Engere Streckenauswahl bis Ende 2021

Schnellbahnlinie Fulda-Gerstungen: Bahn plant mit teuren Tunneln

Das Foto zeigt den Bahnübergang bei Reilos.  Ein ICE fährt durchs Bild.
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Die neue Strecke soll auch für Entlastung sorgen auf der Bahnlinie zwischen Bebra und Fulda. Die Strecke gehört bundesweit zu den meistbefahrensten im Güterverkehr. Unser Foto zeigt den Bahnübergang bei Reilos.

Zug um Zug nimmt die Planung der Schnellbahntrasse Fulda-Gerstungen an Fahrt auf. Auch wenn derzeit immer noch eine Vielzahl möglicher Trassenvarianten aufgeführt ist.

Hersfeld-Rotenburg - Am Dienstagnachmittag hat die Bahn AG beim inzwischen siebten Beteiligungsforum mögliche Trassenkorridore im Kreis Hersfeld-Rotenburg vorgestellt (wir berichteten). An dem Forum nahmen knapp 50 Bürgermeister und Vertreter von Initiativen aus der Region teil. Die Bahn spricht von einem „kritisch-konstruktiven“ Dialog, bei dem alle Sachpunkte erörtert wurden.

„Wir kommen jetzt vom Raum in die konkrete Linie“, beschreibt Projektleiter Dr. Alexander Nolte den derzeitigen Planungsstand, der immer noch eine Vielzahl von möglichen Trassenvarianten aufführt. Inzwischen sind die Korridore allerdings auf eine Breite von einem Kilometer begrenzt. Dabei wird deutlich, dass alle möglichen Varianten „einen erheblichen Tunnelanteil“ haben werden, was der hügeligen Mittelgebirgslage geschuldet sei, so die Planer.

Tunnel sind allerdings teuer: Die Bahn beziffert die Kosten für einen Meter Tunnelbau auf 20 000 bis 60 000 Euro, je nach den geologischen Gegebenheiten. „Es geht beim Bau aber nicht um die preiswerteste Variante, sondern um die bestmögliche und rechtssicherste Streckenführung“, erläutert Gerd Bolte, bei der Bahn zuständig für Großprojekte in Hessen. Als Bewertungskriterien nennt er zuvorderst Schutz von Mensch und Umwelt, gefolgt von Verkehrsbedingungen wie Fahrtzeit, Kapazität und einem ICE-Haltepunkt. Erst dann folge die Kosten-Nutzen-Abwägung. Anhand dieser Kriterien werden dann nach und nach einzelne Trassenvarianten „abgeschichtet“. Manche Streckenverläufe „drängen sich dann einfach nicht mehr auf“, sagt Nolte.

Bis Ende 2021 sollen nur noch drei bis vier mögliche Trassenvorschläge übrig sein. Noch keine verbindlichen Aussagen will die Bahn über einen möglichen ICE-Halt machen. Klar ist bislang nur, dass Bebra bei der Planung der Bahn nicht zum Zuge kommen wird. Zudem gibt der Bundesverkehrswegeplan die Vorgabe, dass Bad Hersfeld an den ICE-Verkehr angebunden bleibt. „Das ist Bad Hersfelds Unterpfand“, sagt Nolte. Er sei optimistisch, dass die Kreisstadt auf der Basis der jetzt vorgelegten Trassenvarianten als ICE-Halt „eine gute Chance hat“. Dr. Alexander Nolte selbst wird allerdings die Projektleitung für die Schnellbahntrasse Fulda-Gerstungen abgeben und künftig für Bauvorhaben im Großraum Frankfurt zuständig sein. Sein Nachfolger wird Jochen Stüting, der das Projekt am 1. Oktober übernimmt.

K+S: Planer sollen unter Tage blicken

Auch der Düngemittelkonzern K+S verfolgt aufmerksam die Planungen für die Schnellbahntrasse. „Die Bahn sollte dabei den Blick auch unter Tage richten“, sagt K+S-Sprecher Ulrich Göbel. Durch die langjährigen Bergbauaktivitiäten unter weiten Teilen des Suchgebiets müssten mögliche Absenkungen und Bodenbewegungen berücksichtigt werden. „Der Bergbau macht den Trassenbau komplizierter und deutlich teurer“, so Göbel, weil die Statik der Trasse dies berücksichtigen muss. K+S rät zu einer umfassenden Prüfung sämtlicher Planwiderstände – mit besonderem Blick auf das Abbaufeld Marbach bei Michelsrombach im Kreis Fulda. „Das ist für uns eine maßgebliche Vorratsbasis“, sagt Göbel, wohlwissend, dass die neue Trasse die Region kreuzen wird. 

Reaktionen von Teilnehmern des Bahnforums: „Bad Hersfeld ist noch voll im Rennen“

Überwiegend positiv haben sich die Teilnehmer des Bahnforums über die vorgestellten Trassenvarianten geäußert.

Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling erklärte: „Unsere Vorschläge sind noch voll im Rennen.“ Es habe sich bewährt, dass Bad Hersfeld schnell den Schulterschluss zwischen Politik, Aktivbündnis und Stadtverwaltung gefunden habe. „Wir sprechen mit einer Stimme für die Stadt und haben uns sehr früh mit inhaltlichen Vorschlägen in die Trassendiskussion eingebracht.“ Insbesondere das umfangreiche Argumentationspapier für einen ICE-Halt in Bad Hersfeld sei, nach Rückmeldung einiger Verfahrensteilnehmer, ein „cleverer Schachzug“ gewesen. Fehlings Zwischenfazit: „Alles richtig gemacht bisher aus Bad Hersfelder Sicht“.

Ludwigsaus Bürgermeister Wilfried Hagemann, dessen Gemeinde mit großer Wahrscheinlichkeit von den Trassen tangiert wird, äußerte sich weniger euphorisch, zumal auch ein ICE-Halt auf der „grünen Wiese“ in Ludwigsau noch nicht vom Tisch ist. „Ludwigsau wird es treffen“, sagt Hagemann, deshalb werde man die Planungsprozesse weiter „aktiv begleiten“. Als „sportliche Herausforderung“ bezeichnete er den notwendigen Bau von vielen Tunneln.

Wenn auch immer noch vieles offen ist im Planungsprozess der Schnellbahntrasse: Dass es Wildeck trifft, steht fest, sagt Bürgermeister Alexander Wirth. „Wenn es nach Gerstungen geht, muss man durch Wildeck durch“, so der Rathauschef. Und er betont, dass es bei zwei Gleisen bleiben muss, die sich Fern-, Nah- und Güterverkehr teilen. „Für eine dritte Spur haben wir den Platz nicht.“ Ein bekanntes Problem sei der Hönebacher Tunnel, der jetzt zwar saniert wurde, damit aber wohl nur bis zum Einsatz der neuen Schnellbahnstrecke durchhalte.

Bei der Bahn gibt es daher bereits Überlegungen, die Erneuerung des Tunnels in das Projekt Fulda-Gerstungen zu integrieren. Wirth war selbst Teilnehmer des Beteiligungsforums und berichtet von einem „recht transparenten Verfahren, bei dem viele Varianten vorgestellt wurden“. Seine Forderung an die Verantwortlichen bei der Bahn: „Wir müssen jetzt über das Beteiligungsforum hinaus mitgenommen werden.“

Wirth gehört – neben Stefan Knoche aus Bebra und Markus Becker aus Ronshausen – zu den Nordkreis-Bürgermeistern, die einen ICE-Halt in Bebra fordern. Bis sich das Regierungspräsidium Kassel im Raumordnungsverfahren noch einmal mit den Planungen befasse, sei eine Streckenführung über Bebra „eigentlich komplett gestorben“, so der Eindruck des Bürgermeisters. Am Donnerstag soll das Wildecker Parlament der Forderung dennoch noch einmal Nachdruck verleihen. (Kai A. Struthoff und Clemens Herwig)

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