Bewährungsstrafe

Fette Beute, hoher Schaden: Einbrecher aus Bad Hersfeld in der Schweiz verhaftet

Symbolbild Gericht HNA
+
Ein 21-Jähriger aus Bad Hersfeld musste sich wegen mehrerer Einbrüche in Bad Hersfeld und Ludwigsau verantworten - er war in der Schweiz verhaftet worden.

Wegen mehrerer Einbrüche wurde ein 21-jähriger Bad Hersfelder vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts in Bad Hersfeld zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. 

Als freier Mann durfte ein 21-jähriger Bad Hersfelder am Montag den Gerichtssaal verlassen, der sich unter anderem wegen mehrerer Einbrüche vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts in Bad Hersfeld verantworten musste. Er hatte bereits acht Monate in Untersuchungs- beziehungsweise Ordnungshaft gesessen.

Acht Einzelfälle zwischen Februar und Juli 2018 umfasste die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft: In Kindertagesstätten, eine Schule sowie Wohnungen in der Kreisstadt soll der Angeklagte gemeinsam mit gesondert verfolgten Komplizen eingebrochen sein, von denen einer inzwischen in Strafhaft sitzt. 

Die Einbrecher machten teils „fette Beute“ und richteten mitunter hohen Sachschaden an

In einer Kita wurden etwa mehrere elektronische Geräte gestohlen, in der Schule Wandtresore herausgerissen und in Privatwohnungen Schmuck im Wert von bis zu 17.000 Euro entwendet. Das Diebesgut habe man anschließend verkauft und den Erlös geteilt. Zudem soll der damals 19-Jährige ein Handy unterschlagen haben.

Internationale Fahndung führt zur Festnahme in der Schweiz

Das Amtsgericht stellte im vergangenen Februar einen Haftbefehl aus, der Heranwachsende wurde international zur Fahndung ausgeschrieben und schließlich im April in der Schweiz festgenommen. Vor Gericht gab er die Taten nun vollumfänglich zu, bestritt aber, sich in die Schweiz abgesetzt zu haben, um der Strafverfolgung zu entgehen.

Die Einbrüche und Diebstähle begründete der Angeklagte mit seiner schwierige persönlichen Situation

Nach mehrfachen Wohnortwechseln sei die Familie zuletzt aus den Weiten Kanadas in einen „Hersfelder Plattenbau“ gezogen. Er habe gekifft, deshalb Schulden angehäuft, die Abendschule abgebrochen und sich auf die falschen Leute eingelassen. Vor Gericht präsentierten er und seine Verteidigerin nicht nur einen Ausbildungsvertrag, sondern auch ein Unterstützungsschreiben Schweizer Freunde. Auch die Berichte der Jugendgerichtshilfe und der Justistizvollzugsanstalt fielen positiv aus.

Richterin Michaela Kilian-Bock verurteilte den 21-Jährigen am Ende nach Jugendstrafrecht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung. Die Untersuchungshaft wird angerechnet. Zwei Jahre wird ihm ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt, er darf die Ausbildung nicht abbrechen und muss 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil wurde gleich rechtskräftig. 

U-Haft soll Strafverfahren gewährleisten

Die Untersuchungshaft (U-Haft) dient in erster Linie dazu, ein geordnetes Strafverfahren zu gewährleisten. U-Haft darf nur angeordnet werden, wenn dringender Tatverdacht besteht. Außerdem muss ein Haftgrund wie Flucht-, Verdunkelungs- oder Wiederholungsgefahr vorliegen und der Vollzug muss verhältnismäßig sein. Anordnen kann ihn der Ermittlungsrichter bzw. das mit der Sache befasste Gericht. Die U-Haft darf in der Regel sechs Monate nicht überschreiten. 

Händedruck von der Richterin zum Abschied

Einen persönlichen Händedruck zum Abschied bekommen verurteilte Straftäter von Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock auch nicht alle Tage. Bei dem 21-Jährigen, der sich am Montag wegen mehrerer Einbrüche in Bad Hersfeld und Ludwigsau vor dem Jugendschöffengericht in Bad Hersfeld verantworten musste, war das der Fall – verbunden mit einem bewussten „Tschüss“. 

Denn wiedersehen will sie den jungen Mann, der nun die Chance auf einen Neubeginn hat, im Gerichtssaal natürlich nicht. Gut bekannt waren der Richterin im Gegensatz zum Angeklagten nämlich dessen Komplizen, die gesondert verfolgt werden. Der 21-Jährige vermittelte vor Gericht ein ganz anderes Bild, als man es angesichts der Anklageschrift und der internationalen Fahndung hätte haben können – da waren sich die Richterin und die Staatsanwältin einig. 

Angeklagter: Zeit in Haft habe ihm zugesetzt

Die Zeit in Haft habe ihm zugesetzt, ließ der junge Mann gleich zu Beginn der Verhandlung über seine Verteidigerin wissen. Er wolle die Verantwortung übernehmen, bei den Geschädigten entschuldigte sich der 21-Jährige. Das Geständnis machte auch eine umfangreiche Beweisaufnahme mit Zeugenaussagen unnötig. „Er ist ein guter Kerl“, sagte denn auch die Verteidigerin. 

Entwicklung „von null auf hundert“

Ebenfalls zugute kam dem Angeklagten die Unterstützung durch seine Eltern und den Bruder, die das Verfahren verfolgten und versicherten, dass der junge Mann während seiner Ausbildung bei ihnen wohnen könne. Mit den Worten „von null auf hundert“ beschrieb Richterin Kilian-Bock die Entwicklung des Heranwachsenden, der erst mit dem Umzug nach Bad Hersfeld straffällig geworden sei.

Mit dem Urteil blieb das Gericht einen Monat unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte sich für ein Jahr und sechs Monate ausgesprochen. Mit Blick auf den Bewährungszeitraum waren sich jedoch alle einige gewesen. Am Ende hatte nicht nur die Mutter des 21-Jährigen Tränen in den Augen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare