ZWISCHEN DEN ZEILEN

Erinnerungen, Wehmut und ein Albtraum

Erinnerungen an den Hessentag, die Festspiele und die Vorgänge in den USA sind Themen der Kolumne von Kai A. Struthoff.

Vor einem Jahr hat der Hessentag in Bad Hersfeld begonnen, und heute wünsche ich mir, ich könnte die Zeit zurückdrehen. Gewiss, es waren arbeitsreiche, anstrengende Tage und Wochen für die Organisatoren um Mrs. Hessentag Anke Hofmann, die vielen Helfer und auch für unsere kleine Redaktion. Doch lieber Stress als Corona. Damals habe ich von meinem Bürofenster auf das Heerlager der Bundeswehr mit der leckeren Erbsensuppe geblickt, vor unserem Verlagshaus drehte sich das Riesenrad, und die ganze Stadt war voller Musik, Menschen und guter Laune.

Ein bisschen von dieser Fröhlichkeit, dem Optimismus und dem viel-beschworenen „Wir-Gefühl“ dieser tollen Tage wünsche ich mir jetzt zurück. Auf zwei Bilderseiten erinnert die HZ am kommenden Montag an den Hessentag. Vielleicht können die schönen Fotos den Corona-Frust vertreiben helfen.

Außerdem vermisse ich schon jetzt unsere Festspiele, die vielen interessanten Begegnungen mit den Künstlern und das gespannte Warten auf die Premieren. Immerhin: In den vergangenen Tagen haben Festspielintendant Joern Hinkel und Markus Heide vom Stadtmarketing gemeinsam mit anderen versucht, ein alternatives Kulturangebot für den bevorstehenden Sommer auf die Beine zu stellen. Keine Festspiele light, aber eine Reihe von Veranstaltungen, die die Ausfälle durch die Corona-Krise zumindest ein klein wenig lindern sollen.

Was sich Hinkel & Co. konkret ausgedacht haben und unter welchen finanziellen sowie organisatorischen Rahmenbedingungen (Abstand!!!) diese Vorschläge verwirklicht werden könnten, das wird erstmals am kommenden Mittwoch im Stadtverordneten-Ausschuss für Bildung und Kultur zu hören sein. Denn ohne die Zustimmung der Politik geht es auch in diesem Fall nicht. Wir sind jedenfalls sehr gespannt!

Sie stehen schon seit geraumer Zeit dekorativ in der Gegend herum, doch ihre Türen sind noch immer verschlossen: Gemeint sind die neuen Fahrrad-Garagen, die beispielsweise im Schilde-Park und neben der Stadthalle platziert sind. Sichere Abstellmöglichkeiten und Stromversorgung für E-Bikes sind versprochen. Nun hat Corona dem Fahrrad einen Boom beschert, doch wohin mit den zum Teil mehrere 1000 Euro teuren Zweirädern? Mit unserer Nachfrage bei der Stadt haben wir diese Woche offene Türen eingerannt: Am Donnerstag, 18. Juni, sollen die Garagen präsentiert werden und dann auch nutzbar sein. Also dann doch noch rechtzeitig, wenn der Tourismus wieder an Fahrt gewinnen könnte.

Lange Jahre war Bad Hersfeld als US-Garnisonsstadt so eine Art Vorort von Amerika. Aus dieser Zeit gibt es noch viele freundschaftliche Verbindungen. So manches Hersfelder „Fräulein“ hat ihr Herz an einen GI verloren, mancher US-Soldat ist bei uns „hängen geblieben“. Wer – gerade hier am Fulda Gap – den Kalten Krieg noch erlebt hat, weiß um den Wert des transatlantischen Bündnisses. Umso entsetzter blicken viele USA-Freunde wie ich auf die schlimmen Krawalle nach dem brutalen Tod von George Floyd und die menschenverachtende Reaktion des US-Präsidenten Trump. 57 Jahre nach der legendären „I-have-a-dream“-Rede von Martin Luther King erlebt das Land einen Albtraum. Doch anstatt zu beruhigen und zu versöhnen, gießt dieser gefährliche Präsident noch Öl ins Feuer – vielleicht auch, um damit von seinen Versäumnissen in der Corona-Krise abzulenken. „Feuerteufel“ nennt der „Spiegel“ Trump treffend in der neuesten Ausgabe.

Ich hoffe sehr, dass die Wähler Trump im November „zur Hölle schicken“. Martin Luther Kings Traum von Brüderlichkeit, Gerechtigkeit und Freiheit, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, ist heute so aktuell wie damals – und das nicht nur in den USA.

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