Bad Hersfelder Festspiele

Festspieler Uwe Dag Berlin: „Kinder lachen nur, wenn es wirklich lustig ist“

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Ist zum zweiten Mal bei den Festspielen: Der Schauspieler und Regisseur Uwe Dag Berlin spielt den Charakter Ewald Krönke im Kinderstück „Lenas Geheimnis“.

Bad Hersfeld. Neben der Rolle des Theatermachers Burbage in "Shakespeare in Love" spielt  Uwe Dag Berlin auch im Kinderstück "Lenas Geheimnis" mit - als Ewald Krönke.

Zunächst sollte der von Uwe Dag Berlin gespielte Fahrer und Requisiteur Ewald Krönke im Stück „Lenas Geheimnis“ einen rheinländischen Dialekt sprechen, sagt der Schauspieler. Die Dialoge in der Mundart aufzuschreiben, sei allerdings so gut wie unmöglich gewesen. Auch die Umsetzung bereitete Schwierigkeiten, denn bei so etwas müsse jeder Ton sitzen. Letztendlich erhielt Ewald Krönke eine Berliner-Schnauze. Für den in Ostberlin aufgewachsenen Uwe Dag Berlin kein Problem. Mit seiner Kollegin Brigitte Grothum, die ebenfalls einen großen Teil ihres Lebens in der Hauptstadt verbrachte, kann er so auch im Stück „Milieu sprechen“.

Dass er Teil des Kinderstück-Ensembles ist, sei eine ziemlich spontane Entscheidung gewesen. Erst während der Proben zu „Shakespeare in Love“, in dem er die Rolle des Theaterbesitzers Burbage spielt, wurde Berlin gefragt, ob er auch im Kinderspiel mitspielen wolle. Während er als Burbage fechtend auf der Bühne steht, wird er als Ewald Krönke weniger körperlich gefordert. In dieser Rolle haut er lockere Sprüche raus und sorgt für ulkige Szenen während er Lena und ihre Oma zu einem Casting der Bad Hersfelder Festspiele begleitet.

"Shakespeare in Love": Will Shakespeare (Dennis Herrmann), Burbage (Uwe Dag Berlin); v.l.n.r.

Berlin gefällt die Idee, Kinder aus der Stadt und der Umgebung in das Stück miteinzubeziehen, um den jungen Zuschauern im Publikum die Welt des Theaters näher zu bringen. „Das Stück hat dank der Mäuse märchenhafte Züge“, sagt Berlin . Er hat auch in der Vergangenheit schon mit Kindern zusammen gespielt und selbst Stücke, wie „Die Schneekönigin“ am Schauspielhaus Bochum, mit jungen Darstellern inszeniert.

Hohe Konzentration

Während der Proben des Hersfelder Kinderstücks musste Berlin immer wieder über die hohe Konzentration der jungen Mitwirkenden staunen. Vor einem aus vielen Kindern bestehenden Publikum zu spielen, sei eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. „Kinder denken anders und du musst dich immer wieder fragen: Verstehen sie das?“, sagt der Schauspieler. Ihnen fehle es an Wortschatz und Erfahrungen, deshalb würden sie sich schneller langweilen als Erwachsene. „Kinder können dich total verrecken lassen. Sie lachen nicht aus Höflichkeit, sondern nur, wenn es wirklich lustig ist“, sagt Berlin.

68. Bad Hersfelder Festspiele, Kinderstück Lenas Geheimnis von Franziska Reichenbacher, von links Uwe Dag Berlin, Brigitte Grothum, Amelie Hinkel

Schwierig sei es auch, den rund 1300 Zuschauern in der Stiftsruine eine Autofahrt pantomimisch vorzuspielen. „Wir wussten nicht wie das bei den Kindern ankommen würde.“ Vor so jungen Zuschauern zu spielen sei eine Gratwanderung. „Es geht darum, nicht zu übertreiben und authentisch zu sein.“

Drei Wochen Zeit zum Proben

Auch die Vorbereitung des Stücks war laut Berlin nicht leicht, da die Kinder während der Sommerferien verreist waren und danach wieder in die Schule mussten. Nur rund drei Wochen hatte das Ensemble aus Profis und Laien Zeit, um „Lenas Geheimnis“ einzuüben, so der Schauspieler. In dieser Zeit entwickelte es sich jedoch stetig weiter. Herausgekommen sei ein Stück sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Über den lang anhaltenden Applaus nach der Premiere war er erstaunt. „Wir hatten nicht geübt, so oft wiederzukommen und uns zu verbeugen.“

Bis Ende des Jahres hat Berlin noch mehrere Projekte geplant. Unter anderem wird er auf der Volksbühne in Berlin zu sehen sein und in einem Kinofilm über das Heavy-Metal-Festival Wacken mitspielen.

Von Christina Zapf

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