Seit Jahren ist nichts passiert

Förderkreis Museum kritisiert unsachgemäße Lagerung der Exponate

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Historische Gerätschaften, die früher im Bad Hersfelder Museum gezeigt wurden, sind seit Jahren in Räumen der ehemaligen Tuchfabrik ausgelagert.  

Der Bad Hersfelder Förderkreis Museum kritisiert die unsachgemäße Lagerung der Exponate, die aktuell nicht in der Ausstellung gezeigt werden. 

Die Postkutsche Raboldshausen – Hersfeld war einer der Glanzpunkte des Hessentagsfestzugs. Für diesen Einsatz hat die Stadt sie eigens restaurieren lassen. Jetzt schlummert sie wieder im Lager und staubt, gemeinsam mit vielen anderen Exponaten, langsam ein.

Das beklagen Bertold Schmidt und Hans-Heinrich Jäger, die Vorsitzenden des Förderkreises Museum, sowie Gerhard Kraft, viele Jahre lang Schriftführer des Vereins. Sie alle wollen gerne die Vergangenheit Bad Hersfelds lebendig erhalten und im Museum der Stadt sowie an anderen Orten zeitgemäß präsentieren.

Doch seit Jahren schon tut sich da wenig, kritisiert Schmidt. Die Postkutsche, eine weitere Kutsche, ein Schäferkarren, Ein Kollergang zum Herstellen von Apfelsaft und weitere Großgeräte wurden vor Jahren aus dem Museum ausgelagert, um dort Platz für die Festspielausstellung zu schaffen. Ursprünglich geplant gewesen sei diese Auslagerung für fünf Jahre, sagt Bertold Schmidt.

Auch die finanziellen Mittel, die damals von der Sparkasse zur Verfügung gestellt worden seien, seien daran gebunden gewesen, dass nach spätestens fünf Jahren ein anderer Standort für die Festspielausstellung gefunden sein müsse, eventuell in dem geplanten Neubau für die Festspiele, der an Stelle des alten Zollhauses entstehen sollte.

„Die fünf Jahre sind bald vorbei und von dem Festspielgebäude hat man auch nichts mehr gehört“, kritisiert Schmidt. Immerhin sind diese Geräte sicher und trocken im einer Fabrikhalle der ehemaligen Tuchfabrik Braun untergebracht.

Weit schlimmer sieht es aus in beiden ehemaligen Panzerhallen auf dem früheren amerikanischen Kasernengelände im Stadtteil Hohe Luft. Dort hatte der Förderkreis Museum in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts unter erheblichem finanziellen Aufwand alle ausgelagerten Objekte aus dem Museumsbestand zusammengeführt und in Regalen ordentlich gelagert.

Doch an den Hallen nagt der Zahn der Zeit. „Feuchtigkeit ist eingedrungen, der Putz fällt von der Decke, die Gegenstände vergammeln“, stellt Hans-Heinrich Jäger fest. Vor einigen Jahren besichtigte der Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung die Hallen. „Das ist Mist“, stellte Bürgermeister Thomas Fehling bei diesem Anlass fest. Passiert ist bisher nichts.

Fehlendes Interesse an der Vergangenheit Bad Hersfelds beklagen Vorsitzender Bertold Schmidt (Mitte), sein Stellvertreter Hans-Heinrich Jäger (rechts) und der ehemalige Schriftführer Gerhard Kraft (links) vom Förderkreis Museum.Unser Bild entstand in der ehemaligen Braun’schen Tuchfabrik, wo der Förderkreis museumspädagogische Angebote macht.

Inzwischen habe der Verein wenigstens einige alte Biedermeier-Stühle gerettet, sie neu beziehen lassen und im Museum für Besucher bereitgestellt, berichtet Schmidt. Auch im Keller der Stadthalle und auf dem Dachboden des Museumsgebäudes lagern weitere Bestände – Musikinstrumente, Prozellan, Gemälde, Möbel, ergänzt Gerhard Kraft. Mit Ausnahme zum Beispiel der Blaudruck-Model seien die meisten dieser Dinge nicht sehr wertvoll, sind sich die Museumsförderer bewusst, die für ihre jährliche Ausstellung gerne auf diese Materialien zurückgreifen. Dennoch ist es ihnen ein Anliegen, dass achtsam mit den Zeugnissen der Vergangenheit umgegangen wird.

Hintergrund: Der Förderkreis Museum

Der Förderkreis Museum hat es sich seit 40 Jahren zur Aufgabe gemacht, das Museum der Stadt Bad Hersfeld zu unterstützen. Insgesamt wurden dafür in den vergangenen Jahren, so erklärt der Vorsitzende Bertold Schmidt, 100 000 Euro ausgegeben. Der Förderkreis richtet einmal im Jahr eine historische/heimatkundliche Ausstellung im Kapitelsaal aus, zum Beispiel zu den Themen Handwerksberufe, altes Spielzeug oder Gerätschaften aus Haus und Hof. Dabei werde der Förderkreis immer sehr vom Museumsleiter Reinhold Schott unterstützt, betont Schmidt. Vor einigen Jahren hat der Förderkeis für 10 000 Euro Audioguides, also tragbare Hörführer, für das Museum angeschafft. Die seien allerdings hinfällig, weil es ja einen Teil der Ausstellung nicht mehr gebe, bedauert Schmidt. Der Verein betreibt zudem das Konrad-Duden-Museum und museumspädagogische Werkstätten in der ehemaligen Braun’schen Tuchfabrik.

Stadt: Das dauert alles noch

Der Vertrag für die Festspielausstellung im Erdgeschoss des Museums laufe noch bis Ende 2020, erklärt Reinhold Schott, Verwaltungsleiter des Museum. Vorher werde da auch nichts passieren. Am Thema Festspielgebäude sei die Stadt dran, doch sei die Sache komplex und es gebe mehrere Beteiligte, unter anderem die Oberfinanzdirektion, sagt Johannes van Horrick, der Leiter der technischen Verwaltung. Derzeit bereite ein Fachbüro aus Kassel die Ausschreibung für den Architektenwettbewerb vor, doch es werde erwartet, dass das schon lange vorliegende Raumprogramm noch einmal erläutert werde. „Das Problem liegt nicht bei der Stadt“, macht van Horrick deutlich. Einen zeitlichen Rahmen kann er deshalb auch nicht nennen. Auch für ein neues Konzept für das Museum gebe es derzeit keine konkreten Pläne, räumt Reinhold Schott ein. Es sei jedoch vorgesehen, weil das derzeitige Konzept in die Jahre gekommen sei. Schott geht jedoch davon aus, dass das Konzept im Zusammenhang mit einer neuen Museumsleitung erarbeitet wird. Er selbst und Mitarbeiter Christian Georg gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. In Planung ist aber eine neue Zuse-Dauerausstellung, die ab dem kommenden Jahr in der Braun’schen Tuchfabrik eingerichtet werden soll. Und auch das 100-jährige Bestehen des Museums soll gewürdigt werden, mit einer Museumsnacht im November. Hierfür laufen die Planungen gerade an. zac

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