Wie schaffen wir das?

Diskussion der Zukunftsakademie über die Integration von Flüchtlingen

Moderator Kai Struthoff fragte im Podiumsgespräch nach der Situation Geflüchteter, die bei uns im Kreis leben. Hier mit (von links) Hadi Tamimi, dem Übersetzer Bahram Dormichian, Mohamad Khier Ashour, Abdulhamid Bakrosh und Mohammad Eyad Albandakyi. Foto: Janßen

Bad Hersfeld. „Wir wollen wissen, wie es Menschen geht, die zu uns gekommen sind.“ Das war  die Intention des Zukunftsforums zum Thema Integration von Geflüchteten.

Dazu waren hier lebende Flüchtlinge, Vertreter örtlicher Vereine und haupt- oder ehrenamtlich tätige Helferinnen und Helfer im Buchcafé zusammengekommen.

Der Zukunftsakademie Hersfeld-Rotenburg als Initiatorin der Veranstaltung war es vor allem darum gegangen, mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam darüber nachzudenken, wo es in unserer Region bereits Beispiele für erfolgreiche Integration gibt und wo noch Verbesserungsmöglichkeiten auszumachen sind. Statt „Schaffen wir das?“ wurde die Leitfrage „Wie schaffen wir das?“ diskutiert.

Arbeit an der Basis meist geräuschlos

Bereits das Anfangspodium, in dem Geflüchtete aus dem Kreisgebiet und Aktive, die Flüchtlinge unterstützen, zu Wort kamen, bot eine Vielzahl von Beispielen für die tägliche Arbeit an der Basis, die meist „geräuschlos“ geleistet wird: In Sportvereinen, in der Freiwilligen Feuerwehr und in Vereinen wie dem Interkulturellen Zentrum (IkuZ) begegnen sich Menschen und arbeiten gemeinsam an einem Ziel. Dennoch gibt es trotz guten Willens immer wieder Probleme und vielfach auch Berührungsängste, die zum Teil aus der Überforderungssituation des Jahres 2015 resultieren.

Für Mohamad Eyad Albandakyi und Hadi Tamimi, die beide aus Syrien stammen und aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr in Alheim mitarbeiten, ist eines der wesentlichen Probleme, dass Betroffene häufig lange im Ungewissen über ihre Bleibeperspektive sind.

Iris Plaß-Geißler vom IkuZ und Ulla Kremser, die als ehrenamtliche Mentorin Flüchtlinge unterstützt, ermutigten dazu, aufeinander zuzugehen und neugierig aufeinander zu sein. Dabei gehe es gerade darum, die Neuankömmlinge nicht nur als Hilfsbedürftige zu sehen, sondern vor allem als Menschen, die ihrerseits vielfältige Potenziale mitbringen.

Pfarrerin Melanie Hetzer aus Kirchheim wies darauf hin, dass es oft gerade alltägliche Kontakte seien, die als besonders hilfreich empfunden würden. Als konkrete Möglichkeit führte die engagierte Pfarrerin, die auch Feuerwehrfrau ist, das Angebot von Brandschutzerziehung in der örtlichen Kindertagesstätte an.

Sprache als Schlüssel

Der wichtigste Schlüssel, darüber waren sich die Teilnehmenden beim Zukunftsforum einig, sei die deutsche Sprache. Leider gebe es vielfach noch zu wenige qualifizierte Angebote für Deutschkurse, die in der Regel auch erst nach Abschluss eines Asylverfahrens zugänglich seien. Gerade in Kleinstädten und im ländlichen Raum könne Integration durch persönliche Kontakte besonders gut gelingen.

Ein wesentlicher Hemmfaktor seien jedoch fehlende Arbeitsmöglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Mobilität. Gerade für junge Menschen, die zum Teil unbegleitet nach Deutschland kommen, müsse auch die Vermittlung von Werten gezielt in den Blick genommen werden.

In den Blick genommen wurden auch kritische Fragen, wie die nach kopftuchtragenden Frauen, nach häuslicher Gewalt und nach der vielfach fehlenden gesellschaftlichen Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements.

Eine wirklich kontroverse Diskussion war an diesem Abend jedoch nicht zu verzeichnen, was wohl auch durch die Zusammensetzung von Podium und Teilnehmerkreis aber auch durch die Fragestellung bedingt sein dürfte.

Von Ute Janßen

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