Zwischen den Zeilen

Erfrischende Gespräche und die Pressefreiheit

Kai A.Struthoff

Als mein Kollege Karl Schönholtz und ich in der vergangenen Woche mit unserem neuen Intendanten zum Interview verabredet waren, kam Joern Hinkel mit dem Fahrrad – pardon: E-Bike – angeradelt.

Sein Vorgänger Dieter Wedel ließ sich gern auch das kurze Stück vom „Stern“ zur Intendanz chauffieren. Auch die Veränderungen in dem kleinen Intendantenbüro unterm Dach, juchhe, sind fein, aber vielsagend. Bei Joern Hinkel steht dort jetzt ein Klavier, und in den wenigen freien Momenten spielt er Chopin, um den Kopf frei zu bekommen.

Ich finde es spannend, wie unterschiedlich die vier Intendanten sind, die ich in den vergangenen zehn Jahren kennenlernen durfte: Die charmante und energiegeladene Elke Hesse, der kantige, kluge und stets auch politische Theatermann Holk Freytag, der exzentrische, aber auch geistreiche und humorvolle Dieter Wedel, und jetzt der bescheidene Joern Hinkel, der langsam aus dem Schatten des großen Wedel hervortritt. Eines eint sie alle: Bedingungslose Liebe zum Theater, die sie mit einer ansteckenden Begeisterung vertreten. Ich freue mich auf eine neue Spielzeit, mit einer neuen Handschrift.

Zugegeben! Früher war es nicht wirklich cool, aber ich mochte Katja Ebstein schon als junger Mann ganz gern. Sie ist weit mehr als nur ein weiterer Schlagerfuzzi mit banalen Songs, sondern eine kämpferische, engagierte und politische Künstlerin. Am 5. Mai kommt sie nach Rotenburg. Das telefonische Vorab-Interview war für mich wie eine Reise in die Heimat: Katja Ebstein berlinert, wat dit Zeug hält, und ist auch sonst eine Frau der klaren Worte. Auch dieses Interview war sehr erfrischend. Sie lesen es in der kommenden Woche.

Bei der Buchvorstellung zur Baugeschichte der Abtei und Stifts-Ruine hat am Ende ein Zuhörer den Wunsch in Richtung Schlösser-Verwaltung gerichtet, dass man die Ruine als so bedeutendes und beeindruckendes Bauwerk und Wahrzeichen doch unbedingt besser für Besucher zugänglich machen müsste, sprich: öfter und länger öffnen. Dafür gab es auch Applaus.

Unsere kleine Redaktion hat in der vergangenen Woche nebenbei mit Feuereifer an einer Sonderbeilage zum Tag der Pressefreiheit gearbeitet, die am 1. Mai erscheint. Normalerweise freut man sich ja nicht so sehr über zusätzliche Aufträge, aber die Pressefreiheit ist nun mal die Grundlage für unsere tägliche Arbeit.

Gerade hat die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ beklagt, dass auch in Europa die Pressefreiheit immer mehr unter Druck gerät – und das nicht nur in der Türkei, wo viele Journalisten inhaftiert sind und immer noch eine deutsch-türkische Kollegin, festgehalten wird.

Leider steht auch Deutschland nur auf Platz 15 im Ranking der internationalen Pressefreiheit. Das sollte uns zu denken geben, finden Sie nicht?

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