Musical riss Publikum von den Sitzen

Ein Goethe voller Energie bei den Bad Hersfelder Festspielen

Lotte Buff (Abla Alaoui) und Johann Goethe (Philipp Büttner) verlieben sich, doch sie muss einen anderen heiraten.
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Große Gefühle aber keine Zukunft: Lotte Buff (Abla Alaoui) und Johann Goethe (Philipp Büttner) verlieben sich, doch sie muss einen anderen heiraten.

Bei den Bad Hersfelder Festspielen hatte jetzt am 3. Juli das Musical „Goethe!“ Premiere - mit großartigen Darstellern, originellem Bühnenbild, zauberhaften Kostümen und druckvoller Musik.

Bad Hersfeld – Es ist fast, als hätten alle Beteiligten an der Musical-Inszenierung „Goethe!“ ihre Energie, ihre Ausdruckskraft, ihr darstellerisches, gesangliches und musikalisches Können während der langen Monate des Lockdowns aufgespart und in diese Produktion in Bad Hersfeld gesteckt. Mit bombastischem Sound bläst das Orchester unter der Leitung von Christoph Wohlleben das Publikum fast von den Sitzen, die temporeichen Tanzszenen sind einfach mitreißend und die kraftvolle und ausdrucksstarke Darstellung der tragenden Rollen berührt.

Philipp Büttners Goethe platzt fast vor Energie und Überschwang. Er will das Leben spüren, in die Natur eintauchen, die Liebe erleben und vor allem seine Gefühle in Worte fassen und zu Papier bringen. „Sturm und Drang“ nennt man diese von Goethe, Herder, Klopstock und anderen jungen Autoren geprägte Strömung in der Literatur. Wenn jemand diesen Begriff mit Leben füllt, dann dieser „Goethe!“. Büttner begeistert außerdem mit einer warmen, tragfähigen und ausdrucksstarken Stimme.

Eine starke Persönlichkeit ist auch Lotte Buff, die von Abla Alaoui gespielt wird. Sie hat ihren eigenen Kopf, verkörpert das mädchenhaft Zarte ebenso wie die Vernunft und stürzt sich zwar mit Leidenschaft und viel Gefühl in die Liebe zu Goethe, erkennt dann aber, dass diese Liebe nicht auf Dauer tragfähig und wahrscheinlich wirtschaftlich riskant ist. Mit ihrem kristallklaren Gesang und einer Stimme, die mühelos höchste Höhen erreicht, bezaubert Abla Alaoui nicht nur den jungen Goethe, sondern auch das Festspielpublikum.

Gil Mehmerts Inszenierung setzt aber nicht nur auf brilliante Hauptdarsteller. Alle Rollen sind stark besetzt. Christof Messner zeigt als Goethes Widersacher Kestner nicht nur den gestrengen, knochentrockenen Vorgesetzten, sondern auch den rettungslos in Lotte verliebten Mann. Thomas Hohler spielt den an einer unglücklichen Liebe zerbrechenden Wilhelm Jerusalem, Karen Müller seine verheiratete Geliebte.

Eindrucksvoll auch die beiden Väter: Rob Pelzer als Vater Goethe, der erst an seinem aufmüpfigen Sohn fast verzweifelt, dann aber doch enorm stolz ist auf dessen literarischen Erfolg und Detlef Leistenschneider als liebevoller, alleinerziehender Vater, der aus Sorge um die Zukunft seiner großen Kinderschar Lotte zu einer Vernunftehe überredet.

In Erinnerung bleibt zudem Mischa Mang als verführerischer Mephisto.

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Das Musical „Goethe“ wurde bei den Bad Hersfelder Festspielen gefeiert

Mit großartigen Darstellern, originellen Kostümen, einem fantasievollen Bühnenbild und bombastischer Musik fasziniert das Musical „Goethe!“ das Publikum in der Stiftsruine Bad Hersfeld.
Mit großartigen Darstellern, originellen Kostümen, einem fantasievollen Bühnenbild und bombastischer Musik fasziniert das Musical „Goethe!“ das Publikum in der Stiftsruine Bad Hersfeld.
Mit großartigen Darstellern, originellen Kostümen, einem fantasievollen Bühnenbild und bombastischer Musik fasziniert das Musical „Goethe!“ das Publikum in der Stiftsruine Bad Hersfeld.
Mit großartigen Darstellern, originellen Kostümen, einem fantasievollen Bühnenbild und bombastischer Musik fasziniert das Musical „Goethe!“ das Publikum in der Stiftsruine Bad Hersfeld.
Das Musical „Goethe“ wurde bei den Bad Hersfelder Festspielen gefeiert

Regisseur Gil Mehmert hat die einzelnen Figuren gut herausgearbeitet und aus dem Stoff aus dem 18. Jahrhundert ein temporeiches, modernes Musical geschaffen, das atemlos mit treibenden Rhythmen von Song zu Song, Szene zu Szene hastet. Ein wenig mehr Ruhe zum Durchatmen hätte allerdings nicht geschadet. Gerade die romantischen Momente hätten mehr Ruhe verdient. Ärgerlich ist zudem die Jagdszene, in der die Jagd auf ein Reh gleichgesetzt wird mit der Eroberung von Frauen.

Energiegeladen, präzise und anspruchsvoll auch die Tanzszenen, die Kim Duddy choreographiert hat. Wer hätte je gedacht, dass Aktenordner so wichtige Requisiten sein könnten.

Unter der Leitung von Christoph Wohlleben zeigt das Orchester einmal mehr, welche Qualität es ist, wenn live gespielt wird und die Musik nicht vom Band kommt. Allerdings wäre mitunter etwas weniger Bombast mehr gewesen und hätte das Verständnis der Texte erleichtert.

Fürs Auge wird ebenfalls viel geboten.: Jens Kilian (Bühne) und Claudio Pohle (Kostüme) überraschen mit vielen originellen Ideen. Zauberhaft zum Beispiel die immer wieder auftauchenden Scherenschnitte oder die zu Pferden umfunktionierten Fahrräder.

Minutenlanger, jubelnder Beifall und Standing Ovations belohnten alle Beteiligten. (Christine Zacharias)

Hintergrund: „Goethe! Auf Liebe und Tod“ in Essen

Erstmals auf der Bühne zu sehen, und zwar als Tryout-Premiere, war das Musical „Goethe! Auf Liebe und Tod“ im April 2017 an der Folkwang Universität in Essen in Zusammenarbeit mit Stage Entertainment. Gil Mehmert ist dort Professor. Traditionell wurde das Musical von Studierenden des dritten und vierten Jahrgangs auf die Bühne gebracht. Sie erhielten jedoch für einige Aufführungen Unterstützung von Musical-Stars, unter anderem von Philipp Büttner, der auch in Bad Hersfeld den Goethe singt und spielt und von Sabrina Weckerlin, die 2020 ursprünglich für die Lotte vorgesehen war, dieses Jahr aber andere Verpflichtungen hatte. Szenenfotos zeigen, dass viele Elemente der Inszenierung und auch Teile des Bühnenbilds 2017 in Essen schon zu sehen waren. (zac)

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