Wegen Strafprügel in Shisha-Bar

Flucht endete in Amsterdam: 28-Jähriger aus Bad Hersfeld wegen Körperverletzung verurteilt

Justitia-Figur vor strahlend blauem Himmel
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Es ist der zweite Teil des Shisha-Bar-Prozesses, der bereits im Sommer 2020 für Aufsehen gesorgt hatte: Nach einer gewalttätigen Bestrafungsaktion in einer Bar in Bad Hersfeld musste sich mit einem 28-jährigen Bad Hersfelder nun der zweite Angeklagte vor Gericht verantworten. (Symbolbild)

Es ist die letzte Chance für den Hersfelder, der sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste: Seine Freiheitsstrafe von 13 Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Bad Hersfeld – Das entschied das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Silvia Reidt in dem Prozess gegen den 28-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen. Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte, der sich zwischenzeitlich aus dem Staub gemacht hatte, war im November 2020 in Amsterdam verhaftet worden und hatte nach der Zeit in Auslieferungshaft dort die vergangenen Monate in Untersuchungshaft zugebracht.

Eine Erfahrung, so hofft das Gericht, die ihm eine Lehre gewesen sei sollte. Der Fall um zwei gewalttätige Bestrafungsaktionen in einer Shisha-Bar in Bad Hersfeld hatte bereits im vergangenen Sommer für Aufsehen gesorgt, als der Cousin des Angeklagten vor Gericht stand. Widersprüchliche und teils offenkundig falsche Zeugenaussagen hatten dem Gericht damals wie heute die Urteilsfindung erschwert.

Vorgeworfen wurde dem Angeklagten, zunächst am 29. September 2019 einen Großcousin, der zugesagt hatte, in der Shisha-Bar auszuhelfen, dann aber nicht gekommen und stattdessen in einem Club in Fulda feiern war, in einem Döner-Imbiss einkassiert, ihn zur Bar gebracht und dort gewürgt, mit Fäusten, Füßen und einem Besenstiel traktiert zu haben. Sogar mit kochendem Wasser sei er übergossen worden, berichtete der so Malträtierte, ein 21 Jahre alter Schüler. Davon wurden aber bei der ärztlichen Untersuchung keine Spuren entdeckt, wohl aber Hämatome, Abschürfungen und Würgemale.

Strafprügel für einen Schulschwänzer und seinen Griff in die Kasse?

Ganz überraschend präsentierten der Angeklagte und sein Cousin, der bereits im Juli 2020 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, einen weiteren Grund für ihren Zorn auf den jungen Verwandten. Der sei wiederholt in die Bar eingebrochen, um dort die Schule zu schwänzen, und habe bei einer Gelegenheit etwa 3000 Euro aus der Kasse gestohlen. Er habe einen Großteil des Geldes zurückgegeben. Den fehlenden Rest habe er abarbeiten wollen.

Die zweite Bestrafungsaktion richtete sich gegen einen ehemaligen Mitarbeiter, der sich am 4. Dezember 2019 über fehlende und zu geringe Bezahlung beschwert hatte. Auch er bezog ordentlich Prügel von den Cousins, wehrte sich aber, indem er mit einer unbekannten Waffe zustach. Hier gab es ebenfalls viele Widersprüche. (Christine Zacharias)

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