Eine eingeschworene Truppe

Festspiele: "Emil und die Detektive" bietet liebevoll gemachte Familienunterhaltung

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Mit vereinten Kräften: Die „Detektive“ befördern Bösewicht Grundeis (Tilo Kiner, vorne), der Emil Tischbein im Zug Geld gestohlen hat, ins Gefängnis der Berliner Polizei.

Geradezu stürmischen Applaus spendete das Publikum am Sonntag zur Premierenvorstellung des Familienmusicals „Emil und die Detektive“ der Bad Hersfelder Festspiele.

„Denn eine eingeschworene Truppe löst die Probleme einwandfrei.“ Diese Erkenntnis steht am Ende, nachdem die Detektivbande um Emil Tischbein und Gustinchen den Fiesling Grundeis nicht nur wegen eines einfachen Diebstahls ins Kittchen befördert, sondern sogar als gesuchten Bankräuber überführt hat.

Eine solch eingeschworene Truppe hat das Publikum des Familienstücks der Bad Hersfelder Festspiele in den 90 Minuten zuvor auch auf der Bühne erlebt. Denn denn die Musicalfassung von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ von Marc Schubring und Wolfgang Adenberg, die am Sonntag in der Stiftsruine Premiere feierte, ist eine durchweg starke Ensembleleistung – und geradezu liebevoll gemachte Familienunterhaltung im besten Sinne.

Gemeinsam auf Verbrecherjagd: „Gustinichen mit der Hupe“ (Lara-Luisa Rühl, links) und Emil Tischbein (Paul Rümann).

Die eingängige Musik (leider nur aus der Konserve) und die Kostüme von Sandra Hauser sind eine Hommage an die 1920er Jahre. Das Bühnenbild (Peter Sommerer) kommt ohne aufwendige Kulissen aus. Aus unzähligen Koffern – darunter auch ein haushohes Exemplar – werden in Windeseile Zugabteile, Autos, Straßenbahnen, Hoteltresen oder Bankschalter geformt. 

Wo die kindliche Fantasie alleine nicht ausreicht, kommen gelbe Tafeln mit Motiven vorbeiziehender Bäume, Telegrafenmasten, Ortsschilder oder der Rezeptionsklingel sowie ein überdimensionaler Stadtplan zum Einsatz. Dass diese Requisiten auf der Freilichtbühne nicht ganz windfest sind und auch mal in sich zusammenfallen – geschenkt!

Langeweile kommt während der rund 90-minütigen Spieldauer jedenfalls keine auf: Es wird gesungen und getanzt, die Akteure tauchen aus Koffern oder Klappen im Bühnenboden auf oder verschwinden in selbigen, und die Kulissen sind quasi ständig in Bewegung. 

Nachwuchs-Talente mit beeindruckender Professionalität

Wandlungsfähiger Erzähler: Mathias Schlung schlüpft im Familienmusical „Emil und die Detektive“ in zahlreiche Rollen.

Auf der Bühne spielen und singen nicht etwa gestandene Schauspieler, sondern Kinder und Jugendliche aus der Region, die Hauptrollen – und zwar mit beeindruckender Professionalität: Paul Rümann als Titelheld Emil, Laura-Luisa Rühl als forsches Gustinchen mit der Hupe, Lara Hildebrand als naseweise Professorin, Mira Reining als kleiner Dienstag oder Paula Gnewuch als Emils Cousine Pony Hütchen (Besetzung in den kommenden Vorstellungen teilweise wechselnd). 

Auch bekannte Festspieler sind dabei

Ihnen zur Seite stehen aus anderen Produktionen bekannte Festspieler: Tilo Keiner gibt überzeugend den Bösewicht Grundeis, ohne dabei auf das junge Publikum bedrückend oder gar bedrohlich zu wirken. Als wandlungsfähiger, ins Geschehen eingreifender Erzähler sorgt Mathias Schlung dafür, dass auch die jüngeren Zuschauer die Handlung durchblicken. Die zahlreichen Kinder im Premierenpublikum folgen jedenfalls gebannt dem Bühnengeschehen und haben sichtlich ihren Spaß. Der Versuch des Ensembles, sie zum Tanzen vor der Bühne zu animieren, ist allerdings von eher mäßigem Erfolg gekrönt.

Dank Witz, Situationskomik und zahlreicher Anspielungen gelingt es Regisseur Rainer Niermann, dass auch Erwachsene Gefallen an seiner Inszenierung finden.

Das Premierenpublikum jedenfalls spendet geradezu stürmischen Zwischen- und Schlussapplaus. Und beim Verlassen der Stiftsruine singt manches Kind noch den Ohrwurm dieses Musicals, der soeben noch einmal als Zugabe erklang: „Parole Emil!“.

Fotos: Familienmusical Emil und die Detektive bei den Bad Hersfelder Festspielen

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