Ein Paradies für Touristen

Die weite Welt und wir: Sabine Emmerich ist auf Sansibar „gestrandet“

Ein fast menschenleerer Strand mit Palmen im Vordergrund und einem Segelschiff auf dem blauen Meer. 
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Postkartenidylle: Sansibar im Indischen Ozean lockt Touristen unter anderem mit palmenbewachsenen Stränden und Korallenriffs.

In unserer Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg, die im Ausland leben, ihre Geschichte. Sabine Emmerich lebt seit neun Jahren auf Sansibar.

Sabine Emmerich hat schon viel von der Welt gesehen und eine Zeit lang auch in der Türkei gelebt. Seit fast genau neun Jahren lebt und arbeitet die 49-Jährige nun aber schon auf Sansibar. Die Inselgruppe im Indischen Ozean gilt als Paradies für Touristen, und der zurzeit arg gebeutelte Tourismus ist Emmerichs Metier und Leidenschaft. Dort „gestrandet“ ist sie auf Umwegen beziehungsweise eher zufällig.

1985, als junges Mädchen, zog sie mit ihren Eltern in den Bad Hersfelder Stadtteil Asbach und auch heute noch leben ihre Mutter und ihr Stiefvater in der Kreisstadt. „Ich bin zwar in Fulda zur Schule gegangen und auf ein Internat in Baden-Baden, doch die Wochenenden habe ich immer in Bad Hersfeld verbracht“, erzählt sie. „Das ist für mich zu Hause.“

Nach einem abgebrochenen Maschinenbaustudium absolvierte Emmerich eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau in Hannover, wo sie ein eigenes Reisebüro betrieb, bis ihr das zu öde wurde. „Ohne neue Action wird mir schnell langweilig“, sagt die heute 49-Jährige und lacht. 2004 zog sie mit ihrem damaligen Partner in die Türkei, wo sie zuvor schon geschäftlich zu tun hatte, und wechselte „mehr oder weniger“ die Branche, wie sie selbst sagt. Mit ihrer Firma waren sie im Bootsbau tätig, verkauft wurden die Boote weltweit. Über einen Kunden kam 2008 schließlich der erste Kontakt nach Sansibar zustande, bis zum Umzug dauert es jedoch noch eine Weile. An den Tag erinnert sich Emmerich noch genau: „Am 28. Juni 2011 bin ich mit meinem Hund auf Sansibar gelandet und dort hängengeblieben.“

Sabine Emmerich hat einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in Bad Hersfeld verbracht und empfindet die Stadt als ihre Heimat. Heute lebt sie mit ihrem Partner Carl Salisbury auf Sansibar.

Das liegt unter anderem an Carl Salisbury – „mein Chef und Lebensgefährte“, wie die 49-Jährige ihren Partner vorstellt – und einer verlorenen Wette. Der Brite lebt bereits seit fast 30 Jahren auf der ostafrikanischen Insel und betreibt zwei Agenturen: Zan-Air und Zan-Tours, die Transfers und Ausflüge für verschiedene Reiseveranstalter weltweit anbieten. Seit 2000 ist Salisbury außerdem Honorar-Konsul für das Vereinigte Königreich bestehend aus England, Schottland, Wales und Nordirland, und damit Kontaktperson der Botschaft in Tansania. Sabine Emmerich ist seit 2014 Geschäftsführerin von Zan-Tours. „Dass ich wieder im Tourismus beschäftigt bin, freut auch meine Mutter“, verrät die Hersfelderin und auch sie selbst ist damit glücklich. „Einmal Tourismus, immer Tourismus“, sagt die 49-Jährige. Über die Frage, was den Beruf ausmacht, muss sie nicht lange nachdenken. „Sie verkaufen die schönsten Erinnerungen.“

60 Mitarbeiter verschiedener Nationalitäten habe Zan Fly, 120 Zan Tours. Der Tourismus mache auf Sansibar etwa 60 bis 70 Prozent der Wirtschaft aus, die meisten Touristen kommen laut Emmerich aus Europa oder den USA. Um auf Sansibar Fuß fassen beziehungsweise ein Geschäft eröffnen zu können, brauche es immer einen Local, also einen einheimischen Unterstützer, erklärt Emmerich, deren Aufenthaltsgenehmigung an die Arbeitserlaubnis geknüpft ist, für die wiederum ein Nachweis nötig ist, dass der Job nicht auch von einem Sansibarer hätte übernommen werden können.

Bootsausflüge gehören zum Standardprogramm: Das Bild ist bei einem Segelschiffausflug mit Familie und Freunden entstanden.

Mit deutschem Managementstil komme man auf der Insel übrigens nicht weit, man müsse sich anpassen und kreativ sein. Die Corona-Pandemie bedroht nun nicht nur die Wirtschaft ganz Sansibars, sondern auch Zan Fly und Zan Tours inklusive der Jobs der Angestellten, wenngleich die Hauptsaison in den Wintermonaten stattfinde. „Wenn wir mit 30 bis 40 Mitarbeitern ins neue Jahr starten, haben wir Glück gehabt“, schätzt Emmerich.

Das Virus ist auch der Grund dafür, dass die 49-Jährige und ihr Partner seit Anfang März in Bad Hersfeld „festsitzen“. Denn nach einer Stippvisite in England sollte es eigentlich zur Reisemesse ITB in Berlin gehen. Die Messe wurde abgesagt, der Flugverkehr eingestellt. Untätig sind Emmerich und Salisbury allerdings nicht, im Gegenteil. Fast täglich haben sie Kontakt nach Sansibar, es gibt viel zu klären und zu organisieren. Der Rückflug ist nun für den 26. Juni gebucht.

Abendstimmung in der Altstadt von Sansibar.

Bis dahin genießen die beiden den einen oder anderen Stadtbummel sowie das deutsche Essen. Auf Sansibar lebt das Paar in der Nähe des Flughafens in einem Haus mit Pool, umgeben von hohen Mauern und bewacht von einem Sicherheitsdienst. Alle Wege, ob zum Büro oder ins Restaurant, werden mit dem Auto zurückgelegt. Ein weiterer großer Unterschied zum Leben in Deutschland sei das Personal im Haushalt. „Für unsere Freunde aus Deutschland klingt das komisch, aber dort ist es ganz normal“, erklärt die 49-Jährige, die trotzdem noch weiß, wie die Spülmaschine ausgeräumt wird. Wenn es zurück auf die Insel geht, kommen wie üblich Käse, Wurst, Brot und andere Speisen, die es dort nicht gibt oder die als Exportware sehr teuer sind, ins Gepäck.

Ob sie sich ein Leben in Deutschland überhaupt noch vorstellen könne? Da muss Sabine Emmerich doch etwas überlegen. „Ich bin nicht ausgewandert um des Auswanderns willen, es hat sich beruflich so ergeben. Aber irgendwie vermisst man das Chaos und die Menschen dann doch.“

Sansibar ist eine Inselgruppe im Indischen Ozean vor der Küste Ostafrikas.

HINTERGRUND Sansibar: Inselgruppe im Indischen Ozean

Die Inselgruppe Sansibar im Indischen Ozean befindet sich vor der Küste Ostafrikas und gehört zu Tansania. Sie hat eine lange und wechselhafte Geschichte hinter sich und war einst ein bedeutender Handelsplatz. Sansibar wird oft mit Sklavenhandel und dem Anbau von Gewürzen in Verbindung gebracht. Seit 1964 ist Sansibar autonom. Sansibar besteht aus zwei Hauptinseln, Unguja und Pemba, sowie weiteren kleineren Inseln. Insgesamt leben auf Sansibar circa 1,2 Millionen Menschen. Der älteste Teil von Sansibar-Stadt, Stone Town, ist seit 2000 Unesco-Weltkulturerbestätte. Die Bevölkerung ist unterschiedlicher ethnischer Herkunft, der Großteil ist muslimisch. Amtssprachen sind Swahili (auch: Suaheli oder Kisuaheli) und Englisch, in einigen Gegenden wird auch Arabisch gesprochen. Viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Quelle: Wikipedia/Wiki-Voyage

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