ANDERER OKTOBER Mit dem „Caesars Wheel“ auf dem Marktplatz in Bad Hersfeld

Familie Landwermann dreht endlich wieder am Riesenrad

Das Foto zeigt Amy Landwermann auf dem familieneigenen Riesenrad „Caesars Wheel“, das zurzeit auf dem Bad Hersfelder Markplatz steht.
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Schwindelfrei mit den Familienhunden im Arm: Amy Landwermann auf dem familieneigenen Riesenrad „Caesars Wheel“, das zurzeit auf dem Bad Hersfelder Markplatz steht.

Nach der langen Corona-Zwangspause freut sich die Schausteller-Familie Landwermann-Henschel mit ihrem Riesenrad „Caesars Wheel“ in Bad Hersfeld zu sein.

Bad Hersfeld – Die Augen der Menschen zum Leuchten bringen – dieses Motto hat sich Familie Landwermann-Henschel auf die Fahnen, oder besser gesagt auf das Fahrgeschäft, geschrieben, mit dem sie zurzeit auf dem Bad Hersfelder Marktplatz stehen: „Die Freude zu sehen, das ist das Schönste“, sagt die Mutter der vierköpfigen Familie mit den zwei Hunden Susi und Carry, während sie routiniert rote und gelbe Tickets für eine Fahrt im Riesenrad „Caesars Wheel“ über den Kassentresen schiebt.

Schon ihre Eltern betrieben ein Riesenrad, zusammen mit ihrem Mann besitzt sie mittlerweile drei dieser großen, leuchtenden Räder, die ihre Fahrgäste bis zu 48 Meter über dem Erdboden schweben lassen. Das jüngste, noch kurz vor Corona bestellte Fahrgeschäft kostete in der Anschaffung über vier Millionen Euro.

Normalerweise ist die Familie das Jahr über ausgebucht und mit ihren Fahrgeschäften in ganz Deutschland und einigen angrenzenden Ländern unterwegs. Außerhalb der drei Ruhemonate im Winter zu Hause zu bleiben, war da eine ganz besondere Herausforderung für die Schausteller und ihre zwölf festen Mitarbeiter. „Corona war die bisher schwierigste Zeit in unserem Beruf“, berichtet Daniela Landwermann-Henschel von der unfreiwilligen Pause. „Wir haben Kurzarbeit angemeldet, mein Mann hat sich um Reparaturarbeiten gekümmert, aber irgendwann war alles getan ...“ Besonders schmerzhaft sei es gewesen, von der Politik für „verzichtbar“ erklärt zu werden, da Freizeitangebote nun einmal nicht systemrelevant seien.

Jetzt, da ihr Geschäft und auch der damit verbundene Freundeskreis wieder unterwegs ist, kommen Klein und Groß in den Genuss, Bad Hersfeld von oben zu betrachten. Der rege Anklang zeige, „dass das kleine Vergnügen im Alltag eben unverzichtbar ist“, so die Schaustellerin.

Mit der barrierefreien Gondel des „Caesars Wheel“ wird auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen der Kurzflug durch den Stadthimmel ermöglicht. Und nicht nur einmal geht es hoch hinaus – während der fünfminütigen Riesenradfahrt passieren die Gondeln mehrfach den höchsten Punkt und bleiben sogar kurz stehen, damit die Fahrgäste den Panoramablick genießen können. Dazu erklingen bekannte Hits aus den 80ern und 90ern aus dem Kassenhäuschen.

Mit der Lullusstadt verbindet Landwermann-Henschel eine besondere Erinnerung: „Einmal hat der frühere Platzmeister Udo Roßbach uns genehmigt, unser Riesenrad erst montags, statt wie sonst immer sonntags aufzubauen. Als wir am verabredeten Tag eintrafen, hatte er eine schlaflose Nacht hinter sich und empfing uns mit den Worten ‚Also, das machen wir nie wieder.‘“

Schule und Ausbildung der Töchter Landwermann lassen sich mit einem Leben unterwegs nur teilweise verbinden. Amy, mit ihren 23 Jahren die Ältere der Beiden, besuchte deshalb ein Internat. Während ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau konnte sie den Blockunterricht in die Winterpause legen und dann den praktischen Teil der Ausbildung im elterlichen Unternehmen absolvieren. Die jüngere Tochter Liz ist aktuell nicht mit auf Reisen – sie besucht die neunte Klasse des Gymnasiums am Wohnort der Familie in der Nähe von Bremen.

Ob sie das Geschäft der Eltern später übernehmen wollen, dürfen die Mädchen selbst entscheiden: „Wir haben Liz und Amy von Anfang an freigestellt, welche Laufbahn sie in ihrem Leben einschlagen wollen“, versichert Daniela Landwermann-Henschel. Auf die Frage, ob die vier sich bei der engen Zusammenarbeit im Familienbetrieb manchmal streiten, lacht Amy: „Na klar, wir sind eine ganz normale Familie.“ (Tabea Pausch)

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