Schauspieler hat sich intensiv mit seiner Figur auseinandergesetzt

Festspieler Uwe Dag Berlin ist fasziniert von Lucas Cranach

Bad Hersfeld. Mit Lucas Cranach hat Uwe Dag Berlin sich intensiv auseinandergesetzt. Er hat Bücher gelesen und kürzlich die Cranach-Sammlung im Stadtschloss in Weimar besucht. In Dieter Wedels Stück „Luther – der Anschlag“ spielt er den Künstler, der mit seinen Darstellungen des Reformators, dessen Bild bis heute geprägt hat.

Die Bilder Cranachs habe er schon als Kind gekannt, erzählt Uwe Dag Berlin. Seine Bühnenfigur ist ein bunter Vogel, ein Bohèmien, der mit den Mächtigen kokettiert und vor allem sehr geschäftstüchtig.

Und das war wohl auch Lucas Cranach der Ältere, der von 1472 bis 1553 im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance lebte, und der sich die Erfindung des Buchdrucks zunutze machte, um Luther-Darstellungen in großer Zahl unters Volk zu bringen. Cranach habe zudem als Apotheker das Privileg gehabt, auch an Feiertagen in Wittenberg Alkohol und Medikamente zu verkaufen.

Heute wäre Cranach einer wie Andy Warhol, könnte Uwe Dag Berlin sich vorstellen. Warhol hat nicht nur Massenobjekte wie Suppendosen zur Kunst erhoben, sondern umgekehrt auch große Idole, wie zum Beispiel Mao, Elvis Presley oder Marylin Monroe, durch die beliebige Vervielfältigung mithilfe der Siebdrucktechnik von ihrem Podest heruntergeholt und als kapitalistische Produkte vermarktet.

Faszinierend findet Uwe Dag Berlin auch Lucas Cranachs Frauenfiguren. „Die fand ich schon immer sexy und modern“, sagt er. Cranach habe hier Erotik im biblischen Gewand verkauft, ist Berlin überzeugt. Das Prinzip, das außer dem Vordergründigen immer noch eine zusätzliche Botschaft transportiert wurde, kenne er noch aus der DDR, meint Uwe Dag Berlin. Modell könnte Cranachs Frau Barbara gewesen sein, von der es kein eigens benanntes Porträt gebe. Da Cranach aber ganz viele Menschen aus seiner Umgebung gemalt habe, sei das verwunderlich. Noch dazu trügen die meisten Frauenfiguren des Renaissance-Künstlers ähnliche Gesichtszüge: Da sieht man Barbara, meint Berlin. Die sei eine moderne Frau und Partnerin ihres Mannes gewesen.

Kleinbürgerstudien

Uwe Dag Berlin ist zum ersten Mal bei den Bad Hersfelder Festspielen dabei. Es ist auch seine erste Zusammenarbeit mit Dieter Wedel. „Ich liebe die Wedel-Filme, vor allem die frühen“ sagt Berlin und schwärmt von den Kleinbürgerstudien, die Wedel da betrieben habe. Schon beim Vorsprechen habe sich fast eine Weinstimmung ergeben. Als ihm dann zwei Wochen später der Lucas Cranach angeboten wurde, habe er gleich zugegriffen und es nicht bereut. „Wir hatten nicht das geringste Problem miteinander“, erzählt Uwe Dag Berlin. „Der Sommer ist schön hier.“

Beeindruckend findet er es, jedes Mal vor ausverkauftem Haus, vor 1200 Menschen zu spielen und zu merken, wie sie von den Stück gepackt werden und am Schluss stehend applaudieren. „Das ist echt erhebend.“

An seinen nächsten Projekten, wenn der Sommer vorbei ist, arbeitet Berlin bereits. In Kiel hat er ein Theaterprojekt mit Flüchtlingen betreut. Daraus soll nun ein Film werden. Zudem gibt es weitere Projekte mit einer Schauspielschule in Hamburg. Auch einen Spielfilm habe er geschrieben, erzählt der vielseitige Schauspieler.

Erst einmal aber hätte Uwe Dag Berlin nichts dagegen, einfach mal zu Hause in Funden in Schleswig-Holstein bei seiner Frau zu sein. „Da wartet mein Garten auf mich.“

Kommentare