Vereine gehen von Absagen aus

Wegen Corona: Voraussichtlich kein Karneval in der Region

Volles Haus, gesellige Enge: So sieht es beim Karneval normalerweise aus. Unser Bild entstand dieses Jahr bei der Weiberfastnacht in Sorga, es war der letzte Auftritt von Kultfigur Eulalia (Petra Schuster).  
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Volles Haus, gesellige Enge: So sieht es beim Karneval normalerweise aus. Unser Bild entstand dieses Jahr bei der Weiberfastnacht in Sorga, es war der letzte Auftritt von Kultfigur Eulalia (Petra Schuster).

Die meisten Vereine in der Region gehen im Moment davon aus, dass ihre Karnevals-Kampagnen wegen Corona abgesagt werden müssen.

Karneval mit Abstand? Das kann sich kaum jemand vorstellen. Denn volle Säle und gesellige Schunkelrunden gehörten bisher einfach dazu. Auch in der Region gehen die meisten Vereine deshalb im Moment davon aus, dass die Feiern und Kampagnen abgesagt werden müssen.

„Die Gesundheit sollte über allem stehen“, sagt Henrik Seel, Präsident des Niederjossaer Karnevals, mit Blick auf die Corona-Pandemie. Und unter den aktuell geltenden Auflagen mache das Feiern eben auch keinen Spaß. Den Vorstoß von Jens Spahn, der das Aus für den Karneval 2021 angedeutet hatte (siehe Hintergrund), verstehe er. „Herr Spahn liegt nicht so falsch“, sagt auch Reinhard Christen vom TSV Oberhaun, der für seinen „Wohnzimmerkarneval“ auf besonders engem Raum bekannt ist. „Die Gesundheit geht vor, wir werden deshalb die Füße stillhalten.“

Für Michael Diebel, Erster Vorsitzender des TSV Sorga, ist ebenfalls klar: „Sollten die Fallzahlen weiter steigen, wird es keinen Fasching in Sorga geben.“ Man denke aber bereits über mögliche Alternativen nach, wie eine Freiluftveranstaltung auf dem Sportplatz im Sommer. Eine abgespeckte Version des üblichen Programms könne er sich kaum vorstellen.

Über alternative Ideen wie Überraschungsboxen unter dem Motto „Karneval at home“ denkt man laut Martin Wagner vom Vorstand des Obersuhler Carneval Vereins ebendort derzeit nach. Die Enttäuschung sei zwar da, aber „wir zehren noch vom gelungenen Jubiläumsjahr.“ In Neukirchen und Eiterfeld blicken die Präsidenten Dirk Henkel (FCN) und Mathias Herber (ECV) gespannt nach Fulda – in der Karnevalshochburg soll Ende August eine gemeinsame Entscheidung getroffen werden. Eine einheitliche Linie würden alle auch hier im Kreis begrüßen.

Minister Jens Spahn: Lieber Kita statt Karneval

Kritik, aber auch Lob gab es in den vergangenen Tagen für den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der das Aus für den Karneval 2021 angedeutet hatte. Er wisse um die Bedeutung des Karnevals für Millionen von Menschen. „Aber wenn wir vor der Frage stehen: Ist die Kita möglich oder der Karneval, dann bin ich sehr sicher, dass ein Großteil der Gesellschaft da eine klare Antwort zu hat.“ Wirtschaft und Handel müssten vorrangig sein.  

„Es gibt Schlimmeres!“

„Der Karneval ist erst einmal abgesagt worden“, sagt Thomas Schrader, Präsident der Kathuser Karnevals Vereinigung. „Das war während des Golfkriegs.“ Er wolle nicht ausschließen, dass das nun zum zweiten Mal passiert.

Wie den Kathuser Karnevalisten geht es derzeit allen Vereinen und Aktiven, die sich dem närrischen Treiben verschrieben haben. Eigentlich würden jetzt die Proben und die konkrete Planung für die Veranstaltungen sowie das Programm der nächsten Kampagne beginnen. Rosenmontag ist im kommenden Jahr am 15. Februar. Stattdessen heißt es abwarten und abwägen, wobei die meisten davon ausgehen, dass es 2021 keinen Karneval geben wird. Zumindest nicht in der gewohnten Form, und auch mit Alternativen wie abgespeckten Programmen im kleinen Rahmen, mit Abstand und ohne Alkohol, tun sich die meisten schwer. „Das würde dem Charakter nicht wirklich entsprechen“, meint Thomas Schrader. „Der Karneval lebt von der Stimmung.“ Andere Vertreter der närrischen Zunft äußern sich ähnlich. Die derzeit in den Sälen erlaubte Personenzahl wäre allein mit den Aktiven überschritten, ohne Gäste. Das mache dann nicht wirklich Sinn, sind sich alle einig. Darüber hinaus möchte natürlich auch niemand weitere Infektionen riskieren oder das Image der Karnevalisten beschädigen.

„Dass die Kitas und Schulen geöffnet bleiben, ist wichtiger“, erklärt Martin Wagner vom Vorstand des Obersuhler Carneval Vereins mit Blick auf die Aussagen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. „So traurig es ist, es gibt Schlimmeres“, sagt auch Henrik Seel, Präsident des Niederjossaer Karnevals. Von alternativen Möglichkeiten wie Online-Übertragungen hält er eher nichts: „Das ist was für Profis. Ich bezweifle, dass das Zuspruch findet.“ Dann lieber gar nicht als schlecht.

Ein gemeinsames Treffen mit allen Veranstaltern im Umkreis und Absprachen untereinander sind der Wunsch von Mathias Herber, Präsident des Eiterfelder Carneval Vereins. Denn eine einheitliche Linie würde Konkurrenz und Ärger vermeiden, sind sich auch andere Karnevalisten einig. Auch sonst, bei der Programmgestaltung machen viele Vereine längst gemeinsame Sache, etwa wenn es um die Auftritte geht. Frei nach dem Motto: tanzt du bei mir, tanz ich bei dir.

In Eiterfeld, wo es nicht nur einen großen Umzug, sondern auch ein eigenes Prinzenpaar gibt, das stets am 11.11. vorgestellt wird, hat man bisher gar nicht erst mit der Suche begonnen. In Sorge ist Herber derweil, dass bei zu langer Pause Aktive abspringen könnten, die dem Verein später fehlen.

Finanziell wäre die Absage der Karnevalsfeiern für alle wohl zu verschmerzen. Der Schaden sei überschaubar, denn es entfielen ja auch die Kosten. Allerdings fließen die Einnahmen beziehungsweise Erlöse bei den meisten in die Vereins- oder Jugendarbeit, wo das Geld dann entsprechend fehlt, wie auch Dirk Henkel, Sitzungspräsident in Neukirchen berichtet, wo das Geld auch anderen Abteilungen des FCN zugutekommt. Nicht auf hohem Niveau jammern möchte indes Henrik Seel. Schließlich gehe es anderen viel schlechter – nämlichen denjenigen, die professionell in der Unterhaltungsbranche tätig seien. (Nadine Maaz)

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