Freiheitsstrafe für Polizisten wegen Gewalt gegen Freundin und andere

ARCHIV - 25.01.2011, Niedersachsen, Hannover: Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen. (zu dpa "Politik ohne Respekt vor der Justiz? Fall Sami A. löst Debatte aus" vom 16.08.2018) Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
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Bad Hersfeld – Zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten wurde ein Polizist verurteilt, der unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt war.

Damit ging der Richter noch über den Antrag von Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer hinaus, der für eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten plädiert hatte.

Einig waren sich Richter und Staatsanwalt in der Einschätzung der Straftaten, die dem 48-Jährigen vorgeworfen wurden. Demnach war die Attacke mit Faustschlägen und Baseballschläger auf einen Bekannten der Freundin des Angeklagten, bei dem diese in einer Trennungsphase Unterschlupf gefunden hatte, als gefährliche Körperverletzung und ganz sicher nicht als Notwehr anzusehen, wie Verteidiger Hans J. Hauschild es interpretieren wollte.

Und auch die Angriffe auf die Freundin wurden als vorsätzliche Taten und nicht etwa als Versehen bewertet. „Die Zeugin hat versucht, den Rechtsstaat nach ihrem Belieben zu nutzen“, warf Richter Schnelle der jungen Frau vor. Sie habe sich zwar immer wieder an die Polizei gewandt, wenn sie geschlagen und verletzt worden sei, wollte dann aber den Angeklagten und Vater ihres zweiten Kindes, mit dem sie wieder zusammenlebt, durch Lügen und Verharmlosen schützen.

Der hatte sie einmal so stark geschlagen, dass die Schneidezähne gelockert waren, hatte sie zu Boden geworfen, geohrfeigt, auf dem Bett festgehalten und eingeschlossen.

Bestätigt wurden diese Vorwürfe nicht nur durch zahlreiche Zeugenaussagen, sondern auch durch die Chat-Protokolle auf dem Handy eines Zeugen. Als „schriftliches Geständnis“ bewertete Willanzheimer die dortigen Äußerungen des Angeklagten.

Staatsanwalt und Richter sind zudem davon überzeugt, dass auch die Vorwürfe, der Rotenburger habe während eines Urlaubs auf Lanzarote seine Freundin geschlagen und deren Tochter durch ein „erzieherisches Bremsmanöver“ verletzt, wahr sind

Freigesprochen wurde der 48-Jährige vom Vorwurf, polizeiinterne Informationen weitergegeben zu haben. Es ließ sich nach der Aussage des zuständigen Kripobeamten nicht nachweisen, ob der Angeklagte diese Informationen auf dienstlichem Weg oder privat erhalten hatte.

Als erwiesen sahen jedoch sowohl der Staatsanwalt als auch der Richter den Vorwurf des Betrugs und der Vermögensgefährdung, weil der Angeklagte im Namen seiner vorherigen Freundin eine Waschmaschine und einen Barhocker bestellt und zunächst nicht bezahlt hatte. Inzwischen sind die Rechnungen aber wohl weitgehend beglichen.

Die Freiheitsstrafe für den Rotenburger soll für drei Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden. Zudem muss er eine Geldstrafe von 2400 Euro in monatlichen Raten an den Verein „Frauen helfen Frauen“ bezahlen.

Der Angeklagte hat nun die Möglichkeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Für ihn hängt daran auch seine berufliche Zukunft. Denn eine Freiheitsstrafe bedeutet für den zurzeit suspendierten Polizisten, dass er aus dem Polizeidienst entlassen wird.

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