„Energy-Islands-HeRo“: Erfolg für Idee des Landkreises

Eichhof-Projekt soll Energieversorgung im Katastrophenfall sichern

Unser Bild zeigt den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen am Bad Hersfelder Eichhof, wo Biogas und Solarenergie bereits großflächig genutzt wird. Im Hintergrund das Amazon-Logistikzentrum FRA 1.
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Das Projekt „Energy-Islands-HeRo“ verfolgt ein Konzept für die Notversorgung auf Basis regenerativer Energien bei einem langen Stromausfall. Es soll exemplarisch für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg entwickelt werden, der ländlich geprägt ist, aber aufgrund seiner zentralen Lage über eine sehr hohe Infrastrukturdichte und große Logistikanbieter verfügt. Unser Bild zeigt den Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen am Bad Hersfelder Eichhof, wo Biogas und Solarenergie bereits großflächig genutzt wird. Im Hintergrund das Amazon-Logistikzentrum FRA 1.

Der Landkreis arbeitet gemeinsam mit dem Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen an einem Projekt, um die Energieversorgung und Kommunikation im Katastrophenfall zu sichern.

Hersfeld-Rotenburg - Was tun, wenn den Landkreis ein katastrophales Ereignis trifft, ähnlich der Hochwasserkatastrophe im Juli, die Deutschlands Westen verwüstete? Wenn dann der Strom ausfällt und tote Mobilfunkmasten auch noch die Kommunikation lahmlegen, hat das dramatische Folgen.  Deshalb hat der Landkreis Hersfeld-Rotenburg gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) das Projekt „Energy-Islands-HeRo“ ins Leben gerufen. Und das mit Erfolg. Im Wettbewerb „SifoLIFE – Demonstration innovativer, vernetzter Sicherheitslösungen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sind Kreis und IEE mit ihrem Projektvorschlag in der ersten Wettbewerbsphase zusammen mit 13 weiteren Ideen ausgewählt worden, ihren Ansatz zu einem Konzept für innovative Sicherheitslösungen weiterzuentwickeln. In der zweiten Phase werden dann bis zu fünf Kommunen die Chance erhalten, ihre Konzepte in der Praxis zu demonstrieren.

Hinter „Energy-Islands-HeRo“ steht die Idee einer Strom-Notversorgung auf Basis regenerativer Energien bei einem lang anhaltenden Stromausfall infolge eines Katastrophenszenarios. Das Konzept soll nun exemplarisch für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg entwickelt werden, der ländlich geprägt ist, aber aufgrund seiner zentralen Lage über eine sehr hohe Infrastrukturdichte und große Logistikanbieter in der Region verfügt.

„Gerade in einem ländlichen Kreis können erneuerbare Energien durch die hier vorhandenen Potenziale ihre Vorteile ausspielen. Mit unserem Konzept werden erneuerbare Energieanlagen so umgestaltet, dass diese im Katastrophenfall eine Notversorgung bereitstellen können“, sagt Michael Beil, Projektleiter des IEE. So schaffe man mit erheblich geringerem Investitionsaufwand als mit konventionellen Methoden eine erhöhte Versorgungssicherheit und stärke gleichzeitig den Klimaschutz.

Im Projekt sollen spezifische Bedarfe ermittelt und technische sowie organisatorische Lösungen erarbeitet werden. Durch den Aufbau von energieautarken Insellösungen mittels regenerativer Energie sollen für die Bevölkerung, die Landwirtschaft, die Einsatzkräfte aber auch für die Industrie und für die Logistikbranche umfassende Notfallkonzepte erstellt werden. „Mit dem Projekt wollen wir im Katastrophenfall unsere Bevölkerung versorgen und vor allem auch die Einsatzfähigkeit unseres Katastrophenschutzes erhalten und die Logistik sicherstellen“, sagt Thorsten Bloß, Leiter des Fachdienstes Gefahrenabwehr im Landkreis.

Die Ereignisse zum Beispiel im Ahrtal hätten gezeigt, wie wichtig eine dezentrale Energieversorgung sei und dass man auf solche Extremwetterereignisse nur präventiv reagieren könne, sagt Bloß.

Gerade im Hinblick auf den Klimawandel und die damit verbundene erhöhte Wahrscheinlichkeit extremer Regenfälle und Hochwasserkatastrophen seien Projekte wie „Energy-Islands-HeRo“ wichtiger denn je. Neben der Stromversorgung umfasse die Idee auch die Verfügbarkeit von Treibstoffen und die Kommunikation.

Das innovative Gesamtkonzept berücksichtigt vor allem Rückwirkungen zwischen unterschiedlichen Infrastrukturen und hilft dabei, Kaskadeneffekte, die zum Beispiel zum Ausfall der Wasserversorgung führen können, zu minimieren. Neue Sicherheitslösungen durch innovative Technologien, organisatorische Maßnahmen oder neue Dienstleistungsangebote könnten dabei helfen, Krisen besser abzuwehren und zu bewältigen. „Sie entfalten besonders dann ein hohes Maß an Wirkung, wenn sie bedarfsorientiert gestaltet, gesellschaftlich verankert und in einem Gesamtkonzept eingebettet sind“, sagt Projektleiter Michael Beil. » (Peter Gottbehüt)

Forschung für zivile Sicherheit

Mit dem Wettbewerb „SifoLIFE – Demonstration innovativer, vernetzter Sicherheitslösungen“ unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 14 Städte und Landkreise dabei, neue Sicherheitslösungen für den Katastrophenschutz zu erproben und so Impulse für den Innovations- und Praxistransfer zu schaffen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ gefördert.

Partner des Projektes, das bis 30. November 2022 läuft, sind das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE), Kassel (Koordinator) sowie der Kreisausschuss des Landkreises Hersfeld-Rotenburg - Fachdienst Gefahrenabwehr, Bad Hersfeld. Assoziierte Partner sind das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), das Hessisches Ministerium des Innern und für Sport, die Hessische Landesfeuerwehrschule, die Kreisstadt Bad Hersfeld, die Stadt Rotenburg, der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, die Gemeinde Alheim, der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen, die EAM Netz GmbH, das Polizeipräsidium Osthessen sowie die DB Energie GmbH. red/pgo

Kontakt: Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Martin Orf, Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises, E-Mail: post.brandschutz@hef-rof.de; Fraunhofer IEE: Dr.-Ing. Bernd Krautkremer, E-Mail: bernd.krautkremer@iee.fraunhofer.de; Michael Beil, Fraunhofer IEE, Mail: michael.beil@iee.fraunhofer.de sifo.de/de/sifolife

Von Peter Gottbehüt

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