Erinnerung an ehemals in Bad Hersfeld lebende Juden

Stolpersteine sollen Hoffnung auf bessere Zukunft machen

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Zeichen der Erinnerung: Jeweils eine Rose legten Ofra Gotlib und Achikam Ramot an den Stolpersteinen für ihre Großmutter Rini Landsberg und ihren Onkel Jakob Landsberg nieder.

Bad Hersfeld. „Wir hatten keine Möglichkeit, Großmutter Rini und Onkel Ya’akov kennen zu lernen, aber sie waren immer ein Teil von uns und unserer Familie“ – mit diesem Satz gedachte Yair Landsberg, Enkel von Hinderine „Rini“ Landsberg, seiner Großmutter und seines Onkels, an die nun vor dem Haus Vogelgesang 7 ein Stolperstein erinnert. Die Steine für Rini und Jakob Landsberg sind zwei von insgesamt 14 Stolpersteinen, die nun, in einer vierten Verlegeaktion durch den Künstler Gunter Demnig neu hinzukamen.

19 Enkel und Urenkel von Rini Landsberg waren eigens aus Israel angereist, um an der Ehrung teilzunehmen. Fünf der sechs Kinder Rini Landsbergs konnten rechtzeitig nach Israel flüchten, ihr Sohn Jakob wurde auf dem Weg nach Israel in Jugoslawien interniert und 1942 zusammen mit 805 weiteren Internierten von einem Exekutionskommando der Wehrmacht ermordet. Das letzte Lebenszeichen Rini Landsbergs vor ihrer Deportation aus Frankfurt war ein Telegramm an ihre in Israel lebenden Kinder.

Den Menschen ihre Namen zurückgeben, so der Initiator der Stolpersteinverlegung Dr. Heinrich Nuhn, das sei das wichtigste Anliegen der Stolpersteine. Die Menschen seien durch die nationalsozialistische Vernichtungspolitik aus der Erinnerung ihrer Nachbarn und Mitbürger sowie aus der Geschichte gelöscht. Die Auslöschung sei eines der wesentlichen Ziele der Nationalsozialisten gewesen.

Wider das Vergessen

Ähnlich äußerte sich auch Dekan Dr. Frank Hofmann: Das Vergessen wäre genau im Sinne der Vernichtungspolitik und dem müsse man bewusst etwas entgegensetzen. Ein Name bedeute Identität, das Gedenken an die ermordeten Menschen sei lebendig und solle es bleiben. Das Schicksal der Ermordeten, so Hofmann, sei Mahnung, das Leben jedes einzelnen Menschen zu respektieren und zu bewahren.

Yair Landsberg appellierte in seinem Grußwort besonders an die nachgeborenen Generationen, die an diesem Tag vor allem durch die Mitglieder der Theater-AG der Konrad-Duden-Schule repräsentiert wurden, die die Personen hinter den Stolpersteinen in Kurzbiographien vorstellten. Erinnerung, so betonte Yair Landsberg, dürfe nicht zum Ritual erstarren, sie müsse sich weiterentwickeln können, um junge Menschen für Zeichen von Unmenschlichkeit in der Gegenwart zu sensibilisieren. Die Erinnerungssteine, die sein Cousin Israel Ramot als Kompass- und Bewusstseins-Steine bezeichnete, stünden für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Musikalische Gestaltung

Gerade die Teilnahme der Mitglieder der Familie Landsberg machte diese Verlegeaktion, die musikalisch durch den Posaunenchor der Evangelischen Kirche und des CVJM unter Leitung von Gesa Hild gestaltet wurde, zu einer besonderen und berührenden Veranstaltung. Der Kontakt zur Familie Landsberg, wie auch zu vielen anderen Familien ehemaliger Hersfelder, ist vor allem der Initiative des Rotenburgers Dr. Heinrich Nuhn zu verdanken. Nuhn ist auch derjenige, der den Anstoß für die Stolpersteinverlegungen in beiden Städten gegeben hat. Die Dankbarkeit ihm gegenüber wurde sowohl in den Äußerungen der Mitglieder der Familie Landsberg als auch im Grußwort des Vorsitzenden der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Werner Schnitzlein, deutlich.

Bevor die restlichen zwölf Steine in der Löhrgasse, An der Obergeis und am Brink verlegt und die Gäste aus Israel im Buchcafé von Vertretern der Stadt und des Landkreises empfangen wurden, besuchte die Gruppe die Gedenktafel am Klaustor, auf der die Namen aller ermordeten jüdischen Stadt-Mitbürger verzeichnet sind.

Von Ute Janßen

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