Prozess um räuberische Erpressung

Familien-Zwist auf Romanes vor Gericht

Um räuberische Erpressung, eine rätselhafte Schlichtung und eine Schlägerei auf einem Parkplatz ging es bei einem Prozess vor dem Schöffengericht Bad Hersfeld.

Leidenschaftlich ging es zu, als am Dienstag vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld über aus dem Ruder gelaufene Familienstreitigkeiten von kroatischen Roma aus Bad Hersfeld und Bebra verhandelt wurde – mit Hilfe eines Dolmetschers auf Romanes.

Die von Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald angeklagte räuberische Erpressung um eine Geldforderung von 4000 Euro war jedoch auf Anhieb nicht aufzuklären. Zu unterschiedlich und unklar waren die Angaben von mutmaßlichem Täter und dem Geschädigten.

Kredit für den Hauskauf

Hintergrund des Geschehens vom März und April vergangenen Jahres war wohl die gescheiterte Ehe der Schwester des Bebraers mit einem Cousin des Hersfelders. Besagte 4000 Euro waren nach Aussage des 48-jährigen Angeklagten ein Kredit für den Hauskauf des jungen Paares. Die Familie des Bebraers hatte das Geld wohl als Mitgift verstanden und sah deshalb keine Veranlassung für eine Rückzahlung.

Warum der Bruder der Braut dann trotzdem 500 Euro bezahlte, wurde vor Richterin Silvia Reidt und den beiden Schöffen genauso wenig deutlich wie die Umstände der Konfrontation.

Ob beim Besuch des Hersfelders in der Wohnung des Bebraers Schläge angedroht wurden oder nur vage vom „Problemen“ die Rede war, ist noch offen. Die wortreichen Erläuterungen der Beteiligten und des Übersetzers trugen zeitweilig mehr zur Verwirrung als zur Erleuchtung bei.

You-Tube-Videos von der Schlichtung

Rätselhaft ist auch die bereits erfolgte Schlichtung zwischen beiden Parteien, die in Sorga stattgefunden hatte. Von diesem Akt existieren wohl zwei auf YouTube einsehbare Videos, die nun gesichert und übersetzt werden sollen.

Zudem beabsichtigt das Gericht, den in Bad Hersfeld wohnhaften Schlichter als Zeugen zu vernehmen.

Etwa vier Wochen nach dem Vorfall in Bebra kam es auf einem Parkplatz im Friedewalder Gewerbegebiet zu einer weiteren Begegnung zwischen beiden Parteien, bei der es tatsächlich Schläge gesetzt haben soll. Wer da aber wem Gewalt angetan hat, das wurde bis jetzt noch nicht erörtert.

Nach kurzer Beratung mit Staatsanwalt und Verteidiger Harald Ermel wurde der Termin ausgesetzt, um die weiteren Ermittlungen anstoßen zu können. Das Verfahren wird dann zu einem späteren Termin wieder ganz von vorne beginnen.

VON KARL SCHÖNHOLTZ

Rubriklistenbild: © Volker Hartmann/dpa

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