Leidenschaft und Therapie

Fotokünstler Steffen Sennewald hat die Kamera immer dabei

+
Handarbeit: Fotokünstler Steffen Sennewald beim Zurechtschneiden von Passepartouts für seine erste Ausstellung. Überall in der Wohnung des Bad Hersfelders wird dessen Leidenschaft mehr als deutlich.

Bad Hersfeld – Wer Steffen Sennewalds Wohnung im Herzen Bad Hersfelds betritt, sieht gleich, wofür das Herz des 66-Jährigen schlägt - die Fotografie.

Die Fußmatte zeigt eine Festspiel- Szene, an fast allen Wänden hängen großformatige Fotos, zumeist mit faszinierenden Lichtspielen – und sogar das Motiv des Toilettendeckels hat der gebürtige Dresdner selbst aufgenommen. Ein großer Arbeitstisch steht zum Zurechtschneiden von Ausdrucken ebenso wie von Passepartouts bereit, am mit Lichtschutz und farbechtem Bildschirm ausgestatten Computer ist professionelle Bildbearbeitung möglich.

Hätte Steffen Sennewald nicht Maschinenbau studiert und als Ingenieur gearbeitet, „wäre ich heute wohl einer dieser verrückten Künstler“, sagt er selbst und lacht. Schon als Kind habe er sich für die Kamera seines Vaters interessiert, als Jugendlicher machte er damit dann „allen möglichen Mist“. Das Bad wurde zur Dunkelkammer. Das Leben, Beruf und Familie führten aber dazu, dass er das Fotografieren eine Zeit lang aus den Augen verlor. Wieder erwacht sei die Leidenschaft schließlich 2001 in Singapur, wo Sennewald geschäftlich zu tun hatte. Eine „richtige Kamera“ musste her, und zwar schnell.

Mit dieser „Knipse“ stieß er bei heimlichen Aufnahmen einer Festspiel-Aufführung in der Stiftsruine jedoch schnell an die Grenzen des technisch Möglichen, sodass auch noch eine Spiegelreflexkamera angeschafft wurde. Inzwischen hat der 66-Jährige einiges an Equipment ge- und wieder verkauft – und für die Bad Hersfelder Festspiele ist er längst ganz offiziell als Fotograf im Einsatz. Auch Anfragen von Agenturen, Firmen und Privatleuten hat er regelmäßig. Aus dem teuren Hobby ist für den freischaffenden Fotokünstler und Fotojournalisten fast eine neue Vollzeitbeschäftigung geworden. Auch für die HZ ist Steffen Sennewald im Einsatz.

Geholfen habe ihm vor allem die künstlerische Arbeit auch, als er vor einigen Jahren an Krebs erkrankte. „Das ist wie eine Therapie“, sagt er. Auch die Anfrage der Festspiele sei damals just während der Reha gekommen. Sennewald ist Autodidakt und hat sich von der Belichtungszeit über die Bearbeitung bis zum Druck fast alles selbst angeeignet. Was jeden Laien-Fotografen verzweifeln lässt, reizt Sennewald ganz besonders: Ob im Buchcafé oder im Grebe-Keller – „ich fotografiere am liebsten dort, wo wenig Licht ist“, erklärt er. Doch auch in der Natur ergeben sich reizvolle Motive. Selbst beim Joggen und Radfahren hat der Hersfelder fast immer eine Kamera dabei.

Beim Fotografieren gelte im Übrigen das gleiche wie im Leben: „Man muss sich aufs Wesentliche konzentrieren.“ Zu Hause experimentiert er gerne mit Kerzenlicht, LED-Lampen oder Laser. Ideen sammelt er in einem Buch. Dass er fast alle Bilder nachbearbeitet, ob bei den Farben oder im Schnitt, erklärt der Fotokünstler wie folgt: „Was nützt ein schönes Motiv, wenn es nicht wirkt? Fotografieren kann jeder, es muss nur was draus werden.“

Kurioses Lichtspiel: Ausstellung beginnt

22 ausgewählte Bilder aus seiner inzwischen umfangreichen Sammlung zeigt der Bad Hersfelder Fotokünstler Steffen Sennewald unter dem Titel „Kurioses Lichtspiel“ ab dem heutigen Donnerstag, 27. Februar, im Buchcafé in Bad Hersfeld.

Wundersame Lichtstücke: Auch dieses Bild zeigt Fotokünstler Steffen Sennewald in seiner Ausstellung im Buchcafé. Es entstand in einer Schnapsbrennerei.

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage um 18 Uhr im Foyer des Buchcafés. Der Eintritt ist frei, die Besucher dürfen sich zudem auf kleine Häppchen freuen. Entstanden sind die Bilder in den vergangenen zehn Jahren, weitere Motive werden im Rahmen der Eröffnung per Beamer an die Wand geworfen.

„Kurioses Lichtspiel“ zeigt laut Steffen Sennewald Fotografien, die das jedem bekannte Licht in ein ganz anderes Licht setzen. „Wir Menschen haben Augen, die für uns die Lichtreize der Natur einfangen und zu eigenen Formen und Farben zusammensetzen. Wer dabei seinen Sinnen und Gefühlen freien Lauf lässt, kann sich vom Spiel des Lichtes in neue geheimnisvolle Welten entführen lassen“, erklärt der Fotokünstler. „Die Motive zwischen monochrom, bicolor und farbig werfen einen neuen Blick auf unser Licht als Quelle der Hoffnung und des Lebens.“ Zu sehen ist die Ausstellung bis Ende April.                           www.fotosachse.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare