Bad Hersfelder Festspiele

Für Nina Petri ist interessant, was hinter den Worten ist

Genießt den Sommer in Bad Hersfeld: Schauspielerin Nina Petri erkundet in ihrer Freizeit gerne die Stadt oder macht Ausflüge in die Umgebung.

Bad Hersfeld. Sprache fasziniert Nina Petri. Sie liebt es, sich einen zunächst sperrigen Text im Versmaß zu erarbeiten, in Reimen zu sprechen. „Das ist wie Musik“, sagt sie.

Und wenn sie den Text dann richtig sprechen kann und merkt, dass sie die Menschen damit erreicht, dann findet sie das toll. „Da habe ich großen Spaß dran.“

Auch für ihre Rolle in „Peer Gynt“ musste sie richtig mit dem Text arbeiten und sich die Sätze mehrfach vorsprechen, um sie ganz erfassen zu können. Sie spielt Dr. Begriffenfeld, im Ursprungstext eigentlich ein Mann. Sie hat der Figur den Vornamen Brigitte gegeben – auch das ein Sprachspiel, weil Dr. Brigitte Begriffenfeld ein echter Zungenbrecher ist.

Die Rolle der Psychologin, die ihre Autorität zumindest teilweise aus ihrem weißen Kittel bezieht und keine nennenswerte Entwicklung zeigt, gewinnt für Nina Petri dadurch, dass sie auch Peers Mutter Aase verkörpert. Die Sterbeszene, in der Mutter und Sohn gemeinsam träumen, gehört zu ihren Lieblingsszenen.

Nina Petri spielt in "Peer Gynt" die Ärztin Dr. Begriffenfeld und Peer Gynts Mutter Aase. Unser Bild zeigt die Sterbeszene der Aase mit Christian Nickel.

Am liebsten vielschichtig

Am Liebsten spielt Nina Petri ohnehin vielschichtige Rollen, Figuren, die nicht nur stark und nicht nur schwach, die sowohl gut als auch böse sind, die sich entwickeln oder nach und nach Verborgenes offenbaren. „Ich würde wahnsinnig gerne die Elisabeth in „Maria Stuart“ spielen, oder die Iphigenie, sagt Nina Petri. Auch „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ würde sie sehr reizen. „Das, was hinter den zu sprechenden Worten zu sehen ist, das interessiert mich am meisten.“

Theaterspielen ist Nina Petris große Leidenschaft. Auch interessante Fernsehrollen spielt sie gerne, aber Theater sei einfach aufregender, spannender, findet sie. Jede Aufführung sei anders, nicht zuletzt, weil immer andere Menschen zuschauen, Grundsätzlich findet Nina Petri: „Es ist schöner mit Publikum.“

Viele Menschen hätten jedoch falsche Vorstellungen vom Schauspielberuf. „Es ist kaum bekannt, dass viele Schauspieler davon gar nicht leben können“, hat Petri festgestellt. Sie gehört zu den wenigen, die den Mut haben, dieses Problem auch öffentlich anzusprechen. Freischaffende Schauspieler hätten keine Absicherung, erklärt sie. Sie zahlten zwar während ihrer Engagements auch Arbeitslosenversicherung, seien aber selten lange genug beschäftigt, um dann auch Zahlungen zu erhalten. Das letzte Mal hat Nina Petri das im Jahr 2015 versucht, als sie unter anderem auch in Bad Hersfeld auf der Bühne stand. „Da fehlten mir genau acht Tage“, sagt sie.

Unter Schauspielern sei die Bereitschaft zur Selbstausbeutung weit verbreitet, bestätigt Nina Petri. Das würde häufig ausgenutzt: „Gerade beim Fernsehen werden Gagen auf unmoralische Weise nach unten gedrückt!“

Inzwischen geht die prominente Darstellerin jedoch relativ gelassen mit dem Problem um. „Ich gucke immer, dass ich so viel Geld beiseitelege, dass ich drei Monate überbrücken kann“, erklärt sie. Es sei zwar immer so ein leichtes inneres Beben, wenn sie gerade nichts verdiene, „aber inzwischen bin ich zuversichtlich, dass etwas kommt.“ Die freie Zeit nutzt sie zum Erholen und dazu, neue Projekte anzustoßen.

Neben Theater, Film und Fernsehen tritt Nina Petri auch mit Lesungen und als Sprecherin von Hörbüchern in Erscheinung.

Ihren Aufenthalt in Bad Hersfeld genießt Nina Petri diesmal. 2015 hatte sie sich den Fuß gebrochen, was allerdings erst Wochen später festgestellt wurde, und mit ständigen Schmerzen zu kämpfen. „Jetzt erlaufe ich mir die Stadt und genieße die Umgebung bei Ausflügen“, sagt sie. Der Kontakt mit den Bad Hersfeldern sei „freundlich und nett“. „Die Leute freuen sich, wenn sie einen sehen und wir lächeln uns an.“

Zur Person

Nina Petri hat nach ihrem Abitur in Hamburg die Westfälische Schauspielschule in Bochum besucht. Sie wirkte in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien sowie Kinoproduktionen mit, unter anderem in „Allein unter Frauen“,“ Lola rennt“, im „Polizeiruf 110“, im „Tatort“, in „Emmas Glück“, „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ oder „Tod eines Mädchens“. Als Meg war Nina Petri vergangenes Jahr in „Die Geburtstagsfeier“ bei den Salzburger Festspielen zu sehen, in Wien am Burgtheater läuft das Stück noch. Petri hat erwachsene Zwillingstöchter aus ihrer Ehe mit dem Brasilianer Marcos Romao und lebt in Hamburg. (zac/Quelle: Wikipedia)

Von Christine Zacharias

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