Montagsinterview

Festspielstar Corinna Pohlmann über erstes Musikvideo: „Als Sängerin bin ich freier“

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Ein bisschen schräg, doch sehr sinnlich: Festspielstar Corinna Pohlmann als „Copper“ auf einem Szenenfoto aus ihrem ersten Musikvideo „Talking“.

Die Hersfeld-Preisträgerin Corinna Pohlmann hat die Corona- Zwangspause genutzt, um ihr erstes Musikvideo zu produzieren.

Unter dem Künstlernamen „Copper“ singt und spielt sie darin den selbst geschriebenen Song „Talking“. Wie es dazu kam, erzählte sie Kai A. Struthoff.

Wie ist aus der Schauspielerin Corinna Pohlmann die Sängerin „Copper“ geworden?

Ich mache schon lange eigene Musik und bin damit auch im kleinen Kreis in Kneipen aufgetreten – alles eher improvisiert. Und ich hatte dann Lust, das etwas professioneller aufzuziehen. Da schien mir ein Musikvideo ein guter Auftakt zu sein. Zusammen mit der Video- und Fotokünstlerin Sandra Schuck, die ich schon lange kenne, ist die Idee zu dem „Talking“-Video entstanden. Den Song habe ich selbst komponiert und geschrieben. Dabei hat mich der Berliner Musiker Philipp Bellinger unterstützt, der meine eigenen Aufnahmen professionell arrangiert hat.

Das Video ist ziemlich schräg, der Song ist auch auf Englisch, worum geht es bei „Talking“?

(lacht) Ja, mir haben schon einige Leute gesagt, dass sie nicht richtig verstehen, was ich da eigentlich singe. Das liegt vermutlich an meinem orientalisch-anmutenden Gesangsstil. Der Refrain des Songs lautet: Talking, I said. Das Lied handelt davon, wie sich zwei Menschen kennenlernen und sich verlieben. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo sie miteinander reden müssen, um vor allem die Frage zu klären: Was sind wir eigentlich? Das ist immer ein heikler Moment, weil Beziehungen dann oft auseinandergehen, wenn der eine mehr will, als der andere. Darum geht es in „Talking“.

Musikvideo: COPPER - Talking

Ihr Gesang klingt allerdings ganz anders als wir es aus dem „Prozess“ oder von den Abschluss-Veranstaltungen der Festspiele kennen. Warum?

Viele haben mich gefragt, warum meine Stimme so anders klingt. Das hat sich so ergeben: Ich hab meine Demoaufnahmen zunächst zu Hause gemacht und durfte wegen der Nachbarn nicht laut sein. Und um trotzdem „intensiv“ zu klingen, habe ich mir diesen etwas seltsamen Gesangsstil angewöhnt, den ich aber irgendwie mag. Ich finde, der hat einen Wiedererkennungswert. Schön singen können ja viele, aber das ist mein eigener Sound. Trotzdem versuche ich, in den anderen Liedern, die noch folgen, auch andere Stile zu bedienen.

Und der Name Copper?

Na ja, das sind zum einen meine Initialen: Corinna Pohlmann – Cop. Zum anderen hat das natürlich auch mit meiner Haarfarbe zu tun, Copper heißt ja Kupfer.

In Berlin wird auf Litfaßsäulen für „Copper“ Werbung gemacht, auch eine eigene Band soll folgen. Wie geht es weiter?

Mit einer Tournee ist es momentan zwar etwas schwierig, aber ich habe tatsächlich schon erste Angebote für Auftritte bekommen. Ansonsten basteln wir an einem Album, das Ende des Jahres veröffentlicht werden soll. Auch ein weiteres Video ist geplant. Das braucht viel Zeit und natürlich auch Geld. Wir haben uns deshalb um Förderstipendien beworben.

In Bad Hersfeld haben Sie jede Chance genutzt, neben dem Schauspiel auch zu singen. Zuletzt hatten Sie ein Engagement am Berliner Renaissancetheater, davor haben Sie Janis Joplin gespielt. Sind Sie eigentlich lieber Schauspielerin oder eher Sängerin?

(lacht) Im Moment bin ich lieber Sängerin. Denn da bin ich freier, nicht ganz so weisungsgebunden. Ich kann dabei irgendwie anders kreativ sein und muss nicht immer in unterschiedliche Rollen schlüpfen. Ich hatte in den vergangenen Jahren kaum mal eine Schauspielpause. Doch wenn man keine Zeit hat, die eigene Persönlichkeit zu pflegen, ist es schwer, andere Rollen zu verkörpern. Ich genieße es momentan sehr, nur Corinna zu sein. Und eben Copper ...

Wie erleben Sie die Corona-Krise in Berlin?

Ich versuche, so kreativ wie möglich zu sein. Ich schreibe, ich spiele Geige, mache auch sonst viel Musik und arbeite an meinen Songs. Natürlich bin ich dabei viel allein, aber ich treffe mich auch mit Freundinnen – draußen und mit viel Abstand. Die anderen Kontakte funktionieren meist online. Wichtig für mich, damit ich eine Art Tagesstruktur beibehalte: Direkt morgens nach dem Aufstehen Sport machen. Und mich ordentlich anziehen, auch, wenn ich den ganzen Tag zu Hause bleibe.

In Bad Hersfeld sind die Festspiele abgesagt worden. War das vernünftig oder voreilig?

Ich finde es vernünftig, denn bei den Festspielen kommen so viele Menschen so dicht zusammen. Aber natürlich ist es auch ganz schrecklich für alle Beteiligten, die Stadt, die Künstlerinnen, die Geschäftsleute. Die Kolleginnen, mit denen ich gesprochen habe, sind zwar traurig, aber versuchen, das Beste daraus zu machen. Hoffentlich können wir dann im nächsten Jahr nahtlos wieder anknüpfen. Und bis dahin gilt es, die Vorfreude darauf zu schüren.

Sie wären in diesem Jahr nicht bei den Festspielen dabei gewesen. Gibt es Hoffnung auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr?

Ich hatte für dieses Jahr ein Rollenangebot, aber ich brauchte eben eine Auszeit – auch wegen meiner Musik. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, denn ich liebe die Festspiele und habe sie jetzt schon vermisst, obwohl die Proben noch gar nicht begonnen hätten. Aber wenn es im nächsten Jahr eine Rolle für mich geben sollte, wäre ich gern wieder dabei.

Haben Sie eine Botschaft an Ihre Hersfelder Fans?

Ich wünsche mir, dass die Hersfelder jetzt zusammenhalten und optimistisch durch diese schwierige Zeit gehen. Ich hoffe, dass niemand auf die Idee kommt, dass man auf Kultur verzichten kann. Bad Hersfeld wird bestimmt spüren, dass der Stadt in diesem Sommer die Magie der Festspiele fehlt.

Zur Person

Corinna Pohlmann wurde 1989 in Wuppertal geboren. Sie studierte einige Semester Jura, bevor sie eine Schauspielausbildung an der Filmuniversität Babelsberg und der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin absolvierte. Sie hat am Hans-Otto-Theater in Potsdam, dem Berliner Ensemble, am Grenzlandtheater in Aachen und am Prinzregententheater in Bochum und am E.T.A.-Hoffmann-Theater im Bamberg sowie in diversen Fernsehrollen gespielt. Bei den Bad Hersfelder Festspielen war sie Abigail Williams in „Hexenjagd“ und die Teufelin in „Luther“. 2018 spielte sie in Peer Gynt die Trollprinzessin und erhielt dafür den Hersfeldpreis. Im Prozess spielte und sang sie im vergangenen Jahr in der Rolle der Felice Bürstner. Corinna Pohlmann lebt inzwischen in Berlin und spielte zuletzt am Renaissancetheater. kai

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