Aufräumarbeiten im Kreis Hersfeld-Rotenburg dauern an

Ein Jahr nach Sturm Friederike: Millionenschäden im Wald

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Im Forstrevier Ronshausen versperrten zahlreiche Bäume die Wege in den Wäldern, wie Karlheinz Schlott vom Forstamt Rotenburg zeigt. 

Hersfeld-Rotenburg – Erst Sturmtief Friederike und dann auch noch der Borkenkäferbefall: 2018 war für die Forstämter im Landkreis ein extremes Jahr. Die Aufräumarbeiten dauern an.

Noch immer sind die Mitarbeiter der Forstämter damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen.

„Allein im Rotenburger Staatswald gehen wir mittlerweile von einem Vermögensschaden in Höhe von rund zehn Millionen Euro aus“, sagt Dr. Hans-Werner Führer, Leiter des Forstamtes in Rotenburg. Er spricht mit Blick auf die Ereignisse im vergangenen Jahr von einer „schwierigen Situation, die wir in den letzten 50 Jahren so nicht hatten“.

Der Jahreseinschlag im Rotenburger Forstamt liegt normalerweise bei etwa 120 000 Festmetern Holz. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse. Tatsächlich mussten aber im vergangenen Jahr 400 000 Festmeter Holz geerntet werden.

Ähnlich sieht es im Zuständigkeitsbereich des Bad Hersfelder Forstamtes aus. Statt der ursprünglich geplanten 40 000 Festmeter wurden rund 130 000 Festmeter entnommen. „Das ging weit über das normale Maß hinaus“, berichtet Oliver Scholz, Leiter des Hersfelder Forstamtes, der den finanziellen Schaden in seinem Zuständigkeitsbereich noch nicht abschließend beziffern kann.

Da aber Friederike nicht nur in Hersfeld-Rotenburg vor allem Fichten wie Zahnstocher umgeknickt hat, sondern in weiten Teilen West-, Mittel- und Ostdeutschlands getobt hat, ist der gesamte Holzmarkt förmlich überschwemmt worden. Das führt bis heute laut Führer einerseits zu „extremen Absatzschwierigkeiten, da der Markt so viel Holz auf einmal gar nicht aufnehmen kann“. Andererseits sei durch das Überangebot der Holzpreis schlagartig gesunken.

Hatten die Forstämter zu Beginn des Jahres, also vor Friederike, für einen Festmeter Fichtenholz noch rund 90 Euro bekommen, sind es nach dem Sturm bis heute nur noch etwa 45 bis 60 Euro – allerdings nur in gutem Zustand. Erschwerend kommt hinzu, dass im November nach den Stürmen in Südtirol weiteres Holz auf den Markt drängte.

Deshalb haben die Forstämter Rotenburg und Bad Hersfeld sogenannte Nasslager angelegt (siehe Hintergrund), in denen sie überschüssiges Holz über mehrere Jahre parken, „bis die Preise sich erholt haben“, sagt Führer. Dass sich die Preise in den nächsten zwei, drei Jahren wieder erholen, davon geht er aus. Schließlich hat Friederike dafür gesorgt, dass 2018 allein im Bereich des Rotenburger Forstamtes schon das Fünf- bis Zehnfache des normalen Hiebsatzes – so nennen Forstleute den geplanten Holzeinschlag – angefallen ist.

Das führt zwangsläufig dazu, dass die Forstämter in den kommenden Jahren wesentlich weniger Fichten fällen werden als ursprünglich geplant – weil ein Großteil schon weg ist. Fragt man Hans-Werner Führer und Oliver Scholz nach der größten Herausforderung im neuen Jahr, sagen beide nur ein Wort: Borkenkäfer. Die nur wenige Millimeter großen Tierchen haben nach der trockenen Hitze den beiden Forstamtsleitern schon im vergangenen Jahr Kopfzerbrechen bereitet.

„Nun steht der Borkenkäfer wieder in den Startlöchern und wartet, bis es schön warm wird, um sich noch weiter zu vermehren“, sagt Scholz. Um das möglichst zu verhindern, gilt höchste Wachsamkeit. „Sobald es soweit ist, müssen wir die befallenen Bäume umgehend fällen und aus dem Wald abtransportieren, um größere Schäden zu vermeiden“, sagt Scholz, der zugleich auf günstiges Wetter hofft. „Wenn es nass und wechselhaft ist, dann verpilzen die Käfer, die im Humus und unter der Baumrinde leben, und sterben ab.“

Bis es so weit ist, kümmern sich die Forstwirte voranging um die Holzwünsche ihrer Kunden, die derzeit vor allem Laubholz nachfragen, und stellen sich der zweiten großen Herausforderung im neuen Jahr, die auch schon eine Herausforderung im vergangenen Jahr war: Der Aufarbeitung der Friederike-Schäden. „Das wird uns auch noch bis ins Frühjahr beschäftigen“, sagt Scholz. (ses)

Hintergrund: Nasslager

Um dem Preisverfall entgegenzuwirken, wird derzeit vom Landesbetrieb Hessen Forst in großem Stil Holz in sogenannten Nasslagern geparkt. Ein erheblicher Teil der Ernte aus dem Forstamt Rotenburg liegt im Nasslager an der Landesstraße bei Rengshausen – insgesamt 35 000 Festmeter Holz haben die Forstämter Neukirchen und Rotenburg dort auf einer Fläche von rund 200 mal 40 Meter deponiert. 

Auf dem Gebiet des Forstamtes Bad Hersfeld liegt ein Nasslager bei Friedlos mit rund 12 000 Festmetern. „Wir beliefern auch noch zwei weitere Nasslager, eines im Forstamt Fulda und eines an der Landesgrenze zu Thüringen“, sagt Oliver Scholz, Leiter des Hersfelder Forstamtes. 

In Nasslagern wird das Holz mit einem Bewässerungssystem konstant feuchtgehalten. Die gefürchteten Borkenkäfer können sich dadurch nicht einnisten – anders, als wenn das Holz am Wegesrand im Wald liegen würde. Bis zu vier Jahre könne das Holz auf diese Weise konserviert werden, ohne dass der Verkaufswert sinkt, sagt Scholz.

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