Kreisehrenamtstag in Bad Hersfeld

Jeden mit Handschlag begrüßt: Fast 1200 Ehrenamtliche in der Stiftsruine geehrt

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Ein würdiger Träger des Landesehrenbriefes: Mit dem Gittersdorfer Wilfried Backhaus freuen sich über dessen Auszeichnung Europa-Staatssekretär Mark Weinmeister (links), Landrat Dr. Michael Koch und Neuensteins Bürgermeister Walter Glänzer (rechts). Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Fast 1200 Frauen und Männer sind beim Kreisehrenamtstag in der Bad Hersfelder Stitsruine für ihr Engagement geehrt worden.

Sie sind wohl von der Sorte Mensch, über die man gerne sagt „Es sind immer dieselben, die ‚Hier!’ rufen und die sich dann um etwas kümmern, was andere lieber anderen überlassen“. Der Kreisehrenamtstag fand am Sonntag zum zweiten Mal in die Stiftsruine statt.

Dass sie dem Landkreis als Gastgeber nicht nur ein Sparkassen-Sackerl mit Dankschreiben und Komfort-Entriegeler für Einkaufswagen, ein Fleischkäsebrötchen und Getränke nach Wahl wert waren – dass sie ihm vielmehr am Herzen lagen und einen Festakt wert waren, machte Landrat Dr. Michael Koch gleich am Eingang zur schönsten Bühne des Landkreises deutlich: Jeden einzelnen Ehrenamtlichen begrüßte er mit Handschlag. Und als es dann nach dem Bergmannsmarsch der Bergmannskapelle Hattorf so richtig losging, verteilte er ganz offiziell großes Lob: „Für den Fortbestand unserer Gesellschaft sind Ehrenamtliche unverzichtbar. Wir brauchen Sie, und wir sind stolz auf Sie!“

Bad Hersfelds Erster Stadtrat Gunter Grimm bezeichnete bürgerschaftliches Engagement als „wichtige Säule der Gesellschaft“. Wer sich – ganz egal, ob Frau oder Mann, ob Jung oder Alt – in Sport- oder Heimatvereinen, Elterninitiativen, Rettungsdiensten, Kliniken oder Heimen, im Natur- oder Denkmalschutz oder etwa im Bereich der Kultur freiwillig für andere Menschen stark mache, der tue etwas für andere, aber auch für sich selbst, und sei damit „ein Vorbild, das unsere Zeit braucht“.

Europa-Staatssekretär Mark Weinmeister hob in seiner Festrede auf die Vielfalt ehrenamtlichen Einsatzes ab: „Hier der Organisator, der den Verein stützt und vorneweg geht, da die helfende Hand, die menschliche Geborgenheit vermittelt, und dort die vielen, die hinterhergehen und schwitzen.“ Mit der Ehrenamtsagentur und den weiteren Unterstützungsangeboten, vor allem aber mit der Ehrenamtscard fördere das Land die Arbeit der Ehrenamtlichen, die inzwischen nicht mehr unbedingt langjährig – wie das früher meistens der Fall gewesen sei –, sondern immer öfter auch „nur“ projektbezogen geleistet werde.

Ausdrücklich lobte Weinmeister noch einmal den „wunderbaren“ Bad Hersfelder Hessentag mit all den vielen ehrenamtlichen Helfern, den man ganz allgemein auch als „Bündelungsbehörde für alles Ehrenamtliche“ bezeichnen könne. Zusammen mit Landrat Koch übergab er des Weiteren gleich zehnmal beispielhaft die Ehrenamts-Card an zehn Engagierte aus dem ganzen Kreis. Damit können die mindestens fünf Ehrenamtsstunden pro Woche Leistenden im ganzen Land Vergünstigungen beim Besuch von etwa 1700 Einrichtungen oder Veranstaltungen in Anspruch nehmen. „Ich hoffe, dass es über die jetzt gut 300 Männer und Frauen hinaus noch ein paar mehr werden im Landkreis“, sagte der Staatssekretär, ehe er die Verleihung von fünf Ehrenplaketten des Landkreises verfolgte und Wilfried Backhaus mit dem Landesehrenbrief auszeichnete.

Für alle Geehrten gab es viel Applaus, der sich noch steigerte, als der von Uli Meiß geleitete Chor der Modell- und Gesamtschule Obersberg musikalische Sahnehäubchen servierte, unter anderem „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen, und als die Bergmannskapelle Hattorf mit viel Herz das Steiger-Lied intonierte, für das sich das Auditorium mit stehenden Ovationen bedankte.

Mit dem Landesehrenbrief geehrt

Aus der Hand von Europa-Staatssekretär Mark Weinmeister und Landrat Dr. Michael Koch konnte Wilfried Backhaus den Ehrenbrief des Landes Hessen entgegennehmen. Seit seiner Jugend ist der 79-jährige Gittersdorfer in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen wie etwa Schule, Sport und Politik ehrenamtlich tätig. Unter anderem war er Gründungsmitglied des SPD-Ortsvereins Gittersdorf und von 1997 bis 2016 Mitglied des Gemeindevorstands der Gemeinde Neuenstein. Insgesamt hat er sich „rund 162 Jahre lang ehrenamtlich engagiert“ – bis jetzt, denn seit 20 Jahren nimmt er – ohne dass er insoweit an Ruhestand denkt – auch das Sportabzeichen ab. Was Landrat Dr. Koch verschmitzt lächelnd mit den Worten „Mich hat er auch über den Sportplatz gehetzt!“ kommentierte … Lars Hübner (Ludwigsau), Ernst-Heinrich Meidt (Kirchheim), Elvira Piechoczek (Ludwigsau), Alois Prem (Heringen), Arnold und Gerda Reichhardt (Heringen), Annelore Ritter (Bad Hersfeld), Sigrid Sauer (Ronshausen), Marlies Schmidt-Burckhardt (Niederaula) und Karl Trispel (Bebra) konnten aus der Hand von Staatssekretär Weinmeister symbolisch für all diejenigen Ehrenamtlichen, die die Voraussetzungen erfüllen und die die Ehrenamtscard bereits erhalten haben, „ihren“ Ausweis für Vergünstigungen in Empfang nehmen.

Ehrenplakette des Lamdkreises

Stellvertretend für alle Ehrenamtlichen hoben Landrat Dr. Michael Koch, Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, Kreistagsvorsitzender Horst Hannich, Prof. Dr. Heinz Zielinski als Vizepräsident des Landessportbundes und Vorsitzender der Stiftung Sporthilfe Hessen sowie Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald als Vorsitzender des Sportkreises fünf Personen besonders hervor, die mit der Ehrenplakette des Landkreises Hersfeld-Rotenburg für ihr selbstloses Handeln geehrt wurden. 

- Ingrid Liers ist im Bad Hersfelder Verein für Kultur und Kommunikation aktiv, der das „Buchcafé“ betreibt. Zudem hat sie als Mitglied im Kunstverein Bad Hersfeld an einigen Ausstellungen mitgewirkt. Sie engagiert sich seit 30 Jahren für die Belange der Frauen im Kreis und ist Mitbegründerin des Bad Hersfelder Frauenhauses. 

- Ingrid Waldeck ist seit 28 Jahren Vorsitzende des Denkmalbeirats des Landkreises. Sie kümmert sich intensiv um den „Tag des offenen Denkmals“ und bringt dort ihr fachliches Wissen ein. Seit 20 Jahren ist sie außerdem Vorsitzende des Hersfelder Geschichtsvereins und insoweit mitverantwortlich für Publikationen, Vorträge und Exkursionen. 

- Eugen Balduf ist der Initiator, Organisator und Realisator des Ronshäuser Krippenweges. Er steigerte damit die Attraktivität der Gemeinde und des Landkreises. Darüber hinaus gründete er 2010 die Gruppe „Ronshisser Leimendämmler“, die bei zahlreichen Veranstaltungen ihr Können unter Beweis stellt. 

- Reiner Birkel wurde für seinen ehrenamtlichen Einsatz im Bereich des Sports geehrt. Er ist seit 1965 Mitglied des TV Eitra und durch seine weitreichenden Kontakte gelang es ihm, den Handballsport in der Region bekannter zu machen. Zudem ist er Gründungsmitglied des Vereins „Schule machen ohne Gewalt“ (SMOG), für den er bis 2014 als Pressewart tätig war. 

- Paul Mähler wurde ebenfalls für sein ehrenamtliches Engagement im Sport ausgezeichnet. Er war bis 2018 21 Jahre lang Vorsitzender des Sportkreises Hersfeld-Rotenburg. Seit 2018 ist er als Ehrenmitglied aktiv. Zudem wirkte er in mehreren Sportvereinen ehrenamtlich mit. Seit 2000 ist er auch Mitglied im Stiftungsrat der Bürgerstiftung.

Von Wilfried Apel

Loblieder auf das Ehrenamt

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