Stadt entscheidet über Entwürfe

Festspielfunktionsbau für Bad Hersfeld muss „baubar und bezahlbar“ sein

Der Sieger-Entwurf der PFP Planungs GmbH aus Hamburg: Die Probenbühne überragt den Verkehrsraum und wird von einer Dachterrasse gekrönt.
+
Der Sieger-Entwurf der PFP Planungs GmbH aus Hamburg: Die Probenbühne überragt den Verkehrsraum und wird von einer Dachterrasse gekrönt.

In Zeiten explodierender Baukosten werden Neubauprojekte zum schwer kalkulierbaren Wagnis. Das gilt auch für das Festspielfunktionsgebäude, das in Bad Hersfeld entstehen soll.

Bad Hersfeld – Für das Hessentagsprojekt, das im Bad Hersfelder Stiftsbezirk an Stelle des ehemaligen Zollhauses entstehen soll und etwa zur Hälfte vom Bund bezuschusst wird, gab es einen Architektenwettbewerb mit 21 Entwürfen, aus denen drei Preisträger ermittelt wurden (wir berichteten).

Obwohl an der Notwendigkeit des Funktionsgebäudes eigentlich niemand zweifelt, wurden aus Kreisen der Stadtpolitik schon warnende Stimmen laut, dass Prestigeprojekt könnte zu einer „Bad Hersfelder Elbphilharmonie“ werden. Grund genug, genau hinzusehen. Deshalb stellte der verantwortliche Projektleiter, der Architekt Torsten Wiegand vom Fachbereich Immobilienmanagement die Entwürfe am Mittwochabend im Kulturausschuss vor.

Auch der Ausschussvorsitzende Thomas Handke betonte, dass es bei den ausgewählten Entwürfen finanziell große Differenzen zu den Vorgaben der Stadt gebe, die eine Gesamtinvestitionssumme von fünf Millionen Euro festschreiben, die nicht überschritten werden darf.

Der Vorschlag der VON M GmbH aus Stuttgart. erlaubt Einblicke in die Probenbühne wie ein großes Schaufenster.

Alle Teilnehmer hatten die gleichen Vorgaben, die Herangehensweise an das Gebäude, in dem neben einer Probenbühne für die Festspiele auch Werkstätten und die Büros der Festspielverwaltung untergebracht werden sollen, sind jedoch sehr unterschiedlich. „Es geht um eine hohe Baukultur in diesem besonderen Bereich der Stadt“, erklärte Wiegand, weshalb sich das Gebäude architektonisch in das Umfeld einfügen müsse.

Erschwert werde dies durch einen alten Lindenbaum, der möglichst erhalten werden soll, sowie die Unwägbarkeit, dass an der unmittelbar anschließenden alten Stadtmauer möglicherweise bei Erdarbeiten denkmalschutzrelevante Funde gemacht werden könnten.

Der Entwurf von habermann.decker.architekten greift die Fensterbögen der Stiftsruine auf.

Wiegend erläuterte die prämierten Gewinnerentwürfe und wies auf Besonderheiten und mögliche Schwierigkeiten hin. „Schlicht ist niemals schlecht“, nannte Wiegand eine Leitlinie von Architekten“, die auch für ein so prestigträchtiges Bauvorhaben wie das Festspielfunktionsgebäude gilt. Der Siegerentwurf (Bild oben) stammt von dem Hamburger Büro PFP Planungs GmbH. Den zweiten Platz belegte das Team aus Lemgo von habermann.decker.architekten, den dritten Platz die VON M GmbH. Wiegand erklärte, dass die beteiligten Architekturbüros für die (übrigens bis zur Prämierung anonyme) Teilnahme an dem Wettbewerb nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld investiert hätten. Rund 400 bis 500 Arbeitsstunden steckten in so einem Entwurf, allein die kleinen Modelle, die eigens angefertigt würden, kosteten 2000 Euro.

Jetzt gelte es, die vorgelegten Entwürfe weiter zu prüfen. Dazu gebe es einen festgelegten Kriterienkatalog, in dem natürlich auch – aber nicht nur – die Kosten eine Rolle spielen. „Baubar. Bezahlbar. Gute Qualität“ – so beschrieb Wiegand die Leitlinien. Dazu müssen nun alle Büros genaue Kalkulationen vorlegen.

Für die Stadt wird ein Gremium, in dem neben Bürgermeister Thomas Fehling und Torsten Wiegand auch der Erste Stadtrat Gunter Grimm, sowie die Stadträte Dr. Rolf Göbel und Antje Fey-Spengler vertreten sind, prüfen, ob alle Vorgaben eingehalten werden. „Ich werde immer transparent arbeiten und die Zahlen der Politik vorlegen“, versprach Projektleiter Wiegand. Bis zu den nächsten Haushaltsberatungen sollen genauere Zahlen zu den Baukosten des Funktionsgebäudes vorliegen. Dann muss die Politik entscheiden, was sich die Stadt leisten kann – und will. (Kai A. Struthoff)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare