Sex-Vorwürfe gegen den Festspiel-Intendanten

Bad Hersfelds Bürgermeister Fehling: Stehe zu Dieter Wedel

Schwere Vorwürfe: In den 1990er Jahren soll Dieter Wedel, der heutige Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, die Schauspielerinnen Jany Tempel und Patricia Thielemann sexuell belästigt zu haben. Das behaupten die Frauen im aktuellen "Zeit-Magazin". Fotos: dpa

Bad Hersfeld. Die Sex-Vorwürfe gegen den Bad Hersfelder Festspiel-Intendanten Dieter Wedel sind für Bürgermeister Thomas Fehling (parteilos) kein Anlass, ihm nicht mehr zu vertrauen.

Er könne zwar nichts zu den von mehreren Frauen im "Zeit-Magazin" erhobenen Anschuldigungen sagen, doch er sehe nach den Veröffentlichungen keinen Grund zu überhasteten Aktionen, erklärte Fehling auf Anfrage unserer Zeitung. „Er hat hier eine gute Arbeit gemacht. Ich habe ihn als zuverlässig erlebt und stehe zu ihm“, sagte der Bürgermeister.

Zum Sex gezwungen

In einem mehrseitigen Artikel des am Donnerstag erschienenen Magazins der Wochenzeitung "Die Zeit" hatten die ehemaligen Schauspielerinnen Jany Tempel (48, „Verbotene Liebe“) und Patricia Thielemann (53, „Alarm für Cobra 11“) Wedel sexueller Übergriffe in Hotelzimmern bezichtigt (unsere Zeitung berichtete). Demnach soll der Regisseur Jany Tempel 1996 in einem Hotelzimmer in München zum Sex gezwungen und Patricia Thielemann 1991 bei einem Casting in Bremen sexuell belästigt haben.

Jany Tempel, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1999. Foto: dpa

Dieter Wedel (75) hat den Hamburger Medienanwalt Michael Philippi von der Kanzlei Unverzagt von Have eingeschaltet und will „mit allen juristisch zur Verfügung stehenden Mitteln“ gegen die Veröffentlichungen vorgehen.

Eidesstattliche Versicherungen

Bereits vor Erscheinen der "Zeit" hatte Wedel die Vorwürfe in Form von eidesstattlichen Versicherungen bestritten. Die Erklärung des Anwalts haben die Festspiele auch auf ihre Internetseite gestellt. Die zitierten Frauen hatten gegenüber der Zeit ebenfalls eidesstattliche Versicherungen abgegeben.

Patricia Thielemann  Foto: dpa

Eine dritte Schauspielerin, die allerdings anonym bleibt, wirft Wedel in dem "Zeit"-Artikel vor, sie Anfang der 2000-er Jahre bei Dreharbeiten über Monate unter Druck gesetzt zu haben, weil sie die sexuellen Annäherungsversuche des Regisseurs abgewehrt habe.

Wedel räumt in seiner Erwiderung mitunter groben Umgang bei schlechter Vorbereitung ein, bestreitet aber einen Zusammenhang mit sexuellen Forderungen oder Avancen gegenüber Frauen. Über seinen Anwalt bedauert Wedel, dass er Schauspielerinnen und Schauspieler insbesondere am Set manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt habe.

Auf Nachfrage unserer Zeitung gaben weder Dieter Wedel noch die Festspiele weitere Stellungnahmen ab.

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