Zwangsräumung drohte

Eigene Wohnung angesteckt: Freiheitsstrafe auf Bewährung für Bebranerin

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Wegen versuchter schwerer Brandstiftung musste sich eine 40-jährige Frau aus Bebra jetzt vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld verantworten.

Verurteilt wurde sie zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe. Diese wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich wurden 180 Stunden gemeinnützige Arbeit verhängt.

Die Bebranerin hatte am 12. März dieses Jahres im eigenen Wohnzimmer im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses im Göttinger Bogen mittels einer angerauchten Zigarette und mehreren auf einem Sofa platzierten Streichhölzern Feuer gelegt. Dadurch war es zu einem Schwelbrand gekommen, den die Feuerwehr jedoch mit geringem Aufwand löschen konnte. Hintergrund der Brandstiftung war die drohende Zwangsräumung wegen ausstehender Mietschulden. 

Knapp an einer Katastrophe vorbei

Es stand „Spitz auf Knopf“, als die Bebraer Feuerwehr am Morgen des 12. März dieses Jahres zu einem Zimmerbrand im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses im Göttinger Bogen ausrückte. Denn wäre auch die zweite Scheibe eines Dachfensters unter der ungeheueren Hitze von über 800 Grad zerborsten, hätte die plötzliche Sauerstoffzufuhr den Schwelbrand entfacht und eine Katastrophe ausgelöst. 

So aber war das Feuer auf der Couch in dem stark verrußten Zimmer mit wenig Wasser zu löschen. „Nicht mehr als 20 Liter“, schätzte der Brandermittler von der Kripo Bad Hersfeld, der jetzt vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld als Zeuge aussagte. Wurde zunächst ein technischer Defekt an einem Ofen vermutet, so geriet nach der Aussage einer Nachbarin schnell die 40 Jahre alte Bewohnerin in den Fokus der Ermittler. Die Frau war beobachtet worden, wie sie im Garten auffällig oft nach oben zur Wohnung schaute und dann „wie von der Tarantel gestochen“ das Weite suchte. 

Der Polizei hatte die Bebraerin erzählt, frühmorgens ihren Freund verabschiedet und dann ein Kind zur Schule gebracht zu haben, bevor sie in diversen Geschäften einkaufen ging. Den kurzen Schlenker zurück zur Wohnung verriet dann auch die Auswertung der Geo-Daten aus ihrem Handy. Und dann legte die 40-Jährige das Geständnis einer Verzweiflungstat ab. 

Alte Schulden, die sie von ihrem früheren Wohnort nach Bebra mitgebracht und neue Mietschulden in Höhe von etwa 6000 Euro hatten sie in eine scheinbar ausweglose Situation gebracht. Mahnungen und Kündigungsschreiben ihres Vermieters hatte sie ungeöffnet in den Papierkorb geworfen, sodass für den 13. März die Zwangsräumung drohte. Ihr damaliger Lebensgefährte und heutiger Ehemann wusste von alledem nichts, dass sie von ihren schmalen Einkünften als Putzfrau die Miete zahlen sollte, sei „so abgemacht“ gewesen. „Man hätte das mit Sicherheit auch vernünftig lösen können“, sagte Richterin Silvia Reidt in der Urteilsbegründung. 

Sie und die beiden Schöffen stimmten jedoch auch Verteidiger Harald Ermel zu, der von „Kopflosigkeit“ seiner Mandantin gesprochen hatte, die in einer „hirnrissigen Idee“ kulminiert sei. Mit dem dem Urteil von einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung blieb das Gericht zwei Monate unter dem Antrag von Staatsanwältin Gerbig. 180 Stunden gemeinnützige Arbeit und der Gang zur Schuldnerberatung machen den spürbaren Teil der Strafe aus. Das Urteil wurde im allgemeinen Einverständnis sofort rechtskräftig. (ks)

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