahrensdauer von Beginn bis Ende beträgt laut Schwarz drei Monate – sofern keine Insolvenz dazwischen kommt.

Zunehmend schwieriger wird es laut der Direktorin, eine gütliche Einigung, also einen Vergleich, zu erzielen. Zugenommen hätten im Übrigen auch die sogenannten Beschlussverfahren, bei denen es um kollektivrechtliche Angelegenheiten unter Beteiligung des Betriebsrates geht. 

Es geht um Kündigung, Gehalt, Urlaub und mehr

Die Arbeitsgerichtsbarkeit ist für Streitigkeiten im Arbeitsleben zuständig. Dazu gehören solche zwischen Arbeitgebern und -nehmern, die im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis stehen, zwischen Tarifvertragsparteien oder auch Fragen der Mitbestimmung. Von praktischer Bedeutung sind Themen wie Kündigungsschutz, Befristungen, Arbeitsentgelt, Schadensersatz, Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, Arbeitnehmerüberlassung, Abmahnungen, Zeugnisse und Betriebsrente. nm

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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