Montagsinterview

Sparkassenvorstand Thomas Walkenhorst: „Firmen stehen auf breiten Füßen“

Auf dem Roten HZ-Sofa: Thomas Walkenhorst, Vorstand der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg ist seit 100 Tagen im Amt.
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Auf dem Roten HZ-Sofa: Thomas Walkenhorst, Vorstand der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg ist seit 100 Tagen im Amt.

Seit 100 Tagen ist Thomas Walkenhorst als neues Vorstandsmitglied der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg im Amt. Über seinen Start in Corona-Zeiten sprach der gebürtige Niedersachse mit Kai A. Struthoff.

Herr Walkenhorst, die ersten 100 Tage im neuen Job sind von der Corona-Pandemie überschattet worden. Hatten Sie Gelegenheit, Ihre Kollegen und Kunden kennenzulernen?
Leider nicht so intensiv, wie gewünscht. Wir haben uns für die Sparkasse strenge Sicherheitsregeln auferlegt und bei unseren Kunden ist das auch so. Aber Webkonferenzen und Telefongespräche sind etwas anderes als Menschen im Gesicht anzusehen, was sie wollen und mögen. Normalerweise hätte ich täglich mindestens zwei Termine bei Kunden, doch das ging auch nicht. Aber es läuft jetzt gut an. Ich bin zufrieden.
Trotzdem haben Sie sich einen ersten Eindruck verschafft. Wie fällt der aus?
Bis zum 15. März ist alles stabil gelaufen. Aber jetzt gucken wir mit Vorsicht und Neugier auf das, was seither passiert ist und kommt. Bislang haben wir noch keine ernsten Risikofälle bei den Wirtschaftsunternehmen im Kreis. Aber wer weiß, was passiert, falls eine zweite Welle kommt ...
Aber kommt das dicke Ende womöglich doch noch?
Wenn man rein auf Konten, auf Zahlen schaut, dann sieht es so schlimm nicht aus. Aber natürlich gibt es Unterschiede, etwa zwischen der Gastronomie und Handwerksbetrieben. Wir profitieren hier nicht nur von den Logistikern, sondern wir haben auch sehr viele stabile Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen, die auf breiten Füßen stehen.
Breite Füße, heißt das dicke Liquiditätspolster?
Die Liquidität ist momentan noch kein dramatisches Problem, auch weil viele Betriebe die Corona-Hilfen genutzt haben, die angeboten wurden. Außerdem haben wir natürlich hunderte von Tilgungen gestreckt, sodass den Unternehmen auch dort kein Geld abgeflossen ist. Und wir haben eine ganze Menge an öffentlichen Fördermitteln ausgezahlt. Die Lage ist daher derzeit nicht so ernst wie etwa während der Finanzkrise 2008.
Viele Experten warnen vor einer Insolvenzwelle Ende des Jahres. Teilen Sie diese düstere Prognose?
Per heute nicht. Wenn wir eine zweite Corona-Welle mit einem weiteren Lockdown bekommen, dann gibt es sicher Probleme. Richtig interessant wird es erst, wenn die Wirtschaft wieder hochfährt, denn dann werden auch die jetzt ausgesetzten Forderungen fällig, die dann vorfinanziert werden müssen.
Bund und Länder pumpen Milliarden von Euro in die Wirtschaft und greifen damit in das marktwirtschaftliche Kräftespiel ein. Kann das gut gehen?
Momentan sorgt es dafür, dass es keine Liquiditäts- und Refinanzierungsprobleme gibt. Und das ist grundsätzlich erst mal gut. Probleme könnte es geben, wenn das alles mal nachfragewirksam wird. Dann könnte es eine Inflation geben. Aber zurzeit liegt dieses Geld noch auf den Konten.
Sie glauben also weiterhin nicht an Inflation?
Nein, denn die Voraussetzung für eine Inflation ist, dass Geld eine Nachfrage auslöst. Aber das ist im Moment nicht im gleichen Maß der Fall, wie Geld vorhanden ist.
Was ist mit den Zinsen?
Ohne Inflation wird es auch keine steigenden Zinsen geben. Für die Sparer wird es also nicht besser als in der Vergangenheit. Um überhaupt noch eine Rendite zu erzielen, wird ein Tagesgeldkonto nicht mehr ausreichen. Wertpapiere sind ein Ansatz.
Die Sparkasse hat unlängst einige kleinere Filialen geschlossen. Wie haben die Kunden reagiert?
In der Summe gab es eigentlich nur wenige Reaktionen von Unverständnis, und die kamen auch meist nicht mal von unseren Kunden. Das liegt aber auch daran, dass die Eingriffe ins Filialnetz so vorgenommen wurden, dass jeder in erreichbarer Entfernung eine Filiale hat. Das ist erklärbar und wurde akzeptiert.
Sind noch weitere Filialschließungen geplant, kommunizieren Sie künftig nur online mit den Kunden?
Eher nicht, wir wollen ja nicht zur reinen Online-Bank werden. Die Abgrenzung einer Sparkasse gegenüber anderen Kreditinstituten ist die Präsenz vor Ort. Dazu braucht man auch ordentliche Räume wo wir auch investieren werden.
Sie sind mit Ihrer Frau nach Bad Hersfeld gezogen und wohnen in der Innenstadt. Wie haben Sie beide sich inzwischen privat hier eingelebt?
Na ja, die privaten Kontakte sind pandemiebezogen überschaubar. Aber die Kontaktpflege mit Nachbarn und Kollegen funktioniert sehr gut, da mache ich mir keine Sorgen. Außerdem schaue ich mich nach Sportvereinen um, weil ich gern Rennrad und Mountainbike fahre. Die Landschaft hier ist sehr abwechslungsreich. Aber zurzeit ist mein Lieblingsort im Kreis noch unsere Loggia.

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