Brief aus Bad Salzungen

Digitalisierung der Schulen lässt auf sich warten

Liebe Leserinnen und Leser der Hersfelder Zeitung, der Kreistag des Wartburgkreises hat sich kürzlich mit der Digitalisierung an den Schulen beschäftigt. 

Obwohl die Schulen im Kreis in der Investitionstätigkeit seit Jahrzehnten an erster Stelle stehen, ist der Ausstattungsgrad mit modernen Medien nicht befriedigend. Es fehlt an leistungsfähigen Computern, vor allem an Tablets und Laptops, dem schnellen Internetzugang, elektronischen Tafeln und, und, und ... Eigentlich unterirdisch.

Und nun will der Bund fünf Milliarden Euro für einen Digitalpakt ausgeben, um genau das zu ändern und die Schulen auf einen modernen Ausstattungsstand zu bringen. Eltern, Schüler und Lehrer auch im Wartburgkreis jubilierten. Doch zu früh gefreut.

Der Pakt droht zu scheitern, weil die Länder auf ihre Bildungshoheit pochen. Das Grundgesetz müsse geändert werden. Auch der linke Thüringer Kultusminister will den Vermittlungsausschuss anrufen, weil sich der Freistaat finanziell beteiligen müsste und das ein schwerwiegender Eingriff in die Landeshoheit wäre. Für ein rot-rot-grün regiertes Land eine erstaunliche Reaktion, sind es doch gerade die Linken, die seit Jahren ein einheitliches Bildungssystem in Deutschland fordern.

Der Föderalismus ist ein hohes Gut, aber gerade in der Bildung scheint er längst überholt. Unterschiedliche Lehrpläne, Schulbücher und Lernmittel sind nicht zeitgemäß. In der Folge bleiben in den Schulen die alten Computer, die im bildungsfreundlichen Wartburgkreis im Durchschnitt neun Jahre alt sind, stehen. Die Digitalisierung geht an den Schulkindern vorbei. Das Kompetenzgerangel wird Monate, wenn nicht Jahre dauern. Für Eltern, Schüler und Lehrer unverständlich, ärgerlich und frustrierend. Die große Hoffnung ist zerstoben.

Deutschland beschäftigt sich mit der künstlichen Intelligenz und die Kinder sitzen in der Schule an nicht internetfähigen Computern und langweilen sich. Zum Glück haben viele privat ein Handy, damit sie digital nicht völlig auf der Strecke bleiben.

Spätestens im Superwahljahr 2019 werden sich genau diese Politiker wieder über die Politikverdrossenheit der Menschen wundern und sich fragen, was sie falsch gemacht haben, sicher sogar über Facebook, Instagram und Co., denn die Politiker sind in der Regel gut vernetzt.

ute.weilbach@stz-online.de

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