Serie: Die weite Welt und wir

Dirk Kammerzell: Ein Herschfeller in New York

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Eine deutsch-amerikanische Familie: Dirk Kammerzell, Ehefrau Susi und Tochter Paulina beim Besuch im Stadion des Baseballclubs New York Yankees.

In der Serie „Die weite Welt und wir“ erzählen Menschen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg, die im Ausland leben, ihre Geschichte. Dirk Kammerzell hat in New York Karriere gemacht.

Dirk Kammerzell wacht morgens in einer Stadt auf, die angeblich niemals schläft. „Wer es dort schafft, der schafft es überall“ – singt der unvergessene Frank Sinatra in seiner musikalischen Liebeserklärung an New York. Und Dirk Kammerzell hat es dort geschafft.

Seit 2002 lebt der 50-Jährige im „Big Apple“ und arbeitet dort als Creativ-Direktor bei der renommierten Vivaldi-Strategieberatung für Markenmanagement, Innovation und Wachstum. Nebenbei unterrichtet er als Professor für Markenstrategie und Markendesign an drei der renommiertesten Designhochschulen der Welt: der School of Visual Arts, der Parsons School of Design und dem Fashion Institute of Technology.

Bevor er in New York Karriere machte, haben ihn seine „Vagabond Shoes“, von denen Sinatra singt, durch die ganze Welt getragen. Der Herschfeller Jung ist ganz schön weit rumgekommen.

Geboren am 8. Juli 1969 verbringt Dirk eine ganz normale Jugend in Bad Hersfeld. Er absolviert die Wilhelm-Neuhaus-Schule, die Konrad-Duden-Schule und macht sein Abitur am Obersberg. „Außerdem war ich begeisterter Fußballer bei Hessen Hersfeld während der goldenen Jahre des Vereins“, berichtet er.

Nach dem Abi 1988 studiert er Kommunikationsdesign in Mainz, geht gleich nach dem Studium nach London zur renommierten Design-Firma Pentagram, dann zur Interbrand, einer Beratungsfirma, für die er auch ein Jahr in Amsterdam und ein Jahr in Melbourne, Australien, arbeitet. In dieser Zeit ist er unter anderem am Rebranding von British Airways beteiligt und verbringt zwei Jahre in Hangars und Terminals auf der ganzen Welt, wo er die Verantwortung dafür hat, die neue Markenidentität in den Flugzeugen und Flughäfen als auch auf den Flügen selbst umzusetzen.

Unter Rebranding versteht man in der Marketing-Branche die Neugestaltung des öffentlichen Auftritts eines Unternehmens, mit neuem Logo, Slogan und Corporate Identity. Ähnliche Projekte leitet er später für die Barclays Bank und IBM.

Seit 2002 lebt Dirk Kammerzell in New York, seit 2008 arbeitet er dort bei der Vivaldi-Group. „Ich bin Spezialist für die Entwicklung von neuen Marken für Unternehmen und Produkte mit Schwerpunkt auf Marken Design und Markenerlebnis Entwicklung“, erklärt er seinen Arbeitsschwerpunkt.

Dirk Kammerzell vor dem Gebäude der Vereinten Nationen.

Nach sechs Jahren in Manhattan lebt er inzwischen mit seiner amerikanischen Ehefrau Susi, einer Fashion-Designerin, und der gemeinsamen siebenjährigen Tochter Paulina in Leonia, einer 8000-Einwohner Stadt vor den Toren New Yorks.

„Obwohl wir in nur 15 Minuten in Manhattan sind, ist unser Haus so ganz und gar nicht im Großstadt-Rummel. Wir haben einen großen Garten, und regelmäßig Rehe, Truthähne oder auch mal ein Opossum zu Besuch“, erzählt er. Tochter Paulina wächst zweisprachig auf. „Sie spricht selbstverständlich Deutsch, wenn auch vielleicht mit Hersfelder Dialekt“, berichtet Dirk Kammerzell schmunzelnd.

Und seine Leidenschaft zum Fußball hat er an seine Tochter vererbt, die selbst in einem Team spielt. „Ansonsten ist, wie bei jedem Hauseigner, immer viel am Haus und im Garten zu machen, und wir verreisen gerne.“ Das allerdings ist in den USA anders als im guten alten Europa. „Amerika ist ein wunderschönes, vielfältiges Land, aber es ist nicht so einfach wie in Europa, mal schnell irgendwo komplett anders hinzukommen. Das sind entweder lange Fahrten oder Flugreisen“.

Das Amerika unter Donald Trump bezeichnet Dirk Kammerzell knapp als „politische Katastrophe“, und auch das soziale Netz sei komplett anders als in Deutschland: Krankenversicherung, Altersvorsorge, Schulen seien zumeist komplett privat zu finanzieren und extrem teuer.

Trotz des abgekühlten deutsch-amerikanischen Verhältnisses erfahre er keine Ablehnung. „Viele Leute fragen aber immer, was Leute in Deutschland von der politischen Sache hier denken.“

An Deutschland vermisst er Kochkäse und Cervelatwurst – und natürlich die Familie, die ab und an Bilder aus der Hersfelder Heimat schickt. Im nächsten Sommer plant Dirk Kammerzell die nächste Reise nach Bad Hersfeld.

Doch bis dahin heißt es noch viele Male aufwachen, in der Stadt, die niemals schläft.

Steckbrief: New York

Städtename: New York ist eine Weltstadt an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie liegt im gleichnamigen Bundesstaat, dessen Hauptstadt Albany heißt. Der Spitzname lautet „Big Apple“ (großer Apfel), oder auch „die Stadt, die niemals schläft“.

Fläche und Bevölkerung: 789,4 Quadratkilometer, 8,5 Millionen Einwohner und damit die bevölkerungsreichste Stadt der USA. In der Metropolregion leben sogar 19 Millionen Menschen. 

Sehenswürdigkeiten: New York ist Sitz der Vereinten Nationen und ist mit der Wall Street einer der wichtigsten Handelsplätze der Welt. Die Stadt hat rund 500 Galerien, 200 Museen und 150 Theater. Besonders der Broadway, das Times Square, die Freiheitsstatue und die vielen Hochhäuser, wie das Empire State Building (381 Meter) oder das One World Trade Center (541 Meter), sind beliebte Ziele von Touristen.

Landessprache: Über 50 Prozent der New Yorker sprechen Englisch, knapp 25 Prozent Spanisch, knapp 5 Prozent Chinesisch. Gut drei Prozent der New Yorker stammen von Deutschen ab. 

Regierungsform: An der Spitze der Stadtverwaltung steht der für vier Jahre gewählte Bürgermeister. Zurzeit ist Bill de Blaisio (D) Mayor. Er steht dem 51-köpfigen Stadtrat vor und er nennt die Beigeordneten für die fünf Stadtteile.

Wenn auch Sie, liebe Leser, jemanden kennen, der ausgewandert ist oder seit längerer Zeit in einem anderen Land lebt, dann freuen wir uns über einen Kontakt: redaktion@hersfelder-zeitung.de oder Tel. 0 66 21 /16 11 49.

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