Von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Pfarrer Bernhard Schiller

Gedanken zu Weihnachten: Erleuchtung im Dunkel des Lebens und wie ernst ist es uns mit der Liebe?

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Bad Hersfeld. Gedanken zur Weihnachtszeit von Pröpstin Sabine Kropf-Brandau vom Sprengel Hersfeld und Pfarrer Bernhard Schiller vom Pastoralverbund St. Lullus Hersfeld-Rotenburg.

Erleuchtung im Dunkel des Lebens

Fröhliche Weihnachten“, rufen wir in diesen Tag einander zu und diese wenigen Worte können uns daran erinnern, warum Gott an Weihnachten in diese Welt gekommen ist – gegen das Leiden und die Trauer, gegen Falschheit und Verzweiflung, gegen Armut und Ungerechtigkeit.

Es hat doch einen Grund, dass Gott Mensch wurde, ein kleiner und armer Mensch in einer Krippe. Er wollte mit seinen Menschen auf Augenhöhe sein.

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau

An Weihnachten dürfen wir in der fröhlichen Gewissheit leben: Gott hat Achtung vor dem mühevollen Weg, den seine Menschen gehen. Er hat Respekt vor den schwierigen Entscheidungen, die sie treffen müssen. Er hat Ehrfurcht vor der Art, wie wir das Leben, dass uns so oft beutelt, bewältigen. Wäre es nicht so, wäre er wohl kaum Mensch geworden.

Fröhliche Weihnachten zu feiern heißt nicht, das Glück, die Stimmung und die Festtagsfreude von außen zu erwarten und enttäuscht zu sein, wenn das alles ausbleibt. Fröhliche Weihnachten heißt das Dunkel des Lebens mit dem Licht der Weihnacht zu beleuchten versuchen – so zaghaft und klein die Flamme auch sein mag.

Und dann zu merken, ich bin gehalten, in all meiner Angst, meinem Schmerz, meiner Krankheit, meiner Einsamkeit, meiner Trauer, meiner Armut.

In dem kleinen Kind, das in der Krippe liegt, zeigt sich Gottes Liebe zu jedem Menschen. Darum bin ich, so wie ich bin, gewollt und geliebt! Mit diesem liebevollen Blick dürfen wir uns selbst anschauen. Dazu will Weihnachten uns ermutigen.

„Fürchtet euch nicht“, ruft der Engel, „siehe, ich verkündige große Freude, denn euch ist heute der Heiland geboren.“ Diese Botschaft erklingt in den nächsten Tagen in unseren Kirchen und wir freuen uns auf alle, die sie dort hören wollen.

Aber Gott kommt auch ohne Orgel und Kantorei an all die anderen Orte in dieser Welt, in diesem Land, in dieser Stadt. Vielleicht ist er gerade da, wo wir ihn nicht vermuten.

Sie müssen nichts tun, außer darauf zu vertrauen, dass diese Nachricht wahr ist. Dann kann Weihnachten werden. Fröhliche Weihnachten wünscht Ihnen

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, Sprengel Hersfeld

Wie ernst ist es uns mit der Liebe?

Sich zu Weihnachten ernst zu geben, kommt nicht gut. Vielleicht ist die Entwicklung, dass das Weihnachtsfest immer mehr heimeligen Konsum- und Spaßcharakter annimmt, eine ganz natürliche: Endlich einmal aus den alltäglichen Fremdbestimmungen, der gefühllosen Welt, dem Stress ernst heraustreten! In was eigentlich? 

Monsignore Bernhard Schiller

Das „Fest der Liebe“ kann ganz schön zurückschlagen – mit neuer Überspannung, neuem Frust, neuen Fragen nach dem Sinn der ganzen Feierei. Der vor fünfzig Jahren verstorbene Denker Romano Guardini sagt, „dass Einer durch seine Liebe zum anderen Schicksal erfährt“. Was hier abgehoben klingt, belegen gerade junge – manchmal glaubens-, kirchen-, weihnachtsfern gewähnte – Menschen, wenn sie ihre Sehnsüchte benennen. Sie gehen auf die Xmas-Party, weil sie Kirche und Familienfeier als zwanghaft empfinden und das ersehnte Weihnachtliche dort eben im Ernst nicht finden. 

Autoritäten, die uns angehen, Partner, zu und von denen wir Zuneigung erleben, Familienangehörige, die Werte und Ideale vorgeben – sie mögen es doch, bitte, „ernst“ meinen. Heißt: Das Schicksal des anderen soll einem nicht gleichgültig bleiben, sondern eigentlich mein beziehungsweise sein Eigenes werden. Echt, konsequent, spürbar. Nicht das Erzählte reicht, nur das Erreichte zählt. Da macht sich in der Liebe eine Ernsthaftigkeit geltend „nicht der Gewalt, sondern der Verbundenheit“, hält Guardini fest. Wenn ein Gott und wenn ein Mensch „mit jenem Ernst liebt, der in Christus deutlich wird“, dann wird das Leben für den einen wie den anderen „ungemütlich“. 

Das ist das gewaltige Weihnachtsgeschenk: Dieser Gott teilt unser Leben wirklich bis ins Innerste, weil er nicht nur ein bisschen Anteilnahme zeigt, sondern sich ganz einsetzt. Übrigens steht darum auch das bunte Hersfelder Stiftskreuz im grünen Hessentags-herzen der Stadt. Gefühle und Symbole reichen nicht, es muss – faszinierend lebendig – ernst gemeint sein. Diesen Segen der stillen, heiligen Nacht von Betlehem wünsche ich uns allen: Da ist jemand, der es mit seiner Liebe ernst meint. 

Pfarrer Bernhard Schiller, Pastoralverbund St. Lullus Hersfeld-Rotenburg

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