Festspiel-Momente

Ein Held, der nicht untergeht: Schauspieler Markus Gertken nutzt die Zwangspause

Schauspieler Markus Gertken hat die Corona-Zwangspause genutzt, „um in neue Genres vorzustoßen“.

Schau mir in die Augen, Kleiner: Markus Gertken in seiner Rolle als Odysseus, hier mit Simon Zigah als Polyphem, in der Inszenierung von Torsten Fischer aus dem Jahr 2009.

Bad Hersfeld/Berlin – Ein echter Held lässt sich auch von der schlimmsten Krise nicht unterkriegen. Vielleicht hat Markus Gertken das von Homers Odysseus gelernt, den der Schauspieler 2009 so eindrucksvoll bei den Bad Hersfelder Festspielen verkörpert hat. So hat Gertken auch die Corona-Zwangspause hat genutzt, „um in neue Genres vorzustoßen“.

Erstmals hat er selbst einen Kurzfilm gedreht, der sich mit Ernährungsfragen beschäftigt, Lieferketten hinterfragt, sowie die Massentierhaltung und die Ausbeutung des Planeten problematisiert. „Corona war für mich ein innerlicher und äußerlicher Anstoß, mehr über die Gesundheit nachzudenken“, erzählt Gertken beim Telefongespräch mit der HZ.

Zeit genug hatte er dafür. Wie bei fast allen Schauspielern lagen auch für ihn wegen Corona sämtliche Produktionen auf Eis, unter anderem ein Stück mit Regisseur Thorsten Fischer über die Familie Mann am Berliner Renaissancetheater. „Als Künstler habe ich in dieser Zeit keinen Pfennig bekommen“, sagt Gertken und fühlt sich vom Staat alleingelassen in der Krise. Deshalb schlägt er sich nun mit den Ämtern herum, „und ich schäme mich auch nicht, das durchzuexerzieren“.

Der Held der Zuschauer: Markus Gertken, hier mit Intendant Holk Freytag (links) und Festspiel-Verwaltungsleiter Karl Schmidt (rechts), mit dem Hersfeld-Ring 2010 für seine Rolle als Wilhelm Tell.

Zum Glück kommen nun aber auch endlich wiederneue Aufträge rein. Fernsehrollen, Hörspiele, in einer achtteiligen Historienserie für das holländische Fernsehen spielt Gertken sogar auf Englisch. „Und ich muss dafür reiten können“, erzählt er lächelnd. Ein Klacks für den 1,90 Meter großen Modellathleten, der an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule ausgebildet wurde und auch Fechten, Kampfsport und Standarttänze beherrscht.

An Bad Hersfeld hat Gertken „viele gute Erinnerung“. Wie kaum ein anderer Schauspieler der vergangenen Jahre prägte er mit seiner Schauspielkunst die Festspiele. 2008, zu Elke Hesses Intendanz, war er Heerführer Lionel in „Die Jungfrau von Orleans“ und 2009 der Titelheld in „Odysseus“ – beide inszeniert von Torsten Fischer.

2010, in der Ära von Intendant Holk Freytag, war er „Wilhelm Tell“, 2011 der Affenkönig Louis im „Dschungelbuch“, 2013 und 14 in der gefeierten Inszenierung von Holk Freytag gab er den Inquisitor Bernard Gui in „Der Name der Rose“, und er war außerdem Baron vor Burleigh in „Maria Stuart“ – ein beachtliches Bühnenpensum. Für seinen Tell erhielt er 2010 den Zuschauerpreis der Bad Hersfelder Festspiele und ist der Stadt seither über Holk Freytag und dessen „Grebe-Keller“ fest verbunden. Immer wieder stand er seither dort auf der Bühne. „Mein Hersfelder Freundeskreis ist immer noch da, und ich bin ganz gut informiert“, sagt Gertken vielsagend.

Er ist noch einer der klassischen Bühnenschauspieler, der nicht viel von Mikroports und anderen Hilfsmitteln hält, die mit Dieter Wedel in der Ruine Einzug hielten. Gertken indes verlässt sich lieber auf seine Schauspielkunst, um auch die größte Bühne auszufüllen. Er ist ein Schauspieler, der voll hinter seiner Rolle steht, darin aufgeht, sie interpretiert und immer auch immer aktuelle, politische Bezüge findet. Und Markus Gertken ist einer, der sich einmischt und stets klare Worte findet.

Daheim im Grünen: Markus Gertken in seinem Berliner Garten.

So nennt der Familienvater die Corona-Zeit für seine Kinder „ein verlorenes Jahr“ und hat den digitalen Schulunterricht als „chaotisch“ erlebt. Zum Glück wohnt er am Fuße des Berliner Teufelsbergs im Grünen und ist auch in diesen Tagen der Pandemie immer draußen, er läuft im Wald und schwimmt viel. Ein Held eben, der nicht untergeht. kai

Rubriklistenbild: © Hans-Heinrich Hartmann

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