Auf der Suche nach Liebe und Frieden

Festspiele: Das Musical „Hair“ wird wieder gespielt

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Der neue Hippie-Boss: Merlin Fargel verkörpert Berger, weil die Rolle neu besetzt werden musste.

In der Stiftsruine wird der Geist von Woodstock lebendig: Im Musical „Hair“ wirbeln ab heute wieder die Hippies über die Bühne. 

 Vor genau 50 Jahren feierten 400 000 Menschen in dem kleinen Ort Woodstock ein Festival, das die Welt verändern sollte. Die Botschaft von Love and Peace schallte hinaus in alle Welt und prägte Generationen von jungen Menschen. In der Stiftsruine wird der Geist von Woodstock lebendig: Im Musical „Hair“ wirbeln ab heute wieder die Hippies über die Bühne – und das Stück ist dabei erschreckend aktuell.

Ein Jahr vor Woodstock, am 29. April 1968, wurde „Hair“ im Biltmore Theater am New Yorker Broadway uraufgeführt. Buch und Liedtexte stammen von Gerome Ragni und James Rado, die Musik ist von Galt MacDermot. Damals zogen junge Amerikaner in den Dschungelkrieg nach Vietnam, heute sind es die Schlachten gegen den Terror im Irak, in Afghanistan oder anderswo. Damals wurden US-Präsident John F. Kennedy, sein Bruder Robert und schwarze Hoffnungsträger Martin Luther King erschossen, heute sind wir schockiert über den Mord an Regierungspräsident Walter Lübke. Auch der Traum von einer besseren Welt, in der alle Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe Brüder und Schwestern sind, hat sich bislang nicht erfüllt.

„Wir leben in einer spannenden Zeit für unseren träge dahintaumelnden Planeten“, sagt in „Hair“ der junge Claude, der in den Krieg ziehen soll, zu seinen Eltern. Heute würde er vermutlich mit der Friday for Future-Bewegung gegen die Klimakatastrophe protestieren.

Hello, Carbon Monoxide: Schon 1968 wurde die Umwelt- und Luftverschmutzung im Musical „Hair“ problematisiert. 

„Das Stück hat seit dem vergangenen Jahr an Brisanz gewonnen“, sagt Regisseur Gil Mehmert, der für die Wiederaufnahme von „Hair“ nur Kleinigkeiten verändert hat, wohl aber einige neue Darsteller in die Hippie-Familie integrieren musste. Sowohl Hippie-Häuptling Berger (gespielt von Merlin Fargel), als auch Woof (Markus Schneider) sowie einige andere Ensemble-Mitglieder sind neu dabei. „Neubesetzungen sind im Musical-Betrieb gang und gäbe“, sagt Gil Mehmert, die Figuren hätten zwar eine klare Struktur, doch sie geben auch neuen Darstellern die Möglichkeit, die Personality frei zu entwickeln.

Unvergesslich ist die Musik: Songs wie „Aquarius“, „Good Morning Sunshine“, „Let the Sunshine in“ oder eben „Hair“ tragen Generationen von älter gewordenen Hippies tief in ihren Herzen. Das Bühnenbild ist eine Reminiszenz an das Festival von Woodstock.

Ganz nebenbei ist das Musical „Hair“ auch ein unterhaltsamer Streifzug durch die amerikanische Geschichte und die amerikanische Pop-Kultur. Mit 50 Jahren Verspätung landet da ein Astronaut auf der Ruinen-Bühne, Scarlett O’Hara weint um ihre große Liebe, und der Aufmarsch des Ku-Klux-Clan weckt böse Erinnerungen an die jüngsten Rassenunruhen in den USA und die Hass-Rhetorik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Auch wer das Musical im vergangenen Jahr gesehen hat, kann immer noch Neues entdecken – und die Sehnsucht nach Love and Peace wird ohnehin nie vergehen.

Ensemble sammelt für Umweltprojekt

Das Ensemble es Musicals „Hair“ hat sich zur Wiederaufnahme des Stücks etwas Besonderes einfallen lassen. Normalerweise schenken sich die Schauspieler zur Premiere eine Kleinigkeit. Diesmal aber wollen sie der Umwelt etwas Gutes tun und sammeln Spenden „für ein Meer ohne Plastik, für einen Lebensraum für Mensch und Tier, für eine bessere Zukunft“, erklärt Dance-Captain Eva Zamostny, die die Aktion ins Leben gerufen hat. „One Planet-One Ocean“ heißt das Projekt, das Plastikmüll aus den Gewässern sammeln will. Es hat den Greentec Award 2013 gewonnen. „Die Produktion „Hair“ hat uns wieder daran erinnert, was abseits von Materialismus und Konsumrausch wichtig ist, denn ohne Natur gibt es kein Leben.“ Wer spenden möchte, kann das online hier tun: www.betterplace.org/de/fundraising-events/33033-die-cast-von-hair-sammelt-join-us

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