Erfolg oder Misserfolg

Auf dem Eichhof wird die Anbau-Eignung von Rotklee getestet

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Eine Pflanzenart, 14 verschiedene Sorten: Christian Weider begutachtet auf den Feldern des Landwirtschaftszentrums Eichhof die Versuchsparzellen, auf denen die Rotklee-Sorten bei gleichen Bedingungen unterschiedlich gut entwickelt haben. 

Nicht jedes Saatgut ist für jeden Boden und jedes Klima geeignet. Im Landwirtschaftszentrum Eichhof wird auch der Anbau von Futterpflanzen wie Rotklee getestet.

Rotklee ist nicht gleich Rotklee. Im Landwirtschaftszentrum Eichhof wird das spätestens auf den zweiten Blick deutlich: Während die Pflanzen auf einigen Parzellen kräftig entwickelt sind und dichtes Blattwerk gebildet haben, wachsen sie auf anderen Abschnitten des Versuchsfeldes eher spärlich.

Der auch als Wiesenklee bekannte Schmetterlingsblütler wird als eiweißreiche Futterpflanze angebaut. Weil er Stickstoff aus der Luft bindet und den Boden auf natürlichem Wege mit diesem wichtigen Pflanzennährstoff versorgt, sei er vor allem in der Bio-Landwirtschaft auch als Gründünger von Bedeutung, erklärt Christian Weider vom Fachgebiet Fachinformation Pflanzenbau des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH). 14 Rotklee-Sorten wachsen auf dem Versuchsfeld vor den Toren der Kreisstadt. Für deren Züchter entscheidet sich dort mit, ob sich der teils jahrzehntelange Aufwand für Kreuzung und Selektion gelohnt hat. Der Eichhof ist einer von mehreren Standorten für die Wertprüfung, an deren Ende das Bundessortenamt über die Vermarktung urteilt. Dafür wird der sogenannte landeskulturelle Wert ermittelt: Eine oder mehrere Eigenschaften müssen eine deutliche Verbesserung gegenüber den bisher zugelassenen Sorten darstellen. Neben höherem Ertrag könne das beispielsweise mehr Ertragssicherheit bei Trockenheit oder geringere Krankheitsanfälligkeit sein, verdeutlicht Christian Weider.

Ausgesät wurde der Klee im Jahr 2018 auf jeweils zehn Quadratmeter großen Parzellen. In vier großen Blöcken sind die 14 Sorten dabei in unterschiedlicher Reihenfolge angeordnet. Das stelle sicher, dass die Ergebnisse tatsächlich die Wachstumseigenschaften der Pflanzen und nicht etwa Unterschiede in der Bodenstruktur abbilden, führt der Pflanzenbaufachmann aus. Die kleinräumigen Versuchsparzellen schaffen zudem einheitliche Wachstumsbedingungen und ermöglichen so den direkten Vergleich.

In drei Jahren nach der Aussaat, also noch bis 2021, müssen sich die Pflanzen im Anbau bewähren. Neben der Erntemenge werden dabei in Mängelbonituren auch der Zustand vor und nach dem Winter, die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge oder die Nachwirkungen der Dürre in den vergangenen Sommern erfasst. Bestehen die neuen Kleesorten die Wertprüfung, können sie in Landessortenversuchen auf ihre Eignung für unterschiedliche Regionen geprüft werden. Ziel sei dabei, den Landwirten eine den jeweiligen Boden- und Klimaverhältnissen angepasste Sortenempfehlung auszusprechen, erläutert Christian Weider.

In seiner heutigen Form gehe das Versuchswesen auf die Nachkriegsjahre zurück: Ertragreichere Sorten sollten die Versorgung der Bevölkerung sichern. Noch immer könne die Sortenwahl über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. „Landwirte müssen sich darauf verlassen können, dass das Saatgut die versprochenen Eigenschaften hat“, unterstreicht Christian Weider, warum nach wie vor nicht alleine den Herstellern überlassen wird, was als Saatgut auf den Markt kommt.

Während beim Getreideanbau bereits großes Augenmerk auf die richtige Sortenwahl gelegt werde, seien die Unterschiede bei Futterpflanzen wie Rotklee vielen Landwirten noch nicht bewusst, hat Weider festgestellt.

Vermitteln ließen sich die Erkenntnisse zur Anbau-Eignung besonders gut bei Versuchsfeld-Führungen, sodass die Landwirte die Wachstumsunterschiede mit eigenen Augen sehen können. Wegen der aktuellen Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie setzte die landeseigene Informations- und Bildungseinrichtung nun verstärkt auf digitale Angebote wie Erklär-Videos, berichtet Christian Weider.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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