Festspiel-Momente

Ein ewig Lernender: Torsten Fischer denkt gern an die Stiftsruine

Ein Power-Paar für die Stiftsruine: Intendantin Elke Hesse und Torsten Fischer im Jahr 2006.
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Ein Power-Paar für die Stiftsruine: Intendantin Elke Hesse und Torsten Fischer im Jahr 2006.

Regisseur Torsten Fischer hat die große Bühne in der Stiftsruine beherrscht und erinnert sich gern an seine Zeit in Bad Hersfeld zurück.

Unvergessen seine einfachen, aber höchst wirkungsvollen Bühnenbilder: Das brennende Kreuz und die Ikonen-Armee in der „Johanna von Orleans“ 2008 oder die Berliner Mauer in der „Odyssee“ von 2009. Doch in dieser verrückten Corona-Zeit sucht der renommierte Regisseur bewusst nicht die große Bühne. Torsten Fischer hat sich auf die kleine Kykladen-Insel Tinos in Griechenland zurückgezogen, wo er seit vielen Jahren ein Haus besitzt.

„Die Insel ist coronafrei, hier fühle ich mich sicher “, erzählt der gebürtige West-Berliner am Telefon. Die Griechen seien sehr diszipliniert und hielten sich streng an die Maskenpflicht. Weil er in dieser Zeit nicht dicht gedrängt im Flugzeug sitzen wollte, ist Fischer mit dem Auto und dem Fährschiff nach Griechenland gefahren.

„Die Corona-Krise trifft uns alle hart, aber unsere Regierung macht das gut“, findet Fischer, auch wenn die Künstler ein wenig zu kurz kämen bei den staatlichen Hilfen. Dennoch sei es an den Haaren herbei gezogen, die jetzigen Corona-Einschränkungen mit dem Dritten Reich zu vergleichen. „Dieses Virus ist einfach verdammt gefährlich.“

Nach seiner Zeit bei den Bad Hersfelder Festspielen während der Intendanz von Elke Hesse hat er vor allem an drei Häusern gearbeitet: Seiner Heimatbühne, dem Renaissancetheater in Berlin, sowie in Wien im Theater in der Josefstadt und im Gärtnerplatztheater in München. Dort hat er zuletzt eine viel beachtete Inszenierung von Händels „Messias“ auf die Bühne gebracht.

Jäh gestoppt von Corona wurde hingegen eine literarisch-musikalische Revue unter dem Titel „Amazing Family – Die Familie Mann“ über den Schriftstellerclan, in der Markus Gertken, der Hersfelder „Odysseus“, und die „Polizeiruf“-Kommissarin Imogen Kogge mitspielen sollten.

„Am ersten Probentag mussten wir alles absagen“, bedauert Fischer, der dieses Stück gemeinsam mit Herbert Schäfer geschrieben hat. Auch eine Inszenierung der „Dreigroschenoper“ in der Josefstadt steht derzeit auf Halt. „Es ist immer schwierig, wenn viele Leute mitspielen“, sagt der Regisseur, der zurzeit an einer „Aufführung ohne Berührungen“ arbeitet.

Feuer und Flamme für das Ruinen-Theater: Die „Johanna von Orleans“ von 2008 mit Anna Franziska Srna (hinten mit Helm) in der Hauptrolle ist in bleibender Erinnerung. Torsten Fischer ließ dafür eigens Ikonen von dem griechischen Künstler Vasilis Triantafillopoulos malen.

„Außerdem habe ich noch viel vor in entfernten Ländern“, erzählt Fischer. So wollte er, bevor die Pandemie kam, eigentlich in arabischen Staaten inszenieren. „Man sollte immer dort arbeiten, wo man mit dem politischen System nicht konform geht.“ Auf jeden Fall wolle er „raus aus West-Europa, solange ich noch fit bin“, sagt der 62-Jährige. Ihn reizt es, politische Systeme und gesellschaftspolitische Unterschiede zu beobachten. „Ich möchte ein ewig-Lernender bleiben, bis zum Schluss“.

Mit Bad Hersfeld verbindet Torsten Fischer immer noch eine enge Beziehung, obwohl er zunächst sogar eine gewisse Antipathie gegen die Stadt gehegt habe wie er verrät. Das sei aber schnell verflogen. „Ich würde irrsinnig gern mal wieder in die Stiftsruine kommen“, sagt Fischer, auch wenn er sich noch gut als eisig-kalten Probennächte erinnert.

Obwohl er weiß, dass Joern Hinkel als Intendant geschätzt wird und gute Arbeit macht, würde es ihn reizen, irgendwann einmal selbst die Leitung der Festspiele zu übernehmen. Fischer glaubt daran, dass gerade das Bad Hersfelder Festspielpublikum sehr wohl auch unkonventionelle und unkommerzielle Wege zu würdigen wisse. „Braucht man unbedingt berühmte Namen, oder kann man Besucher auch mit guter Theaterarbeit begeistern?“

Fischer hält immer noch engen Kontakt zu einigen Mitgliedern des Chorvereins, der in allen seinen Hersfelder Inszenierungen eine wichtige Rolle gespielt hat.

„Es ist schade, dass in diesem Jahr die Festspiele ausfallen müssen, denn die Stadt ist in diesen Wochen immer aufgeblüht.“ Den Festspielfans bestellt er über unsere Zeitung herzliche Grüße aus Griechenland. Vielleicht klappt es ja bald mit einem Wiedersehen in der Stiftsruine.

Von Kai A. Struthoff

Torsten Fischer auf der Insel Tinos.

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