Bad Hersfelder Festspiele

"Funny Girl": Großes Theater auf der Showtreppe

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Eine große romantische, aber unglückliche Liebe: Fanny Brice (Katharina Mehrling) und Nick Arnstein (Alen Hodzovic)  rühren ihr Publikum zu  Tränen.

Das Musical „Funny Girl“, das die Lebensgeschichte der Fanny Brice erzählt, feierte jetzt eine umjubelte Premiere bei den 69. Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine.

Das lag vor allem an Katharine Mehrling, die Fanny Brice, das „funny girl“ (lustige Mädchen) verkörpert. Als sie zum Schlussapplaus die große Showtreppe betritt, langsam Stufe für Stufe herabschreitet, springt das Publikum auf, klatscht wie besessen und jubelt ihr zu, nachdem es zuvor knapp drei Stunden mit ihr gelacht, geweint, gehofft und gefeiert hatte.

Mehrling zeigt mit großem Einfühlungsvermögen und unglaublich ausdrucksstarker und wandlungsreicher Stimme die Entwicklung vom überschäumenden, trotz aller Widrigkeiten von seinem Talent überzeugten jungen Mädchen über den Aufstieg bei den Ziegfeld-Follies am Broadway bis hin zur erwachsenen, Lebenskrisen tapfer meisternden Frau.

Fanny ist selbstbewusst, sie sagt frei ihre Meinung, sie macht ihr eigenes Ding, wenn sie davon überzeugt ist, egal ob sie mit ihrer komischen Nummer das große Finale „American Bride“ einer Ziegfeld-Revue sprengt oder kurzerhand die Showtruppe verlässt und hinter Nick her reist, weil sie das Gefühl hat, genau das sei richtig für sie. Sie ist es, die Nick einen Heiratsantrag macht, sie ist es, die den Unterhalt der Familie sichert, die den Alltag organisiert, während Nick unterwegs ist in den Spielcasinos der Welt und mit immer neuen, gewagten Projekten Geld verliert.

Doch genau diese Energie, diese Stärke ist es auch, die letztlich zum Scheitern der Beziehung führt. Alen Hodzovic zeigt Nick als einen Mann, der auf seinen Charme und seine guten Manieren baut, der jedoch in traditionellen Rollenbildern gefangen ist – kein Wunder, das Stück spielt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts – und der es nicht ertragen kann, vom Geld seiner Frau zu leben, selbst wenn – und auch das vermittelt Hodzovic sehr überzeugend – er sie von ganzem Herzen liebt.

Fanny Brice ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, ohne Vater, aber mit der Rückendeckung einer sehr starken Mutter (kraftvoll: Marianne Larsen), treuer Freunde (warmherzig: Marc Seitz als Eddy Ryan) und der ganzen „Mischpoke“ aus ihrem Viertel, der Henry Street.

Tratschen, lästern, zocken, haben aber das Herz auf dem rechten Platz: Die Pokerrunde mit (von links) Sylvia Wintergrün als Mrs. Strakosh, Barbara Köhler als Mrs. O’Malley, Annette Lubosch als Mrs. Meeker und Marianne Larsen als Mrs. Brice.

Diese teilweise schrägen Typen werden, ebenso wie die Mitglieder der Ziegfeld Follies und des Keeney-Theaters, die Bühnenarbeiter und all die vielen anderen Personen, die die Bühne bevölkern, von einem hervorragenden Ensemble dargestellt. Temporeiche, perfekt dargebotene Tanznummern (Choreografie Danny Costello), auch auf der nassen Bühne, und große Spielfreude zeichnen jeden Einzelnen der Mitwirkenden aus.

Balance zwischen Witz und Romantik

Inszeniert hat diese Geschichte einer starken Frau der renommierte Musical-Regisseur Stefan Huber und dabei die richtige Balance zwischen Witz und Romantik, Historie und Heute, Tempo und Innigkeit gefunden.

Für hohe musikalische Qualität sorgt auch in diesem Jahr Christoph Wohlleben, der konzentriert und unaufgeregt den Ton angibt für ein hochkarätiges Orchester, das die leisen Töne ebenso beherrscht, wie raumfüllenden Klang.

Eine Showtreppe muss es sein für die Ziegfeld Follies, die mit opulenten Kostümen und imposantem Kopfputz dort auf- und abschreiten und Schönheit und Eleganz feiern. Dem widersetzt sich Fanny Brice (Katharine Mehrling, kleines Bild), indem sie die Nummer als verm eintlich schwangere Braut ins Komische zieht.

Raumfüllend ist auch die große Showtreppe (Bühnenbild Harald B. Thor). Sie ist vielseitig einsetzbar durch bewegliche Elemente und durch immer wieder wechselnde Beleuchtung, wirkt durch die wuchtigen Seitenteile aber sehr dominant und verdeckt die Apsis der Stiftsruine weitgehend.

Opulent sind zudem die vielen Kostüme von Susanne Hubrich mit Glitzer und Federn – ebenso wie die Showtreppe möglicherweise inspiriert von Florence Ziegfeld. Der investierte all sein Geld in seine Shows, je üppiger die Ausstattung, desto besser. Auf der Bühne wird er kongenial von Heinrich Schafmeister verkörpert.

VON CHRISTINE ZACHARIAS

"Funny Girl" - das neue Musical bei den Bad Hersfelder Festspielen

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