Wochenendporträt

Gastronom mit ganzem Herzen: Dehoga-Chef Hanns-Karl Madelung tritt in Ruhestand

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Manchmal träumt er sogar von Hotels: Hans Karl Madelung in seinem Lesesessel daheim in Bad Salzschlirf. Als Kämpfer für die Interessen der Gastronomie, als Koch, Wirt und Hotelier hat er in vielen Töpfen gerührt. 

Hanns-Karl Madelung hat sich nach langen Jahren als Vorsitzender des Deutschen Hotel und Gaststättenverbands (Dehoga) für Waldhessen zur Ruhe gesetzt.

Hanns-Karl Madelung hat schon in vielen Töpfen gerührt. Und er hat viel erlebt in seinen über 50 Arbeitsjahren in der Gastronomie in ganz Deutschland. Mit Rock-Legende Bill Haley trank er Jack Daniels in einer Bar in München, als junger Bierkellner servierte er Franz-Josef Strauß seine Maß. Hans-Dietrich Genscher, Willy Brandt, Rainer Barzel – „es gibt kaum einen Prominenten, den ich nicht bedient habe“, sagt Hanns Karl Madelung, der sich Ende 2019 nach langen Jahren als Vorsitzender des Deutschen Hotel und Gaststättenverbands (Dehoga) für Waldhessen zur Ruhe gesetzt hat.

Der bequeme Lesesessel am Fenster seines behaglichen Hauses mit Blick auf Bad Salzschlirf ist für ihn, den stets Rast- und Ruhelosen, noch etwas ungewohnt. „Manchmal träume ich nachts noch von Hotels und Restaurants“, erzählt Madelung schmunzelnd. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg kennt man ihn als Wirt in den Bürgerstuben in Ludwigsau, als Chef im ehemaligen Hotel Wenzel am Kurpark, als Hotelier im Landhotel Kirchheim – vor allem aber als unermüdlichen Kämpfer gegen Kurtaxe, Bettensteuer, Ungleichbehandlung bei der Umsatzsteuer und für die Interessen des Gastgewerbes.

Nach seiner Lehrzeit in München und einem Studium der Betriebswirtschaft arbeitete Madelung zunächst in vielen Häusern und unterschiedlichen Positionen im Rhein-Main-Gebiet. 1995 übernahm er das „Haus des Standesbeamten“, eine Akademie mit Hotel in Bad Salzschlirf, und kaufte bald danach dort einen ehemaligen Kindergarten, den er zum Wohnhaus umbaute. „Meine Frau Eva-Maria und ich lieben große Räume.“ Ohne Probleme könnte er in seinem geräumigen Wohnzimmer ein kleines Restaurant einrichten, „aber zuhause darf ich nicht in die Küche“, erzählt er lachend.

Sonst aber war er sich in seinem langen Berufsleben zu nichts zu schade. „Wenn Not am Mann war, stand ich auch in der Spülküche“. Auf die Gastronomie lässt er nichts kommen. „Wir haben keine schlechten, sondern nur andere Arbeitszeiten“, sagt er – ähnlich wie auch Polizei, Feuerwehr und Pflegeberufe. „Mir macht es Spaß, anderen Menschen ihre Freizeit zu verschönen“, sagt Madelung und betont, wie schnell man immer noch in der Gastronomie aufsteigen kann – und zwar in der ganzen Welt. „Man muss nur Leistung bringen wollen“, betont er.

Umso mehr ärgert es Madelung, wenn die Politik mit Vorgaben und Regelungen der Gastronomie das Leben schwer macht. Legendär sind seine Auseinandersetzungen mit Alt-Bürgermeister Hartmut H. Böhmer um die Kurtaxe in Bad Hersfeld – „die aber nie persönlich gemeint waren“. Auch die ungleiche Mehrwertsteuer für Lebensmittel im Einzelhandel und in der Gastronomie bringt ihn auf die Palme. Er vertritt wirtschafts-liberale Positionen und engagiert sich seit Langem für die FDP. „Ich bin kein Machtmensch, und ich hasse Machtmissbrauch“, sagt er. Deshalb quält es ihn, wenn Politiker „Flüchtlinge einfach absaufen“ lassen.

Hanns-Karl Madelung ist ein Gastronom mit ganzem Herz – vielleicht liegt es daran, dass der 71-Jährige inzwischen zwölf Stents hat und gesundheitlich kürzertreten muss. „Trotzdem genieße ich mein Leben, und wer mich anruft, dem helfe ich immer noch jederzeit gern“, sagt Madelung. Zu seinem Nachfolger als Dehoga-Chef in Waldhessen, Holger Zeichendauer, dem Restaurantleiter im Post Hotel in Rotenburg, hält er guten Kontakt, wie auch zu den ehemaligen Kollegen in Bad Hersfeld. „Ich würde auf jeden Fall wieder in die Gastronomie gehen“, sagt Madelung. Heute würde es ihn aber vermutlich ins Ausland ziehen, was für ihn seinerzeit aus familiären Gründen nicht möglich war. Trotzdem sagt er rückblickend: „Ich bin mit mir im Reinen, denn es gibt keinen tolleren Beruf als Gastronom!“

Zur Person

Hanns Karl Madelung (71) wurde in Bad Tölz geboren. Er ist gelernter Kellner und ausgebildeter Betriebswirt. Mit 26 Jahren hat er sich zum ersten mal mit einem Gasthof selbstständig gemacht. Lange Jahre führte Madelung das Hotel Wenzel am Bad Hersfelder Kurpark, später dann das Landhotel Kirchheim. Bis Ende 2019 war Madelung 1. Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Waldhessen. Madelung ist verheiratet. Er hat zwei erwachsene Kinder, die nicht in der Gastronomie arbeiten. Madelung lebt mit seiner Ehefrau und einem kleinen Hund in Bad Salzschlirf. kai

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