Gammelimmobilien

Fachwerkhäuser verfallen: Leerstand in fast jeder Kommune des Landkreises

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Verfällt zusehends: Dieses Haus an der Wetzloser Straße in Rhina.

In fast allen Städten und Gemeinden im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gibt es sie: Baufällige Häuser, die verfallen. Ein Problem, das nicht einfach zu lösen ist.

Die Eigentümer sind meist gestorben, unbekannt verzogen oder kümmern sich nicht. Wenn es keine Erben gibt, fallen die Häuser ans Land.

Doch damit ist das Problem nicht gelöst, weiß Harald Preßmann, Sprecher der Bürgermeister im Kreis. „Das kann sich jahrelang hinziehen“, sagt er, weiß aber auch, dass jeder Einzelfall separat zu betrachten und oft schwierig zu regeln ist. „Man hat das Gefühl, dass das Land Häuser bewusst vergammeln lässt“, kritisiert sein Bürgermeisterkollege Alexander Wirth aus Wildeck.

Je weiter weg die Immobilie vom Mittelzentrum Bad Hersfeld oder dem zentralen Ort der jeweiligen Gemeinde liegt, desto schwieriger wird es, für das Gebäude einen Interessenten zu finden, hört Preßmann von seinen Bürgermeisterkollegen.

Harald Preßmann, Sprecher der Bürgermeister.

Das kann der Wildecker Bürgermeister Alexander Wirth bestätigen. „Die meisten Interessenten möchten nach Obersuhl“, sagt er. Alte Häuser würden meist erst interessant, wenn es keine neuen Baugebiete mehr gebe. Wirth schätzt, dass es in seiner Gemeinde so 20 bis 25 alte „Schätzchen“ gibt. Problematisch sei die Situation vor allem nach Stürmen und Unwettern, denn dann müsse die Sicherheit dieser alten Häuser überprüft werden. Darum kümmere sich aber das Kreisbauamt. „Bei Gefahr machen die einen Zaun drum.“ 

„Wir als Gemeinde sorgen dafür, dass rundherum alles in Ordnung ist, dass keine Ratten und Mäuse da rumlaufen“, betont Preßmann. Denn oft genug sind die Häuser noch voll eingerichtet und auch Lebensmittel liegen noch herum. Möglichkeiten einzugreifen, haben die Gemeinden allerdings nicht. „Solange keine Gefahr von den leerstehenden Gebäuden ausgeht, sind wir außen vor“, sagt Bürgermeister Gerd Lang aus Haunetal. Dort werden im Zuge des integrierten kommunalen Entwicklungskonzepts (kurz: Ikek) gerade der Leerstand erhoben und Konzepte entwickelt. Knapp 60 leerstehende Häuser gibt es in Haunetal.

Kosten für Umbau und Sanierung sind hoch

Fachwerkhäuser prägen die Gesichter unserer Dörfer. Doch wenn jahrzehntelang nichts erneuert wurde, verkommen die Häuser. Die Kosten für Umbau und Sanierung sind hoch, auch ein Abriss ist kostspielig, müssen doch alle Materialien getrennt und einzeln entsorgt beziehungsweise wiederverwertet werden.

Wer so eine Immobilie hinterlassen bekommt, schlägt häufig das Erbe aus. Dann fallen Gebäude und Grundstück ans Land. Die meisten Liegenschaften, die der Landesbetrieb Bau und Immobilien (LBIH) verwaltet und vermarktet, sind auf diesem Wege ins Eigentum des Landes gekommen. Nur ganz selten erbt das Land Hessen aus testamentarischen Gründen. Eigentümer haben allerdings auch die Möglichkeit, das Eigentum an einem Grundstück durch eine Verzichterklärung beim Grundbuchamt aufzugeben. Derzeit stehen 17 Grundstücke und Immobilien aus dem Einzugsgebiet unserer Zeitung auf der aktuellen Angebotsliste des Landesbetriebes. 

Auch kein schöner Anblick: Dieses leerstehende Haus in Kerspenhausen.

Der Landesbetrieb versucht dann, diese Liegenschaften zu verkaufen oder zu versteigern. Bei überschuldeten Erblassern muss zudem mit Gläubigern verhandelt werden. 

Bis alle Zuständigkeiten geklärt seien, gebe es viel zu regeln, betont Bürgermeister Harald Preßmann und erklärt damit, warum es so lange dauert, bis Fiskalerbschaften einen neuen Eigentümer erhalten, selbst wenn ein Interessent vorhanden ist. Oft genug ist das nicht der Fall. Denn in der Regel werden wertvolle Immobilien nicht aufgeben. Es gibt jedoch noch viele weitere Gründe, warum alte Häuser lange leerstehen. 

Unter anderem, weil die Eigentümer sich die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen oder auch den Abriss einfach nicht leisten können. In Hauneck gibt es so einen Fall. Der Eigentümer des alten Hauses lebt im Altenheim und wird durch einen gesetzlichen Betreuer vertreten, berichtet Preßmann. Es gebe zwar Interessenten für das Haus beziehungsweise das Grundstück, doch gestalte sich schon die Klärung der Frage, welchen Wert das Gebäude noch hat, wer ein entsprechendes Gutachten bezahlt und wer die Kosten für Entrümpelung und Entsorgung trägt, schwierig. 

Es kommt auch vor, dass es mehrere Erben gibt, die sich nicht über einen Verkauf einigen können oder deren Preisvorstellungen nicht der tatsächlichen Marktlage entsprechen. Von so einem Fall berichtet Bürgermeister Hermann-Josef Scheich aus Eiterfeld. Allerdings gebe es relativ wenig Probleme mit Leerstand in seiner Gemeinde. Vor allem im Kernort würden Häuser gesucht. (zac/ddd)

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